Stellungnahmen aus den Bezirken

Angesicht des Frostes der letzten Woche fragte NEUES LAND die Kammerobmänner der betroffenen Bezirke Graz-Umgebung, Hartberg-Fürstenfeld, Südoststeiermark, Weiz, Deutschlandsberg und Leibnitz nach dem Ausmaß der Katasrophe in ihren Bezirken.

Bezirk Graz-Umgebung 

Minusgrade zerstörten Optimismus

Laut Kammerobmann Manfred Kohlfürst ist bei vielen Bauern die halbe Ernte kaputt. Zwei Tage vor der Frostnacht war der Kammer-obmann von Graz-Umgebung, Manfred Kohlfürst, im Gespräch mit NEUES LAND noch zuversichtlich, dass es für die heimischen Obstbauern ohne größere Schäden ausgehen könnte. Aber sein Optimismus hat ihm, selbst Obstbauer, nichts genützt. „Mit 30 bis 50 Prozent Schaden ist bei meinen Obstbauern im Bezirk zu rechnen, aber das wahre Schadensausmaß lässt sich noch nicht beziehungsweise nur sehr schwer abschätzen.“

Um in Zukunft solchen Wetterkatastrophen wirksam begegnen zu können, brauche man eine Frostberegnung, ist Kohlfürst überzeugt. Er selbst kennt einige Bauern, die auf kleineren Flächen beregneten und damit das Ärgste abwenden konnten. Allerdings ist diese Forderung leichter ausgesprochen als umgesetzt. „Dafür brauchen wir sehr, sehr viel Wasser und ein Wassermanagement, das voll hinter der Obstproduktion steht.“

Von Schäden beim Mais und Kürbis hat Kammerobmann Kohlfürst nichts gehört.

 

Bezirk Hartberg-Fürstenfeld 

Ohne einen Wasserplan geht’s nicht!

Kammerobmann Hans Reisinger nennt erste Schadenshöhen und fordert ein Wasser-Management. Der Frostschaden belief sich im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld im Vorjahr auf insgesamt 16,2 Millionen Euro. „Heuer könnten es wieder 12 bis 14 Millionen Euro sein“, vermutet Kammerobmann Hans Reisinger. Die Streuobstanlagen im Norden des Bezirkes hat es ebenso voll erwischt wie die Obstgärten im Westen. „Es war allerdings stark lagebedingt und ein Höhenunterschied von 30 bis 40 Meter hat mancherorts zwischen totaler oder nur teilweiser Zerstörung entschieden“, berichtet Reisinger. Im Ackerbau meldeten Saatkartoffel-Vermehrer, dass auch sie vom Frost schwer betroffen seien.

Seine Erkenntnis aus diesem Frost-Ereignis: „Wir müssen ein Wassermanagement zusammenbringen, sodass im Notfall – bei Frost oder Trockenheit – Wasser eingesetzt werden kann, um eine kontrollierte Produktion zu ermöglichen. Anders geht es nicht!“ Und er verweist auf Betriebe, auf denen in der jüngsten Frost-Nacht beregnet wurde und es nur zu einem geringen Schaden kam.

 

Bezirk Südoststeiermark

„Wir hatten Glück im Unglück“

Von guten Erfahrungen mit dem Hackschnitzel–Heizen berichtet Kammer-obmann Günther Rauch. So wie Günther Rauch schrammten viele seiner Weinbau-Kollegen im Bezirk Südoststeiermark an einer Frost-Katastrophe knapp vorbei. Bei Muskateller, Chardonnay und Zweigelt sind etwa 20 bis 30 Prozent abgefroren, bei den restlichen Sorten liegt der Schaden bei 10 bis 15 Prozent. „Unser Glück war, dass der Austrieb bei den meisten Sorten im Vergleich zum Vorjahr ungleichmäßiger und auch nicht so weit war“, erklärt Rauch. „Bei Apfel und Steinobst ist der Schaden aber wieder sehr hoch!“ Genaue Zahlen über die tatsächliche Schadenshöhe kann der Kammerobmann des Bezirkes Südoststeiermark aber keine nennen.

Bei den Gegenmaßnahmen war seiner Meinung nach das Abheizen von Hackschnitzeln am wirkungsvollsten. „Es hat sich aber gezeigt, dass wir beim Räuchern noch zu wenig Erfahrung haben. Die Rauchdunstglocke hätte, so wurde uns nachher gesagt, nach dem Morgenfrost noch bis etwa neun Uhr, als es endlich wieder Plusgrade gab, über dem Weingarten sein müssen.“

 

Bezirk Weiz 

Zuhören als allererste Hilfe

Viele Obstbauern kämpfen um ihre Existenz, berichtet Kammerobmann Sepp Wumbauer. Und wieder hat es die Apfel- und Kernobstbauern voll erwischt! Der Weizer Kammerobmann Sepp Wumbauer erzählt, dass man jetzt den betroffenen Bauern am meisten damit hilft, wenn man ihnen zuhört und ihnen mentale Unterstützung anbietet.

„Die bisherigen Rückmeldungen weisen auf massivste Schäden hin, die teilweise gleich hoch sind wie im Vorjahr“, berichtet Wumbauer. „Natürlich gibt es Unterschiede bei den einzelnen Lagen und Regionen, aber bei minus fünf, sechs Grad, die an zahlreichen Stellen gemessen worden sind, hat meist nichts mehr geholfen.“

Für viele Obstbauern ist die Situation jetzt existenzbedrohend, weiß Wumbauer. „Die Frostversicherung ist zwar eine Linderung in dieser schwierigen Situation, aber wir brauchen die Produktion, sonst verlieren wir den Markt.“ Sein Credo: „Uns hilft nur eine Frostberegnung, aber dafür braucht man viel Wasser, Pumpen, Leitungen und die Genehmigungen. Das ist unsere zukünftige Herausforderung.“

 

Bezirk Deutschlandsberg 

Jetzt hofft man auf  den Regen

„Alle haben in der Frostnacht zusammengehalten“, sagt Kammerobmann Christian Polz. Im Bezirk Deutschlandsberg sind vor allem die tieferen Lagen, wie etwa in Wernersdorf oder Wies, vom Frost betroffen. „Wie hoch der Schaden ist, ist allerdings noch schwer zu sagen. Wir schätzen ihn auf zwischen 15 und 30 Prozent. Punktuell sogar auf bis zu 50 Prozent“, sagt der Deutschlandsberger Kammerobmann Christian Polz. „Den Obstbau hat es stellenweise wieder schwer getroffen. Da ist man mit der Einschätzung des Schadens allerdings noch vorsichtig, wir müssen die nächsten Tage abwarten. In den Weingärten hat vor allem das Heizen geholfen. Alte Heuballen haben sich dabei besonders bewährt, weil sie sehr lange brennen“.

Derzeit hofft man im Bezirk auf Regen, damit sich die Rebstöcke wieder ordentlich erholen können. „Ein bisschen was gleichen die Pflanzen im Normalfall ja aus, man wird sehen. Die Stimmung unter den Bauern ist nicht so schlecht, vor allem haben alle sehr gut zusammengehalten, als es ums Maßnahmen-Setzen in der besagten Nacht ging“, so Polz.

 

Bezirk Leibnitz 

Einzelne hat es schlimm erwischt

Für Kammerobmann Gerald Holler ist auch das Wetter in den nächsten Tagen wichtig. Auch im Bezirk Leibnitz wurden zahlreiche Maßnahmen zur Frostbekämpfung gesetzt. Inwieweit sie geholfen haben, ist laut Kammerobmann Gerald Holler schwer zu sagen: „Man versucht natürlich was man kann, um nicht zuschauen zu müssen, wie alles kaputt geht. Das wäre das Schlimmste“.

„Man kann noch nicht genau sagen, wie hoch der Schaden ist, Totalausfälle gibt es allerdings. Das trifft besonders  auf tiefe Lagen zu: Da hat es zum Beispiel Grubtal in der Marktgemeinde Gamlitz schwer erwischt“,  zieht Holler eine erste Bilanz.

Er sieht „die Sache aber noch nicht gegessen: Wenn das Wetter jetzt passt, dann wird wahrscheinlich noch etwas austreiben, wenn die Temperaturen noch einmal unter null Grad fallen, bekommen wir noch eine drauf. Wir hoffen jetzt also auf schönes, warmes Wetter und natürlich Regen. Aber derzeit soll es laut Prognosen ja wieder kalt werden“. Trotz allem sei die Stimmung unter den Landwirten im Allgemeinen derzeit nicht so schlecht wie im Vorjahr.

 

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