Leicht steigende Rindfleischproduktion

Die EU-Rindfleischproduktion hat sich im ersten Quartal 2017 stabilisiert (+0,2 Prozent), im Vorjahreszeitraum war sie noch um 2,1 Prozent gestiegen. Im Gesamtjahr 2017 dürfte die Erzeugung nicht mehr so deutlich zulegen wie in den vergangenen Jahren, erwartet wird ein Anstieg der Nettoproduktion um 0,8 Prozent auf 7,96 Millionen Tonnen. Dies geht aus der Kurzfrist-Prognose („Short-Term Outlook“) hervor, welche die EU-Kommission vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. Für 2018 rechnen die Brüsseler Experten mit einem Rückgang der Erzeugung um 1,4 Prozent.

Die Entwicklung der Lebendviehexporte verlief in den ersten Monaten dieses Jahres in der EU sehr unterschiedlich. Im ersten Quartal kam es zu einem mengenmäßigen Rückgang um 3 Prozent, verantwortlich dafür war in erster Linie die Kaufzurückhaltung der Türkei im Jänner und Februar. Im März und April konnten die EU-Lieferungen in Summe wieder erhöht werden. Sollten die Handelshemmnisse in der Türkei aufgrund von Einschränkungen im Veterinärbereich beseitigt werden, so könnten die EU-Drittlandexporte von Lebendrindern heuer wieder steigen. Speziell Uruguay und Brasilien treten zwar verstärkt als Mitbewerber am Weltmarkt auf, gleichzeitig kaufen aber Israel und Algerien verstärkt Tiere aus der EU. Dies könnte 2017 in der Union letztlich zu einem Exportplus von 15 Prozent führen.

Ungleich besser entwickelten sich im ersten Jahresdrittel die EU-Exporte von Rind- und Kalbfleisch. Sie legten um 26 Prozent zu und erreichten damit das höchste Niveau der letzten fünf Jahre. Vor allem die erhöhte Nachfrage von Hong Kong wirkte hier als Motor. Auch die Lieferungen von preisgünstigeren Fleischteilen auf die Philippinen bewirkten in Summe spürbare Mengensteigerungen. Insgesamt geht die EU in ihrer Kurzfrist-Prognose davon aus, dass die Rindfleischexporte im Jahr 2017 um rund 10 Prozent auf 268.000 Tonnen angehoben werden können.

Auf der anderen Seite wurde bei den EU-Importen von Rind- und Kalbfleisch in den ersten vier Monaten dieses Jahres ein Minus von 10 Prozent verzeichnet. Der Hauptgrund dafür war der brasilianische Fleischskandal, der die entsprechenden Lieferungen abrupt einbremste. In der Folge versuchten Argentinien, Uruguay und die USA die entstandene Lücke am Weltmarkt zu füllen, sie steigerten ihre Exporte Richtung EU um 20 bis 50 Prozent. Gleichzeitig brachen die Importe aus Australien drastisch ein (-32 Prozent). In Summe dürften die Einfuhren der EU an Rind- und Kalbfleisch im Jahr 2017 nur marginal zulegen (+1 Prozent auf etwa 307.000 Tonnen) – auch wenn Brasilien wieder auf dem Weltmarkt verstärkt Fuß fassen sollte. Dazu dürfte auch der Umstand beitragen, dass der deutlich wachsende Fleischbedarf in Asien den EU-Markt weniger attraktiv für potenzielle Lieferanten erscheinen lassen könnte. Insgesamt werden laut EU-Kommission die herrschenden Außenhandelsbedingungen und der erwartete leichte Anstieg des Binnenmarkt-Konsums (+0,6 Prozent) den Rindfleischpreisen in diesem Jahr eine stabile Basis bieten.

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