Lage der Milchbauern angespannt

Präsident Franz Titschenbacher: „Mit No-Name-Billigstmilch spielt der Lebensmittelhandel mit Haus und Hof der Milchbauern.“ Und: Zum Weltmilchtag am 1. Juni kommen die heimischen Milchbäuerinnen und Milchbauern in die Landeshauptstadt, um Jugend und Bevölkerung von den Vorzügen frischer, gentechnikfreier Milch und Milchprodukten zu begeistern.

Erzeugermilchpreise noch deutlich unter den Herstellungskosten. „Obwohl die Erzeugermilchpreise in den vergangenen Monaten etwas angezogen haben, liegen sie trotzdem noch deutlich unter den Herstellungskosten, was die Milchbauern sehr, sehr schmerzt und an den Rand ihrer Existenz drängt“, informiert Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher über die nach wie vor sehr angespannte Lage der heimischen Milchbauern. Bereits das dritte Jahr in Folge haben die Milchbauern diesen massiven Preisdruck zu verkraften, bekommen sie im steirischen Schnitt gerade einmal 32,7 Cent für hochwertige, weltweit einzigartige gentechnikfreie Vollmilch. Die traurige Folge: Im Schnitt schließen jährlich drei bis vier Prozent der steirischen Milchbauern für immer ihre Stalltür.

Wer Haltbar- und Billigstmilch kauft, schadet den Milchbauern. Magere 19,5 Cent bleiben den Milchbauern bei einem Liter Haltbarmilch, die der Lebensmittelhandel derzeit hemmungslos um 59 Cent verschleudert, wenn jeder in der Versorgungskette seinen relativen Anteil erhält. Titschenbacher: „Hier spielen die Handelsketten mit Haus und Hof der heimischen Milchbauern.“ Diese haben in den vergangenen Jahren alle Hausaufgaben erfüllt, an allen Kostenschrauben gedreht, in tierfreundliche Ställe, Tierwohl und Tierschutz investiert und bieten als weltweit einziges Land 100 Prozent gentechnikfreie Milch an, die zu 80 Prozent von Bergbauernhöfen stammen, die die steilen Hänge unserer schönen Landschaft bewirtschaften und pflegen. Titschenbacher: „Dieser Mehrwert an Qualität braucht Wertschätzung und darf auch etwas kosten. Höchste Qualität zu Schleuderpreisen bringt die Bauern an den Rand ihrer Existenz.“

Gegen Lockangebote: Ruinöse Preisdrückerei mit No-Name-Billigstmilch. „Der anhaltende Preis-Sog von No-Name-Billigstmilch des Lebensmittelhandels sowie Haltbarmilch oder Billigsteigenmarken ist dramatisch und lässt die Erzeugermilchpreise kaum steigen“, rechnet Titschenbacher. Mit Haltbarmilch und Billigsteigenmarken (64 Prozent Marktanteil) schaffen die Handelsketten einen künstlichen Billigstmarkt, der einen enormen Run ausgelöst hat. In nur zwei Jahren – zwischen 2014 und 2016 – ist der Preis für Haltbarmilch von durchschnittlich 82 auf 69 Cent gefallen (minus 16 Prozent). Mittlerweile wird fast jedes zweite Haltbarmilch-Packerl (40 Prozent, steigende Tendenz) als Aktionsprodukt verschleudert (Beispiel siehe Gafik). Titschenbacher verlangt: „Haltbarmilch könnte mit gutem Gewissen mindestens 50 Cent teurer verkauft werden, da sie aus hochqualitativer Vollmilch und gentechnikfrei hergestellt wird.“  Oder ein anderes Beispiel: Würden Milch, Butter und Käse um nur zehn Cent mehr kosten, würde sich das pro Person und Jahr mit 30 Euro im Haushaltsbudget niederschlagen.

Herkunftskennzeichnung für Billigstmilch! Zwei von drei Milchpackerln (64 Prozent) verkauft der Lebensmittelhandel als No-Name-Billigstprodukt, obwohl den Konsumenten laut Umfragen die heimische Herkunft besonders wichtig ist. Das ist auch für die Produzenten ein Problem. Titschenbacher: „Es droht die Gefahr ausgetauscht und von ausländischer, nicht gentechnikfrei erzeugter Milch ersetzt werden.“  Um den Wunsch der Konsumenten zu erfüllen, woher die Milch im Billigst-Packerl kommt, und um den Bauern Verlässlichkeit zu signalisieren, verlangen Landwirtschaftskammer und heimische Molkereien vom Lebensmittelhandel eine auf den ersten Blick gut lesbare und klare Herkunftskennzeichnung auf Haltbarmilch und Handelsmarken. Dass dies machbar ist, zeigt die Handelskette Hofer mit der Eigenmarke „Zurück zum Ursprung“. So steht auf deren Milchpackerln beispielsweise „Murauer Bergbauernmilch“.

100 Prozent gentechnikfrei ist weltweit einzigartig. Die österreichischen Milchbäuerinnen und Milchbauern liefern weltweit einzigartig ausschließlich gentechnikfrei erzeugte Milch an die Molkereien. Das verursacht bei den Landwirten zusätzliche Kosten und Aufwand durch höhere Futtermittelpreise, Kontrollkosten sowie bürokratischen Aufwand durch exakte Dokumentation. Titschenbacher: „Die Preis-Kostenschere klafft ohnehin stark auseinander. Während die Betriebsmittelpreise gleich hoch bleiben, sind die Erzeugermilchpreise um satte zwölf Prozent gefallen.“

Rinderbauern pflegen schöne Landschaft im Wert von 220 Millionen Euro. „82 Prozent der Gäste kommen wegen der schönen Landschaft und der Natur, um sich zu erholen. Dass aber die Bauern diesen Erholungswert sichern und damit wird auch die schöne abwechslungsreiche Landschaft mit Wiesen, Feldern, Weiden und Almen grob unterschätzt oder wird oft gar nicht erkannt“, führt Titschenbacher ins Treffen. Und weiter: „Allein die jährlichen Pflegekosten dieser knapp 205.000 Hektar Dauergrünland würden der öffentlichen Hand 220 Millionen Euro kosten, wenn es die Bauern nicht mehr tun würden.“

Zum Weltmilchtag am 1. Juni begeistern heimische Milchbäuerinnen und Milchbauern junge Menschen und die Bevölkerung der Landeshauptstadt mit frischer Milch und Milchprodukten. Anlässlich des bevorstehenden Weltmilchtages am 1. Juni kommen die Milchbäuerinnen und Milchbauern in die Landeshauptstadt und informieren über die Vorzüge frischer heimischer, gentechnikfreier Milch und Milchprodukte. So können sich die Grazerinnen und Grazer am Jakominiplatz (Steirerhofschleife), am Tummelplatz (vor dem Akademischen Gymnasium) und am Europaplatz (Abgang Annenpassage) mit natürlichen Energydrinks stärken. In den Städten der Mur-Mürz-Furche werden Milchbäuerinnen und Milchbauern der Obersteirischen Molkerei den Kontakt zu den Konsumenten suchen. Und im Ennstal geben die Ennstaler Milchbauern bei der Bevölkerung ein Stelldichein. Auch in Köflach gehen die Milchbauern am 3. Juni auf die Bevölkerung zu. Der internationale Tag der Milch findet 2017 zum 60. Mal in über 30 Ländern statt..

Monika Täubl, Milchbäuerin aus Krieglach: „Wir haben gerade einmal unser Auskommen mit unserem Einkommen. Uns fehlt das Kapital, um in den Betrieb zu investieren und ihn für die nächste Generation lebensfähig weiterzugeben.“ Und weiter: „Ich mache mir große Sorgen, ob wir in Zukunft noch gesunde steirische Milch produzieren können. Milchwirtschaft ist 365 Tage im Jahr Verantwortung für die Tiere, für die schön gepflegte Landschaft und für unsere Generationen auf dem Hof.“

 

Foto: LK Danner

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