Der „oberste Holzknecht“ am Ring

Am Red Bull Ring in Spielberg nahmen 250 Besucher am Steirischen Holzbautag 2014 teil. Landesrat Hans Seitinger hob als „oberster Holzknecht des Landes“ die große wirtschaftliche und ökologische Bedeutung des Baustoffes Holz hervor.

LK-Präsident Franz Titschenbacher eröffnete das Ereignis und verwies dabei auf den Schlüsselfaktor Sehnsucht: „Alles beginnt mit der Sehnsucht, denn schon alleine wenn wir mit Holz bauen, erzeugen wir auch in den anderen Menschen den Wunsch nach Holz.“ „Der Blick in die Zukunft ist wohl nach vorne gerichtet. In der Forstwirtschaft, wo stets in Generationen gedacht wird, beginnt die Zukunft aber schon gestern“, meinte DI Willibald Ehrenhöfer von der Forstdirektion Franz Mayr-Melnhof-Saurau zu Beginn der Veranstaltung. Geänderte Lebensverhältnisse, Urbanisierung, nachhaltige Energie beim Heizen, die alternde Bevölkerung oder ein kritischer und anspruchsvollerer Blick der Gesellschaft auf die Forstwirtschaft wirken sich unmittelbar auf jeden einzelnen Waldbesitzer aus. Wer jetzt nicht vorausschauend agiert, gibt das Steuer aus der Hand, meinte Ehrenhöfer.

Der bekannte Holzbauarchitekt DI Herwig Ronacher hielt ein Plädoyer für mehr Ökologie und Spiritualität beim Bauen. Holz hat hervorragende baubiologische Eigenschaften und ist sowohl handwerklich als auch industriell leicht zu bearbeiten. „Dabei muss die Architektur auch der Funktion dienen. Vordächer und konstruktiver Holzschutz  haben eine Berechtigung und sind Teil unserer Baukultur“, so Ronacher in seinen Ausführungen.

In der vergangenen Bautradition hat die Funktion die Form vorgegeben, heute ermöglichen neue Werkstoffe dem Architekten eine neue Formensprache. „Diese Freiheit ist zugleich auch eine große Herausforderung für den Architekten“ erklärte Ing.Andreas Voit von Holzarchitekten. Kritisch stellt der Holzbauspezialist den Einsatz ungesunder und in der Erzeugung energieaufwendiger Dämmstoffe in Frage. Hier ist laut Voit noch große Entwicklungsarbeit zu leisten.

Seit sieben Generationen sei man der Tradition, aber vor allem der Weiterentwicklung verpflichtet, sagte Mag. (FH) Kathrin Wesonig, Mitglied der Geschäftsführung von Weitzer Parkett. Vor allem gehe es darum, die Kundenbedürfnisse frühzeitig zu erkennen. Was vor 20 Jahren noch als „Holzfehler“ galt – ist heute Trend. So wurde Ende der 90er Jahre schlichte, astfreie Buchenparkett in großen Mengen nachgefragt. Heute wollen Menschen lebhafte Maserungen. Auch haptische Oberflächen seien gefragt.  „Es gibt Megatrends, wie Gesundheit, Bequemlichkeit und einige mehr. Diese müssen bei der Produktentwicklung rechtzeitig berücksichtigt werden. Daher sind pflegefreie, aus heimischem Holz gefertigte, Böden heute ebenfalls im Sortiment, wie ein erst kürzlich entwickelter „Flüsterparkett“, der dem Wunsch nach ungestörtem Wohnen entgegenkommt“, so Wesonig.

Es begann vor 20 Jahren mit nächtlichen, heftigen Hustenattacken seines Sohnes. Ausdampfende Hilfsstoffe der Spanplatten im Bettgestell reizten die kindlichen Lungen aufs heftigste. Nie wieder soll ein derartiger Chemiecocktail in seine Wohnung kommen, versprach Ing. Erwin Thoma, Geschäftsführer der Erwin Thoma Holz GmbH. Er besann sich auf das Wissen seiner Eltern und Großeltern und entwickelte in weiterer Folge ein Holzverbundsystem, das gänzlich ohne Klebstoffe und Leime auskommt. Allein kräftige Holzdübel aus Buche fixieren die massiven Holzplatten so fest, als wären sie miteinander verwachsen. Heute baut er unter anderem in Österreich, der Schweiz, Italien, Deutschland und Norwegen Einfamilienhäuser, mehrgeschossige Wohnbauten, Gewerbebauten bis hin zum exklusiven Hotel für anspruchsvolle Gäste. Die Basis dafür: Holz als gesunderhaltender Baustoff – der nachweislich für mehr Entspannung und somit Wohlbefinden sorgt.

Globale und regionale Trends, sowie die Anforderungen der Zukunft an Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sprechen für den Werkstoff Holz, meinte der Obmann des steirischen Waldverbandes Paul Lang. Nur die Bewirtschaftung sorgt dafür, dass Holz nachwächst und das Treibhausgas C02 gebunden wird. Sichtlich zufrieden über den Erfolg der Tagung, betonte Lang, dass in Zukunft der Holzbau weiter vorangetrieben werden müsse „Jeder Waldbesitzer ist besonders gefordert mit gutem Beispiel voranzugehen. Das sichert nicht nur heimische, regionale Arbeitsplätze, sondern ist Garant für gesundes Wohnen mit nachhaltigem Wert. Den vielen Waldbesitzern ist nicht bewusst, welche Möglichkeiten unser Holz eröffnet.“

Zur Bedeutung des  Steirischen Waldverbandes: Er hat 12.800 Mitglieder, die mehr als 300.000 Hektar Wald in der Steiermark bewirtschaften. Das ist rund ein Drittel des gesamten Waldbestandes in der Steiermark.

Treffpunkt Holzbautag

Treffpunkt Holzbautag

 

Zu unserem Bild: LR Hans Seitinger, Obmann Paul Lang, proHolz-GF Doris Stiksl und Waldverband-GF Bernd Poinsitt (von links).

Foto:  proHolz Steiermark

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