Landärztemangel – so denken unsere Leser

 

Da wir in der zweitgrößten Stadt der Steiermark nicht unmittelbar betroffen sind und auch der Bezirk Leoben durch die Stadtnähe recht gut erschlossen ist, wird dieses Thema in unserer Region nicht allzu brennend diskutiert werden. 
Ich persönlich glaube schon,  dass durch verschiedene Attraktivierungsmaßnahmen die frei werdenden Stellen am Land besetzt werden können.

Karl Kaufmann, Leoben

 

Ja, wir haben in der Steiermark und darüber hinaus im nächsten Jahrzehnt nicht nur einen Landärztemangel, sondern auch viele andere Serviceeinrichtungen, die  lange Jahre  selbstverständlich waren, werden verschwinden. Das betrifft nicht nur die Nahversorgung, die Busverbindungen, Schulen, Krankenhäuser und die öffentliche Sicherheit, sogar die katholische Kirche kämpft schon seit Jahrzehnten mit dem akuten Priestermangel in den Landpfarren. Daher stellt sich die Frage: Wie hat es soweit kommen können? Was wäre die Alternative gewesen? Wird den Landärzten das Leben und Wirken am Land zu wenig attraktiv gemacht? (Die Marktgemeinde Stainz hat den praktizierenden Ärzten von Stainz beim Neujahrsempfang für ihr Wirken zum Wohle der Bevölkerung eine besondere offizielle Ehrung zu teil werden lassen.) Wer klärt die Ärzte am Land über die Vorteile des Landlebens gegenüber dem Leben ihrer Kollegen im städtischen Bereich auf? Was bietet das Land heute den Menschen wirklich? Auch darüber müssten die Ärzte selbst einmal nachdenken! Gott sei Dank habe ich auch Ärzte gekannt, die nach ihrer Pensionierung sogar als Primararzt wieder aufs Land zurückgekehrt sind und einen Bauernhof bewirtschafteten! So gesehen, darf man den Mut nicht verlieren, aber trotzdem auch  nicht an der Realität vorbeisehen.

Werner Waniek, Stainz

 

Die Politik hört in diesem Land an den Stadtgrenzen auf, erst Recht bei der Gesundheitspolitik. Vom verniedlichenden „Mei, bei euch ist aber so schön am Land!” wird auch die idyllische Landbevölkerung in Dirndl und Lederhose nicht gesund, noch kann sie aufgrund von fehlenden öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt kommen. Gesundheit!

Gregor F. Waltl, Glanz an der Weinstraße

 

In unserer Marktgemeinde Tieschen ist erst heuer im März der langjährige praktische und in der Bevölkerung überaus beliebte (Haus-)Arzt Dr. Ekkehard Jahn in den Ruhestand getreten! Er hat aber selbst dafür gesorgt, dass wir nahtlos seit 1. April 2014 wieder eine Hausärztin haben – Dr. Melanie Witsch aus Bad Radkersburg, die in den wenigen Wochen seit Ordinationsbeginn in Tieschen das volle Vertrauen der Bevölkerung gewonnen hat.
Grundsätzlich ist zum drohenden Landärztemangel Folgendes festzustellen:
Die Zukunft wird einerseits in so genannten Ärztezentren liegen, wo praktische und teilweise auch Fachärzte in einem „Haus” ihre Ordination haben und Patienten dadurch auf engstem Raum verschiedenste Behandlungsmöglichkeiten haben! Andererseits können vielseitig ausgebildete Landärzte – unsere Hausärztin Dr. Melanie Witsch ist gleichzeitg Notärztin – in verschiedensten Situationen kompetent behandeln.

Franz Treichler, Tieschen

 

Die Bevölkerung im steirischen Salzkammergut hat in den letzten Jahren für ein vollwertiges Krankenhaus zurecht gekämpft. Die medizinische Versorgung durch die Landärzte in unserer einmaligen Berg- und Seen-Region wird von vielen Faktoren mitbeeinflusst: Landflucht, Kaufkraft, Förderung der Klein- und Mittelbetriebe, Weiterbestehen der bäuerlichen Betriebe, Schaffung neuer Arbeitsplätze im Tourismus, Erhalt von Kindergärten, Volks-, Haupt- und Mittelschulen im nördlichsten Teil der Steiermark. Der hohe Anteil an Zweitwohnsitzbesitzern stimmt mich positiv und doch zugleich nachdenklich.
Haben Landärzte familiäre und bodenständige Wurzeln wie die bäuerlichen Familien? Werden die Politik, die Wirtschaft und die Vertreter der Arbeiter und Angestellten Rahmenbedingungen für die Ansiedlung junger Ärzte schaffen?

Walter Ruhsam, Pichl-Kainisch

 

Die junge, nachwachsende Ärzteschaft will geregelte Freizeit haben und sich nicht mit Hausbesuchen, womöglich während der Wochenenden, abmühen. In der modernen Gesellschaft haben Hingabe, Aufopferungsbereitschaft, Spargedanken und Zeit-Schenken keinen Platz! Aber auch in entlegenen Gegenden brauchen Menschen oft rasche, professionelle Hilfe. Werden Kinder krank, dann meistens nachts! (Ich habe selbst vier Kinder großgezogen und weiß, wovon ich schreibe. Alles, was sich bisher bestens bewährt hat, wird nach und nach aus unserem Leben verschwinden. Aus Erzählungen der Eltern weiß man, wie der Hausarzt, Tierarzt, Hebammen und der Pfarrer zu Fuß bei Nacht zu entlegenen Höfen in die Bergdörfer gegangen sind und dies nicht selten bei viel Schnee.

Irene Perchthaler, St. Marein bei Neumarkt

 

In Leutschach sind wir in der glücklichen Lage, drei Hausärzte und einen Zahnarzt zu haben. Dadurch ist dieses Problem bei uns derzeit nicht akut. Natürlich wäre es noch vorteilhaft, Fachärzte wie Kinder-, Frauen-, Augen- oder HNO-Arzt im Ort zu haben, was sich aber wegen des fehlenden Umlandes mit etwa 25 Kilometer Staatsgrenze für diese nicht rentieren wird. Für die Konsultierung von Fachärzten müssen wir knapp 25 Kilometer weit in unsere Bezirksstadt Leibnitz fahren.

Karl Peitler, Glanz an der Weinstraße

 

Wir leben in Europa und man würde meinen, unsere ärztliche Versorgung sei ausreichend über unser Gesundheits- und Sozialsystem abgedeckt. Wir Arbeitnehmer leisten ja unseren monatlichen Beitrag zu diesem System und wir können wohl erwarten, dass die ärztliche Versorgung auch für die Landbevölkerung funktionieren sollte. Aber es scheint, dass auch hier aus Kostengründen Einsparungen gemacht werden müssen. Andererseits ist man so stolz, dass es in Europa ein funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem gibt – nicht wie in Amerika, wo man voll zur Kasse gebeten wird, wenn man krank ist. Man sollte bei uns alles daran setzen, dieses – leider schon finanziell marode – System zu erhalten! Man muss darüber nachdenken, Einsparungen in anderen Bereichen zu erwägen. denn Gesundheit geht uns alle an und es kann doch nicht sein, dass man, wenn man krank ist, weite Strecken und lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss, um ärztlich versorgt zu werden.

Edith Nöst, Laßnitzhöhe

 

Wir begrüßen es, dass dieses Thema auch in NEUES LAND behandelt wird. In unserer Gemeinde ist die Befürchtung, einen tüchtigen Landarzt zu finden, schon spürbar, geht doch unser Doktor, der ja viel mehr ist als ein Arzt ist, in einem Jahr in Pension. Meiner Meinung nach ist das Anforderungsprofil für einen Landarzt im jetzigen System der medizinischen Versorgung kaum oder nicht zu erfüllen. Die vielen Spezialisten können die Patienten in den Praxen kaum „abfertigen“ (es ist ja wohl meist nichts anderes als eine namenlose Abfertigung). Der praktische Arzt soll ein Allrounder sein, ein Seelsorger und auch ein Berater für Generationsprobleme usw. Der Mensch als Ganzes ist für die Mediziner nicht mehr im Lehrstoff an den Unis vorhanden, so müssen wir wohl oder übel auf wirklich Berufene warten – und die sind wie in allen Bereichen eher selten. Vielleicht gibt es auch eine Chance in der Misere: zurück zu den Hausmitteln und alternativen Heilmethoden, zu mehr Selbstbewusstsein auch im Bezug auf den eigenen Körper. Entspricht doch eh dem „Zeitgeist“, oder?!

Johanna Leitner, Winklern bei Oberwölz

 

Die Landgemeinden werden Bevölkerungsmäßig immer kleiner, die Versorgungsgebiete der Ärzte am Land vor allem am Wochenende immer größer. Wen wundert es, wenn keiner aufs Land will, „nur um rund um die Uhr zu arbeiten”.

Walter Horn, Oberwölz-Umgebung

 

Toll, dass NEUES LAND dieses Thema aufgreift. Ich glaube, dass es für den ländlichen Raum unerlässlich ist, eine gute medizinische Versorgung zu haben. Postämter und Polizeistationen wurden ja schon radikal geschlossen. Wenn jetzt auch noch die Ärzte aus unseren Landgemeinden langsam verschwinden, ist das eine weitere Schwächung des ländlichen Raumes und wird die Abwanderung in die Zentren weiter beschleunigen. Aber nicht nur in abgelegenen Regionen ist ein eigener Gemeindearzt ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge. Die Gemeinde Thannhausen als Nachbargemeinde der Bezirkshauptstadt Weiz, in der sehr viele Ärzte angesiedelt sind, ist überaus froh, mit Dr. Ferdinand Weiglhofer einen eigenen Gemeindearzt zu haben. Sei es nun die Hausapotheke, die gerade für ältere Menschen von großem Vorteil ist, oder einfach noch der sehr persönliche und gesellige Umgang mit den Patienten, wo man niemals das Gefühl hat, nur eine Nummer zu sein – unser Gemeindearzt wäre einfach nicht mehr weg zu denken. Hausbesuche. das Mitarbeiten im Arbeitskreis „Gesunde Gemeinde“ und die Anwesenheit bei gesellschaftlichen Anlässen wie Gemeindeball oder Dorffest machen unseren lieben Doktor zu einer Institution, die das Wohlfühlen und die Geborgenheit in unserer Gemeinde stark fördert. Die Gemeinde Thannhausen hat deshalb auch die Resolution für den Erhalt der Landärzte einstimmig im Gemeinderat beschlossen.

Bürgermeister Gottfried Heinz, Thannhausen

 

Ich denke, einem Landarzt geht es nicht schlechter als einem in der Stadt. Vielleicht sollte man auch laut über Gemeinschaftspraxen nachdenken. Damit wäre eine Entlastung vom „24 Stunden zur Verfügung stehen“ gegeben. Bei uns in St. Peter am Kammersberg ist der Arzt in der Gesellschaft voll integriert, würde schon meinen, dass ein Arzt auch am Land leben kann.

Franz Galler, St. Peter am Kammersberg

 

Auch ich sehe den drohenden Landärzte-Mangel mit großer Sorge und viele andere Berufszweige werden noch dazukommen. Der Zuzug in die Ballungsräume ist nicht nur in Österreich, sondern auf der ganzen Welt feststellbar. Die Politik ist gefordert und muss mit tauglichen Mitteln dagegen steuern! In Graz und Umgebung müssen wir neue Kindergärten und Schulen errichten, die wir in den peripheren Bereichen zusperren! Es muss alles unternommen werden, um möglichst vielen Menschen auch in den ländlichen Gegenden den Arbeitsplatz zu sichern beziehungsweise allenfalls sogar neue zu schaffen. Damit würden auch andere Probleme wie Pendlerverkehr, Feinstaub und vieles mehr mit einem Schlag gelöst werden. Wenn nicht, dann wird es in Zukunft nicht nur einen Landärzte-Mangel, sondern insgesamt einen Land-Mangel geben!

Bürgermeister Josef Birnstingl, Sankt Bartholomä

 

Zum Thema Landärztemangel möchte ich anmerken, dass es am Land immer schwieriger wird, sich zu behaupten und zu existieren. Es wird zwar von den Politikern immer wieder die Stärkung des ländlichen Raumes propagiert – doch das Gegenteil tritt ein (zum Beispiel Gemeindestrukturreform, Ausbau des ländlichen Straßennetzes, Hausapotheke für die Landärzte, Hochwasserschutz. Flut von neuen Gesetzen, Bestimmungen und Verordnungen). Schön langsam gleicht dies einer Entmündigung. Wieso muss alles verordnet und vorgeschrieben werden? Es muss wieder mehr auf Eigenverantwortung und Eigenständigkeit geachtet werden. Es leben nur die Rechtsanwälte von „diesen neuen Bestimmungen und Vorschriften“ und letztendlich kommt es fast immer zu einem gerichtlichen Vergleich. Doch nun genug der Kritik, zurück zu den Landärzten. Landärzte sind ohnehin genug gefordert. Es gibt für diese fast keine geregelten Dienstzeiten, der Hausarzt soll in einem Notfall ja immer erreichbar sein. Es ist daher angebracht, wenn sie dafür auch entsprechend bezahlt werden und man ihnen auch die so genannte Hausapotheke zugesteht – als zusätzliche Abgeltung ihrer Tätigkeiten. Es wird ansonsten noch schwerer, engagierte Ärzte auf das Land zu bekommen. In einem Krankenhaus gibt es geregelte Dienstzeiten. In den Nachbargemeinden Stadl an der Mur (Dr. Rauter) und St. Georgen ob Murau (Dr. Seidl) gehen die beiden Ärzte in absehbarer Zeit in Pension. Bedauerlicherweise ist die Nachfolge noch nicht geregelt.

Vizebürgermeister Gerhard Dröscher, Predlitz-Turrach

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