„Man denkt, das gibt’s gar nicht!“

Vom Sölkpass wurde Günther Rauch, LK-Obmann der Südoststeiermark, mit dem Hubschrauber geborgen. Er schildert seine Eindrücke.

NEUES LAND: Sie waren durch die katastrophalen Folgen der Unwetter auf der rund 1500 Meter hoch gelegenen Dorferhütte am Sölkpass von der Umwelt abgeschnitten und haben dramatische Stunden hinter sich. Wie kam es zu dieser Situation?

Günther Rauch: Ich habe meinen Urlaub – wie schon seit 36 Jahren – dort verbracht und wollte mich dort nach einer Operation erholen. Am Samstag gegen 19.45 Uhr ist es plötzlich stockfinster geworden und es brach ein schweres Unwetter los, dessen Folgen wir zunächst nur dadurch erahnen konnten, dass der nahe liegende Katschbach von normalerweise rund eineinhalb Metern auf zehn bis zwölf Meter Breite anschwoll. Erst in der Früh, bei Tageslicht, wurde für uns sichtbar, was die Regenmassen angerichtet haben. In Abständen von etwa 30 bis 40 Metern waren offensichtlich mächtige Steinlawinen niedergegangen und hatten schwerste Schäden angerichtet. Auf dem Weg zu unserer Hütte ist beispielsweise eine Brücke weggerissen und ein Kleinkraftwerk zerstört worden. Riesige Fichten lagen herum und überall türmten sich bis auf eine Höhe von rund zwei Metern Schotter und Schlammmassen. Ein unfassbarer Anblick.

NL: Wann haben Sie realisiert, dass Sie eingeschlossen sind?

Rauch: Für uns war schnell klar, dass es da kein Durchkommen mehr gibt. Wie wir später gehört haben, brauchten Einheimische ein paar Stunden, um sich zu Fuß durch die Schotter und Schlammassen zu kämpfen. Sie sind dabei bis zu den Hüften eingesunken.

NL: Wie ist es schließlich zu Ihrer Bergung gekommen?

Rauch: Auf der Hütte selbst gibt es keinen Handy-Empfang, aber nur 30 Meter entfernt einen Platz, von dem aus zumindest die Möglichkeit besteht, SMS zu verschicken. Damit haben wir einen Bekannten über unsere Situation informiert. Er verständigte schließlich die Polizei. Am Montag in der Früh wurden wir dann von einem Polizeihubschrauber abgeholt, der unsere Bergung auch gleich mit einem Besichtigungsflug zur Einschätzung der Lage verbunden hat.

NL: Was haben Sie dabei gesehen?

Rauch: Bilder von unglaublichen Zerstörungen. Und wir wurden Zeugen eines glücklichen Zufalls. Fünf bis sechs Leute, die zu einem eingeschlossenen Wohnmobil gehörten, signalisierten uns, dass sie Hilfe brauchen. Daher brach der Hubschrauber, gleich nachdem wir in Schöder abgesetzt worden sind, zu deren Bergung auf. Insgesamt waren wir fassungslos über all das, was wir da zu Gesicht bekamen. Zerstörungen in einem solchen Ausmaß habe ich  noch nie gesehen.

NL: All das nun im Blick zurück zusammengefasst?

Rauch: Man denkt einfach, das gibt’s gar nicht. Vor allem in einer doch relativ geringen Höhe von 1500 Metern.

NL: Ihr Auto parkt nach wie vor auf der Alm. Sie werden es wohl noch länger nicht abholen können.

Rauch: Wir durften nur das Notwendigste mitnehmen, alles andere blieb zurück. Und für das Auto wird es wohl erst in einigen Wochen wieder befahrbare Straßen geben.

NL: Wie tief sitzt der Schock? Werden Sie sich jetzt ein neues Urlaubsziel suchen?

Rauch: Auf keinen Fall, die Dorferhütte ist längst so etwas wie unsere zweite Heimat geworden. Wir freuen uns schon auf den nächsten Urlaub und auf eine bis dahin hoffentlich wieder intakte Infrastruktur.

Zur Person

Ökonomierat Günther Rauch ist Kammerobmann des Bezirkes Südoststeiermark und hat seinen Betrieb – den bekannten Weinhof Rauch – in St. Peter am Ottersbach. Der Kammerobmann – Weinbau- und Kellermeister, Gemeindekassier und Feuerwehrhauptmann – ist verheiratet und hat zwei Söhne.

 

Fotos: kk

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