Schwere Zeiten für die Feste

Macht die Flut an Auflagen und Einschränkungen traditionelle Veranstaltungen und Feste bald unmöglich?

 

Egal ob Hygieneverordnung, Lebensmittelinformationsverordnung oder lebensmittelrechtliche Rückverfolgbarkeit: Unzählige Reglementierungen sorgen bei vielen Veranstaltern von Festen für große Verunsicherung. Bäuerliche Veranstaltungen sind dabei ebenso betroffen wie Pfarr- oder Feuerwehrfeste.

Die Verordnungen sind komplexe rechtliche Schriftstücke, die für den Laien schwer bis nicht verständlich sind. Deshalb stehen Veranstaltern Leitlinien zur Verfügung, die Faustregeln formulieren, wie man immer auf der sicheren Seite ist. Diese sind nach dem Prinzip erstellt: Wer besonders streng auf Hygiene achtet, erspart sich böse Überraschungen. So wird in manchen dieser Leitlinien vom Tragen von Dirndlkleidern abgeraten, obwohl die Verordnung selbst nur saubere Arbeitskleidung vorschreibt, was wohl auch durch das Umbinden einer Schürze bewerkstelligt werden könnte.

Dass trotzdem dazu geraten wird, bei der Ausgabe von Lebensmitteln auf weiße Arbeitskleidung zurückzugreifen, sorgt gerade bei den Bäuerinnen immer wieder für Unverständnis: „Bäuerliche Kulinarik ist mehr als nur Essen. Da geht es um den Gesamteindruck und viele Bäuerinnen möchten auf das Dirndl als Ausdruck ihrer Traditionsverbundenheit nicht verzichten“, erklärt Landesbäuerin Gusti Maier.

Allergen-Kennzeichnung

Die Vorgaben bereiten nicht nur den Bäuerinnen Kopfzerbrechen: „Zahllose hausgemachte Kekse wurden bisher in der Adventzeit auf diversen Märkten angeboten. Oft ging der Erlös an Karitative Einrichtungen. Schade, es wird angesichts der bürokratischen Anforderungen  in Zukunft sehr schwierig werden, Frauen zum Backen zu animieren“, so Martha Franz, Geschäftsführerin der Steirischen Frauenbewegung.

Hinter vorgehaltener Hand hört man da und dort, die Verordnungen seien auf Drängen der Gastronomen erlassen worden, die sich unliebsamer Konkurrenz entledigen wollten. Dem widerspricht Barbara Krenn, Fachgruppenobfrau der Steirischen Gastronomie, vehement: „Bei den Verordnungen handelt es sich um Vorgaben aus Brüssel. Vor allem die verpflichtende Allergeninformation trifft auch unsere Gastwirte massiv, wenngleich es uns gelungen ist, hier eine mündliche Information der Gäste als Möglichkeit durchzusetzen.“

Die entsprechende Verordnung tritt mit 13.12.2014 in Kraft. Ab diesem Tag ist jeder Anbieter verpflichtet, alle in seinen Lebensmitteln enthaltenen Allergene Kund zu machen. Dies gilt für vorverpackte Ware, aber auch für lose zum Verkauf angebotene Lebensmittel. Zumindest in diesem Punkt gibt es allerdings Entwarnung für die heißgeliebten Mehlspeisenteller, ohne die kein traditionelles Fest im Steirerland denkbar wäre: Sofern die Backwaren von Privatpersonen hergestellt und verkauft werden, sind diese Köstlichkeiten nach Information des Gesundheitsministeriums von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen.

Rückverfolgbarkeit

Ein schwacher Trost, denn die Bestimmungen der Hygieneverordnung, vor allem aber die Verpflichtung zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln sind vollinhaltlich auch auf solche Feste anzuwenden: „Jeder der Lebensmittel herstellt, verarbeitet oder vertreibt, egal ob auf Gewinnerzielung ausgerichtet oder nicht, fällt darunter. Damit gelten auch die allgemeinen lebensmittelrechtlichen Anforderungen wie zum Beispiel die Rückverfolgbarkeit“, teilte die Presseabteilung des Ministeriums mit.

Steht damit jeder Veranstalter, der Keksteller anbietet, ohne zweifelsfrei im Nachhinein Auskunft darüber geben zu können, von welcher Hobbybäckerin welches Vanillekipferl stammt, mit einem Fuß im Kriminal?

Hier gibt Christian Kaltenegger von der Lebensmittelaufsicht des Landes Steiermark Entwarnung: „Diese Verpflichtung gibt es ja schon seit 2006. Wir haben auch die Feuerwehren in eigenen Schulungen diesbezüglich beraten. Bei durcherhitzten Lebensmitteln wie Keksen besteht in der Regel keine Gefahr für die Konsumenten. Problematisch sind Mehlspeisen mit rohem Ei oder solche, die durchgehend gekühlt sein müssen. Hier empfehlen wir den Veranstaltern zu vermerken, wer solche Mehlspeisen mitbringt, um im Bedarfsfall der Rückverfolgungspflicht Genüge zu tun.“

Generalverdacht

Großen Wert legt er darauf, Bäuerinnen und Hausfrauen nicht unter Generalverdacht zu stellen: „Die Vorschriften entspringen nicht dem Misstrauen gegenüber den handelnden Personen. Es ist uns klar, dass gerade Hausfrauen und Bäuerinnen oft wesentlich bewusster und hygienischer mit Lebensmitteln umgehen, als das häufig in Betrieben der Fall ist.“

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