Schulmilch: Viele haben aufgegeben

Von einst 60 steirischen Betrieben, die „White Energy“ liefern, sind nur noch 17 übrig. Vielen ist diese Aufgabe einfach zu schwierig geworden.

Weltweit wurde gestern der „Schulmilchtag“ begangen. Damit rückten auch jene steirischen Schulmilchbauern in den Mittelpunkt, die Schulen und Kindergärten täglich mit wertvollen, frischen, heimischen Milchprodukten versorgen. Das Argument dafür klingt toll und ist ganz auf das Höhe der Zeit: „Heute erzeugt, morgen schon in der Schule!“ Doch so richtig Lust zum Feiern hatten die steirischen Schulmilchbauern an ihrem internationalen Jubeltag nicht. Ihr Sprecher, Hermann Madl aus Seckau, kann diese Stimmungslage gut erklären: „Ende der 90er-Jahre waren wir noch sage und schreibe 60 Schulmilch-Betriebe, jetzt sind nur noch 17 übriggeblieben – das sagt eigentlich alles. Sehr viele haben aufgegeben, weil es ihnen zu schwierig und zu aufwendig geworden ist.“

Wo liegen die Schwierigkeiten? „Die Produktion ist sehr arbeitsintensiv und mit äußerst strengen Hygienevorschriften belastet, die Verteilung eine enorme Herausforderung, und nicht zuletzt ist auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler stark rückläufig. Darüber hi-naus müssen wir uns dem Wettbewerb mit der Lebensmittelindustrie stellen – was wahrlich nicht einfach ist.“ Das Hauptproblem dabei: „Die Kinder von heute lieben Vielfalt und Abwechslung. Wir bemühen uns sehr, das auch zu bieten – aber stoßen damit einfach an unsere Grenzen.“

Der Alltag des Schulmilchbauern hat natürlich auch seine sehr erfreulichen Seiten: „In vielen Schulen werden wir mit offenen Armen empfangen. Auch deshalb, weil es mit uns möglich wird, das zu leben, was derzeit in aller Munde ist: Regionalität, Frische und Vertrauen zum Produzenten. Hervorragend läuft das überall dort, wo engagierte Lehrkräfte aus ganzem Herzen dabei sind. Doch dieses Engagement ist auch mit nicht wenig Arbeit verbunden, monatliche Bestellungen und Abrechnungen müssen erledigt werden. Da kommt einiges zusammen.“

 

Madl

Hermann Madl mit dem Sieger des Zeichenwettnewerbes.

Auffallend ist die Tatsache, dass Schulmilchprodukte in erster Linie an Volksschulen hoch im Kurs stehen. An Neuen Mittelschulen und Höheren Schulen lässt die Lust auf „White Energy“, wie man die Milch dort gerne etwas cooler nennt, leider deutlich nach. Aber gerade in diesem Alter, so klagt Madl, sollte man die jungen Leute für das Thema gesunde Ernährung begeistern.

Im Goldenen Zeitalter der Schulmilch in der Steiermark gab es, erzählt Madl, das „Schulmilch-Forum“, eine Dachorganisation aller Betriebe. Mittlerweile ist er vom alten Vorstand der Einzige, der noch nicht das Handtuch geworfen hat. Am 3. Oktober will man endlich wieder einen neuen Sprecher wählen. Madl gilt als Favorit für diese Funktion

Welt-Schulmilchtag

Steirische Schulmilchbauern versorgen rund 400 steirische Volksschulen, etwa 120 Neue Mittelschulen und Höhere Schulen sowie rund 70 Kindergärten mit tagesfrischen Milchprodukten.

Mit einem Anteil von 68 Prozent führt Kakao die Hitliste der Schulmilchprodukte an. Es folgen mit 18 Prozent Fruchtmilchprodukte wie beispielsweise Erdbeer- und Bananenmilch. Der Anteil der Vollmilch am Schulmilchkonsum beträgt zehn Prozent. Der Rest sind Fruchtjoghurts, Joghurtdrinks und sonstige Milchprodukte wie etwa Molkegetränke.

Zum Welt-Milchtag gab es heuer einen großen Malwettbewerb. Rund 1.000 Kinder gestalteten ihre persönlichen Schreibtisch-Unterlagen, die Jury des steirischen Schulmilchforums suchte die ihrer Meinung nach schönsten davon aus. Gewinner in der Kategorie 1. und 2. Klasse Volksschule wurde Daniel Freißmuth von der Volksschule Riegersburg, die Kategorie 3. und 4. Klasse gewann Jakob Wendler von der Volksschule Laubegg in Leibnitz. Wir gratulieren.

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