Riesenschritte durch Murau

Der Samson steht für Kraft und Stärke. Am kommenden Samstag ist wieder sein Festtag: gelebte Tradition, die internationale Fans hat.

Was für ein Prachtkerl! Sechs Meter hoch, 75 Kilo schwer, aus Holz und Leichtmetall gefertigt, in leuchtend roter Uniform gewandet, mit zahlreichen Orden geschmückt und mit Lanze ausgestattet, weithin sichtbar, getragen von nur einem Mann, dem vier Helfer, die sogenannten „Haberer“ zur Seite stehen. Das sind die Eckdaten des Murauer Samsons, des alten nämlich, wenn er am kommenden Samstag durch die obersteirische Kommune getragen wird. Denn es gibt noch eine zweite Figur, die etwas jüngeren Datums ist und ebenfalls Auftritte mit der Murauer Bürgergarde absolviert. Allerdings nicht beim legendären Samsonumzug: „Vor zehn Jahren haben wir den Korpus der älteren Figur auf einem Dachboden entdeckt und unser Samson-Meister Bertl Kam-pusch, hat ihn gemeinsam mit Gardeschneider Rainer Scherer und Karl Schenk, Spezialist für Tapezier- und Lederarbeiten, in zahlreichen Stunden liebevoll restauriert. Mit ihm gehen wir auch auf Reisen wie unlängst nach Polen“, erzählt der Obmann der Bürgergarde Rudolf Paschek.

Internationalität

Ausschließlich der alte Samson kommt aber am „Prangtag“, dem 15. August, zum Einsatz und wird in einem festlichen Zug Einheimischen wie Gästen vorgeführt. Bereits seit 1748 ist dieser Brauch in Murau urkundlich nachweisbar. Zu dieser Zeit wurde eine Samson-Figur um 24 Gulden von der Tamsweger Frohnleichnambruderschaft erworben. Der Samson und sein jüngerer Bruder sind aber keineswegs die einzigen ihrer Art: Es gibt noch zehn Stück davon im Salzburger Lungau und eine im belgischen Ath. Doch wer war dieser Samson eigentlich? „Ein israelitischer Richter, der etwa 600 vor Christi lebte und dem Riesenkräfte nachgesagt wurden“, gewährt Rudolf Paschek Einblicke in die Historie. In der Zeitspanne vom späten Mittelalter bis zu den Napoleonischen Kriegen lassen sich solche Umzugsriesen neben Österreich auch in Holland, Belgien, Südengland, in Frankreich und Spaniens, sogar in Mexiko nachweisen. Und so hat der Murauer Samson heute auch weit über die Grenzen hinaus eine große Fangemeinde, wie die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes, Melanie Koch bestätigt: „Ja, unsere Gäste sind international. Ich habe zum Beispiel gerade Besuch aus Australien und Israel bei mir im Büro gehabt.“ Selbst die derzeit so umtriebigen Wespen fliegen auf den Samson: „Bei den Vorbereitungsarbeiten haben wir ein großes Nest im Inneren entfernen müssen“, schmunzelt Rudolf Paschek.

Kulturerbe

Für die Region ist der Samson als Tourismusmagnet nicht mehr wegzudenken und einzigartiger Beweis für gelebtes Brauchtum in der Region. Dafür gab es im Jahr 2010 auch die Aufnahme auf die österreichische Liste des immateriellen Kulturerbes. Am Umzugstag werden geschätzte Tausend Fans dabei sein. Und diese sehen dann wieder einen Riesen, „ der in seiner Ursprünglichkeit erhalten bleibt und zwar ohne Einfluss von Allerweltsdingldangl“, wie der Obmann der Bürgergarde, die übrigens 2016 ihr 400-Jahr-Jubiläum feiert, mit Stolz betont.

Programm

9.45 Uhr: Begrüßung, Großer Frauentag, Feldmesse, anschließend Kräutersegnung und Segnung des Samsonträgers

12.30 Uhr: Abmarsch der Bürgergarde und der Eisenstädter Schützengesellschaft vom Friesachertor zum Gasthof Ferner.

13 Uhr: Beginn des Umzuges beim Gasthof Ferner durch die Schwarzenbergstraße, auf den Hauptplatz, durch die Anna Neumannstraße auf den Raffaltplatz. Pause mit Stärkung. Weiter über den Rindermarkt zum Festplatz beim Friesachertor.

15.30 Uhr beim Friesachertor:
Tanz des Samson bis ca. 17 Uhr. Für kühle Getränken und Gaumenfreuden ist gesorgt.

www.murau-kreischberg.at

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