„Perfekter Markt für unsere Produkte“

Landesrat Hans Seitinger im Interview über wichtige Eindrücke, die er dieser Tage bei einem Arbeitsbesuch in Japan gewonnen hat.

NL: Herr Landesrat, Sie waren vorige Woche mit einer hochkarätigen Delegation angeführt von Bundesminister Rupprechter auf Arbeitsbesuch in Japan. Warum ist das Land der aufgehenden Sonne für uns so wichtig?

LR Hans Seitinger: Japan ist nach den USA und China unser drittgrößter Handelspartner. Ein Markt von 128 Millionen Menschen, von denen sehr viele auch einen relativ hohen Lebensstandard genießen, ist natürlich ein perfekter Absatzmarkt für unsere hochwertigen Produkte. In verschiedenen Bereichen gibt es aber Handelshemmnisse, die aufgebrochen werden müssen. Ich denke da zum Beispiel an den Rindfleischexport, der durch die BSE-Krise nicht möglich ist.

NL: Welche Bereiche wurden angesprochen bzw. verhandelt?

Seitinger: Konkret ging es um den bereits angesprochenen Rindfleischexport. Apfelexporte möglich zu machen und der Aufbau der japanischen Holzwirtschaft durch steirisches Know-how waren weitere wichtige Gesprächspunkte.

NL: Warum ist die Forst- und Holzwirtschaft derzeit für Japan so wichtig? Wo können unsere heimischen Unternehmen wirtschaftspolitisch Fuß fassen?

Seitinger: Dieser Bereich wurde in Japan über Jahrzehnte stark vernachlässigt. Derzeit werden nur knapp zehn Prozent des Zuwachses genutzt, weil es zum Beispiel keine infrastrukturellen Aufschließungen in den großen Waldlandschaften gibt. Nun geht es den Verantwortlichen darum, diesen Wirtschaftssektor zu beleben und neue regionale Wirtschaftskreisläufe aufzubauen. Ein wesentlicher Exportmarkt ergibt sich daher aus steirischer Sicht für Seilkräne und weitere Holzerntemaschinen. Des Weiteren ist Japan bekanntlich ein extremes Erdbebengebiet und so wird insbesondere im Holzbau eine starke Alternative zu bisher kritischen Ziegel- und Betonbauten erwartet. Im Jahr 2020 finden die Olympischen Spiele in Tokio statt. Angedacht ist, das Olympische Dorf mit Holz zu bauen. In diesem Bereich besteht daher nicht nur eine Nachfrage nach unserem Holzbau-Know-how, sondern es bieten sich dadurch auch Möglichkeiten zum Export für unsere steirischen Brett-Sperrholzsysteme. Die diesbezüglichen Gespräche verliefen sehr vielversprechend.

NL: Kann man am Lebensmittelsektor von den Japanern etwas lernen?

Seitinger: Auch diesen Sektor habe ich mir mit besonderem Interesse angesehen. Zu allererst war ich fasziniert, in welch hochqualitativer Form dort Lebensmittel angeboten werden und welch hohen Stellenwert die Ernährung in der Gesellschaft hat. Außerdem war ich erstaunt darüber, welche hohen Preise für einzelne Produkte in den Großmärkten verlangt werden. Speiseäpfel, die mit unserer Qualität vergleichbar sind, werden um bis zu 2,90 Euro pro Stück verkauft. Damit erhält natürlich auch der Bauer einen erheblich höheren Preis, als bei uns. Wir müssen alle hart daran arbeiten, dass diese Form der Wertschätzung bald einmal auch unseren Bauern zu Teil wird.

NL: Was gibt die japanische Speisekarte für einen Europäer her?

Seitinger: Ich habe den Eindruck gewonnen, dass bei der Auswahl der Speisen wesentlich mehr Bewusstsein für die richtige Ernährung gelebt wird, als bei uns. Das sieht man unter anderem auch sehr deutlich daran, dass mir in der 30 Millionen Metropole Tokio kein einziger übergewichtiger Mensch aufgefallen ist. Das krasse Gegenteil also zu den Vereinigten Staaten.

 

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