Sperrstund’ beim Dorfwirt

Immer mehr Gemeinden beklagen den Verlust von Traditionsgasthäusern. Das hat auch spürbare Auswirkungen auf das Dorfleben.

Die Betroffenheit bei Bürgermeister Anton Weber ist groß. In der Marktgemeinde Dobl-Zwaring haben mit Jahreswechsel gleich zwei Traditionsgasthäuser für immer geschlossen. „Das ist ein großes Problem für unser Dorfleben.“, bestätigt das Gemeindeoberhaupt. Auch sein Amtskollege Erich Prem aus Gersdorf an der Feistritz musste im vergangenen Herbst Ähnliches erleben. Das Gasthaus „Zur schönen Aussicht“ schloss seine Pforten. „Es ist immer ein großer Verlust, wenn ein Gasthaus zumacht“, erklärt Prem.

Wenn ein Gasthaus zusperrt, fehlt ein Kommunikationszentrum, wo die Menschen nach der Arbeit oder am Wochenende zusammenkommen und miteinander Meinungen und Informationen austauschen.

Wenn ein Gasthaus zusperrt, fehlt ein Kommunikationszentrum, wo die Menschen nach der Arbeit oder am Wochenende zusammenkommen und miteinander Meinungen und Informationen austauschen.

Längst sind die Beispiele aus Dobl-Zwaring und Gersdorf an der Feistritz keine Einzelfälle mehr. Fachgruppengeschäftsführer Christian Kolbl von der Wirtschaftskammer Steiermark bestätigt, dass in den vergangenen zehn Jahren ungewöhnlich viele Landgasthäuser zu bestehen aufgehört haben. „Die Betriebsart Gasthaus hat spürbar abgenommen“, weist Kolbl nach, „dagegen nehmen Restaurants und Cafes immer mehr zu.“ Viele dieser Lokale befinden sich in Einkaufszentren oder sind so genannte Ethno-Betriebe mit chinesischen, türkischen oder italienischen Speisenangeboten. Daher ist die aktuelle Gesamtzahl von etwa 6500 Gastronomiebetrieben in der Steiermark mit Vorsicht zu genießen und sagt wenig über die Ist-Situation in den ländlichen Gemeinden aus.

Das i-Tüpfelchen

Auch wenn in der öffentlichen Diskussion Themen wie Allergenverordnung, Registrierkassenpflicht und Rauchverbot oft als Grund für Gasthaus-Schließungen genannt werden, will Christian Kolbl das nur bedingt gelten lassen: „Sie sind meist nur mehr das i-Tüpfelchen. Die wahren Gründe liegen tiefer.“

Wenn die bisherige Besitzerfamilie in Pension geht und keinen Nachfolger findet, ist das Aus des Wirtshauses vorprogrammiert. In vielen Fällen ist das die Hauptursache. Allerdings ist das häufig mit der zunehmenden Bürokratie und dem Investitionsdruck verbunden: „Wer reüssieren will, muss alle paar Jahre investieren, um am Ball zu bleiben“, erklärt Kolbl. „Häufig stößt man dabei auf das Problem, dass in unserem Geschäft zu wenig zu verdienen ist. Wir werden zwar für unser tolles Preis-Leistungsverhältnis gelobt, aber die Gewinnspanne ist niedrig.“

Immer mehr gehen der Gastronomie auch gute Mitarbeiter verloren. Viele wollen an Samstagen, Sonn- und Feiertagen nicht arbeiten. „Aber es geht nicht, dass das Personal so attraktiv bezahlt wird, dass über mehr Lohn für den Ausgleich gesorgt wird“, sagt der Fachgruppengeschäftsführer.

Von Funktionären aus dem Gastronomiebereich werden auch andere Gründe ins Treffen geführt, warum es den Wirten nicht gut geht. Immer wieder wird die Konkurrenz mit Buschenschenken, Vereinshütten, öffentlichen Grillfeiern, Sommerfesten und diversen anderen Festen genannt. „Gut ist es, wenn die Gemeinden und Vereine mit ihren örtlichen Wirten zusammenarbeiten“, betont Kolbl. In dieselbe Kerbe schlägt Bürgermeister Karl Konrad aus der Marktgemeinde Paldau. Auch hier hat mit Jahresende ein Traditionsgasthaus zugesperrt. „Gottseidank sind wir in unserer Gemeinde mit guten Gasthäusern gesegnet. Und wir haben auch zahlreiche Vereine, von denen unsere Gasthäuser sicherlich profitieren.“

Fotos: Wodicka, fotolia.com/Syda Productions

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