Tiere geben Mut und spenden Trost

Sie sind nicht nur da, um Milch und Wolle zu geben. Kühe, Schafe und Co werden auch erfolgreich als Therapeuten eingesetzt.

Tiere bewähren sich oft als Therapeuten und Pädagogen. Von Hunden ist das bekannt, aber auch landwirtschaftliche Nutztiere können Menschen in schwierigen Lebenssituationen Mut machen und Trost spenden. Immer öfter kommen daher auch Rinder, Schweine, Schafe und Co. zum Therapie-Einsatz. Und das im Rahmen der sogenannten „Tiergestützten Intervention“ (TGI) direkt auf Bauernhöfen.

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TGI-Projektleiterin Silke Scholl betont, wie wichtig der Aufbau von Vertrauen zum Tier ist. Fotos: ÖKL/Popp-Hackner

Die erfordert allerdings ganz besondere Qualifikation. Bäuerinnen und Bauern, die bereits eine pädagogische, therapeutische oder soziale Ausbildung mitbringen, können den vom Österreichischen Kuratorium für Landwirtschaft getragenen und vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) organisierten Zertifikatslehrgang „Tiergestützte Intervention am Bauernhof“ absolvieren und in weiterer Folge auf ihrem Hof tiergestützte Pädagogik anbieten. „Man lernt im Lehrgang viel über tiergerechte Haltung, wie man die Tierarten einzeln behandelt und diese dann auch zielgruppenspezifisch einsetzt“, erklärt Projektleiterin Silke Scholl, die diese eineinhalbjährige Ausbildung betreut. Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten oder sozialen Problemen oder Menschen mit psychischen Erkrankungen beziehungsweise psychosomatischen Problemen können direkt auf den TGI-Bauernhöfen Kontakt zu den Tieren aufnehmen, sie füttern und pflegen. Indem das Tier Rückmeldung über sein Verhalten gibt, kann der Klient neue Verhaltensmuster erlernen.

In die Wolle greifen

Wobei, wie die TGI-Experten verraten, jede Tierart ihren ganz individuellen therapeutischen Einsatz findet. So sind etwa Schafe ausgezeichnet geeignet, taktile Wahrnehmung zu schulen. Kinder ertasten in diesem Fall, wie tief sie in die Wolle greifen können. „Es geht unter anderem darum, im Umgang mit dem Tier verschiedene Sinnesebenen durchzugehen“, erklärt Scholl. Andererseits soll auch zu spüren sein, „wie fest man sich zum Beispiel an der Wolle festhalten kann, ohne dass es für das Schaf unangenehm wird.“ Was man daraus lernen kann? „Es geht um sozial-emotionale Kompetenz, also um die Rücksichtnahme auf das Tier“, so die Pädagogin.

01-Wahrnehmung_Popp-Hackner_St-Ulrich-Waasen_159Ein anderes Beispiel: Kühe strahlen, wie es heißt, auf Patienten oft eine ganz besondere Ruhe aus. Scholl: „In diesem Zusammenhang geht es in der Therapie um Kraft in Kombination mit Ruhe. Der gleichmäßige Rhythmus des Wiederkäuens etwa überträgt sich oft auf den Menschen und kann ihn wieder ins Gleichgewicht bringen.“ Mehr noch: „Wenn es jemand schafft, eine Kuh irgendwohin zu führen, steigert das sein Gefühl der Selbstwirksamkeit“.

Insgesamt ist zu diesem Thema von Seiten der Bäuerinnen und Bauern, die die tiergestützte Therapie auf ihrem Hof anwenden, viel Hintergrundwissen gefragt. Sie müssen „die Körpersprache eines Tieres deuten können, sich auf die jeweiligen Tiere ganz genau einstellen und sie dementsprechend einsetzen können“, erklärt Scholl.

 

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