Schau auf deine Füße!

Fußfehlstellungen sind weit verbreitet. Druckstellen verursachen Schmerzen. Der Bewegungsapparat leidet. Zur Behandlung gehören auch regelmäßige Dehnungsübungen.

Rund die Hälfte unseres Lebens stehen wir auf unseren Füßen. So richtig bewusst wird uns das allerdings erst, wenn sie wehtun. Eine häufige Ursache für Schmerzen sind Fußfehlstellungen. „Sie sind weit verbreitet“, sagt Orthopäde Eduard Lanz. Sind die Verformungen nicht angeboren, so ist zumeist eine Überlastung schuld an der Misere. Normalerweise hat das Fußgewölbe eine Hohlform. Der Senkfuß entsteht durch eine Absenkung dieses Gewölbes, der Fuß liegt dann beim Gehen und Stehen fast vollständig auf dem Boden auf. Beim Spreizfuß liegt ein zu hoher Druck auf dem Vorderfuß, die Zehenknochen werden auseinandergespreizt. Der Knickfuß kommt vor allem bei jungen Menschen vor. Die Ferse kippt als Folge einer Überbeweglichkeit beim Gehen nach außen.

Druckstellen entlasten

Durch diese Verformungen entstehen Druckstellen, die eben Schmerzen verursachen können. Fußfehlstellungen machen sich aber auch in der gesamten Muskel- und Knochenkette bemerkbar. Die Fußsohlen haben eine wichtige Rolle, da sie beim Stehen und Gehen die einzige Körperoberfläche mit Druckkontakt zum Boden sind. „Nur über diese geringe Fläche wird der Körper informiert, wie das Bewegungssystem gegen die Schwerkraft wirken muss“, führt Lanz aus. Bekommt die Muskulatur nicht die entsprechenden Impulse über die Fußsohle, kann sich der Körper nicht mehr optimal bewegen.

Warum Fußfehlstellungen so verbreitet sind? Das liegt nicht allein am falschen beziehungsweise zu engen Schuhwerk oder an der Tatsache, dass Barfußlaufen eine Seltenheit ist. „Die Dehnung der Muskulatur kommt viel zu kurz, die Sehnen beginnen zu schmerzen“, erklärt Lanz. Eine einfache Übung führt das vor Augen: Hockt man sich bei einem Fußabstand von zehn Zentimetern nieder, soll das Gesäß möglichst nah an die Fersen herankommen. „Vielen gelingt das allerdings nicht.“ Hilfsmittel wie Stühle, Bänke und Tische haben das Leben zwar bequemer gemacht, tragen aber zur mangelnden Dehnung bei.

Dehnung der Muskulatur

Die wichtigste Maßnahme zur Linderung der Beschwerden liegt für den Spezialisten daher in regelmäßiger Fußgymnastik und einer damit einhergehenden Verbesserung der Funktion. „Denn entscheidend ist nicht, wie ein Fuß aussieht, sondern wie er funktioniert“, so Lanz. Übungen zur Dehnung der Beinmuskulatur sind daher wichtig. Ein wesentlicher Rat, etwa im Fall eines Knickfußes, liegt darin, kürzere Schritte zu machen und damit die Frequenz zu erhöhen – das gilt vor allem auch für sportliche Aktivitäten. Diese Konsequenz hat einen zusätzlichen positiven Effekt: „Die Verletzungsgefahr wird reduziert“, so der renommierte Sportarzt. Nicht allen Fehlstellungen kann man mit Übungen allein begegnen, zur Behandlung werden orthopädische Einlagen eingesetzt, sie entlasten die Druckstellen. Es gibt auch hier spezielle Modelle: „Sogenannte propriozeptive Einlagen beeinflussen gezielt die Muskelaktivität über die Fußsohlen.“ Operationen kommen seltener vor, etwa im Falle des „Hallux valgus“, einem Schiefstand des Großzehs. Der Besuch beim Spezialisten sorgt für Klarheit.

Übungen

Von Eduard Lanz empfohlene Übungen, Teil des Fit-Form Therapiesystems:

  • Schrittstellung einnehmen. Der Außenrand der linken Ferse berührt den Boden. Mit der Großzehe auf die Unterlage schlagen, sodass der Fuß um seine Längsachse gedreht wird.
  • In Rückenlage Hände unter das Gesäß, linkes Bein im Knie gestreckt und im Sprunggelenk gebeugt, rechtes Bein im Knie gebeugt und im Sprunggelenk gestreckt. Abwechselnd die Übung wiederholen.
  • Mit dem Gesicht zur Wand stehen. Fuß an der Wand abstützen. Durch Vorschieben des Körpers erfolgt die Dehnung der Wade.
  • Aus dem Stand im Knie gestrecktes, im Sprunggelenk gebeugtes Bein auf Tisch oder Sessel legen. Bei eingedrehtem Standbein Dehnung der Oberschenkel-Außenseite, bei ausgedrehtem Standbein Dehnung der Oberschenkel-Innenseite des aufgelegten Beines.
  • Stand auf einem Bein. Eventuell mit linker Hand Abstützung an Tisch oder Wand – rechte Hand erfasst rechten Fußrücken. Zuerst erfolgt die völlige Streckung im Hüftgelenk durch Anheben des Beines, dann wird durch Zug die Beugung im Kniegelenk verstärkt.

 

Foto: fotolia.com/fotovika

 

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*