Reim oder nicht Reim …

Für viele Steirer ist das Verfassen von Mundartgedichten ein Hobby. Vor allem Bauern und Bäuerinnen frönen der Dichtkunst.

 

Bei den unzähligen Weihnachtsfeiern sind jetzt wieder viele Mundartgedichte zu hören. Das Angebot ist groß, denn fast jeder Heimatdichter ist bestrebt, seine Texte in einem Buch zu sammeln, auch wenn er solche Druckwerke meist im Eigenverlag herausgibt.

Wie viele Männer und Frauen in der Steiermark der Dichtkunst anhängen, ist nirgendwo in Zahlen erfasst. Viele Gedichte verlassen nie den intimen Kreis der Familie und sind gerade einmal bei einer Geburtstagsfeier oder Jubelhochzeit zu hören.

Oft sind es Zufälle, die einen Mundartdichter in das Licht der Öffentlichkeit bringen. So geschehen auch bei der Bäuerin Elfriede Groß aus Waisenegg bei Birkfeld. Sie wurde von einem Bekannten ersucht, bei einer öffentlichen Veranstaltung in Birkfeld eines ihrer eigenen Gedichte aufzusagen. Das war vor vier Jahren. Dieser Auftritt schlug voll ein. Seither konnte man die dreifache Mutter schon bei zahlreichen Bauern- und Bäuerinnenveranstaltungen, Weihnachtsfeiern und sogar in Radiosendungen hören. Das Dichten war für sie immer ein Ventil, Gefühle und Geschehnisse persönlich aufzuarbeiten. Dabei setzt sie ganz auf die Mundart: „Mir ist es sehr wichtig, dass der Dialekt erhalten bleibt. Außerdem kann ich mich so am besten ausdrücken.“

Ihren großen Auftritt hat die Oberweger Bäuerin Elisabeth Fuchs alljährlich beim Erntedankfest bei der Soldatenkirche auf dem Truppenübungsplatz Seetal. Dort trägt sie schon seit über 30 Jahren ein selbst verfasstes Erntedankgedicht vor. Mit dem Schreiben hatte sie deshalb begonnen, um Erlebtes und Gesehenes ihren Kindern und Enkeln weitergeben zu können.

Laut Anton Wilfling, dem Präsidenten des Bundes Steirischer Heimatdichter, sind die Verfasser von Mundartgedichten überproportional stark in Landgemeinden zuhause. Dort ist auch der Dialekt noch viel ausgeprägter. Aber in der Heimatdichtung schließen einander die Mundart und Schriftsprache nicht aus. „Im Gegenteil“, betont Wilfling, „sie befruchten den Wortschatz und so können viele neue, interessante Texte entstehen.“ Ein sensibles Thema ist allerdings die Mundartschreibung. Einerseits soll der Text lesbar sein, andererseits soll sich darin auch die jeweilige Region mit ihren typischen Ausdrücken wiederfinden.

Derzeit zählt der Bund Steirischer Heimatdichter, einer von vielen Plattformen für die Dichter im Lande, rund 70 Mitglieder. Eines davon ist der Bauer Franz Spieler aus Freiland bei Deutschlandsberg. Seine Gedichte (Mundart und Schriftsprache) können ernst und nachdenklich sein, aber auch frech und lustig, wobei Spieler die Pointe meist erst im letzten Satz oder gar erst in der letzten Verszeile zur Geltung kommen lässt. Die Themen, die in den Mundartgedichten zur Sprache kommen, sind so bunt wie eine Blumenwiese und reichen von der Liebe über die Natur bis hin zur Heimat. Aber auch Zeitkritisches findet immer mehr Eingang in die Texte.

Über den künstlerischen Wert von Gedichten könnte lang und ausführlich diskutiert werden. Gute Dichtung definiert sich über das Versmaß, die Originalität und den Sinn des jeweiligen Gedichts. Wer Tipps von Fachleuten und Kritik zum Selbstgeschriebenen annehmen kann und auch bereit ist, fremde Texte zu lesen und anderen Heimatdichtern bei ihren Vorträgen zuzuhören, kann sich als Gedichteschreiber weiterentwickeln. Viele wollen aber nur daheim in ihren Familien oder Vereinen ein Anlassgedicht als Beitrag zu einer schönen Feier leisten und sind glücklich, wenn sie damit jemandem eine Freude bereiten können.

 

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„Ich habe zu schreiben begonnen, um meinen Kindern und Enkeln von früher erzählen zu können.“ Elisabeth Fuchs Bäuerin in Oberweg

 

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Sepp Loibner vom ORF Radio Steiermark schreibt ebenso, wie Elfi Groß aus Waisenegg Mundartgedichte.

 

 

 

 

 

 

 

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