Keine Schnellschüsse!

Seit 1974 kommt Glyphosat zum Einsatz, oft wurde über ein Ende der Zulassung diskutiert. Doch die Agrarminister stimmten mehrheitlich für eine Verlängerung.

Das Produkt Glyphosat, vielen auch unter dem Markennamen Roundup bekannt, beschäftigt schon seit vielen Jahren die Öffentlichkeit, verschiedenste Lebensmittelprüf-anstalten und Forschungseinrichtungen in Österreich und in Europa. Mehrmals wurde über ein europaweites Ende der Zulassung von Glyphosat diskutiert, doch auch diesmal entschied sich der EU-Agrarministerrat mehrheitlich für eine Verlängerung der Zulassung für weitere fünf Jahre. Die demokratisch gefällte Mehrheitsentscheidung der Europäischen Landwirtschaftsminister hat nun Nichtregierungsorganisationen, Medien und Handelskettenvertreter (Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender Handelskette Spar) dazu veranlasst, Kampagnen für länderweise Ausstiege aus dem Stoff Glyphosat zu starten. Sozialdemokraten, Grüne und einige andere Parteien haben sich daraufhin entschlossen dementsprechende Anträge sowohl in Gemeinderäten und Landtagen als auch dem Nationalrat einzubringen.

Agrarlandesrat Johann Seitinger nimmt hier eine klare Position ein. „Man muss in dieser heiklen Frage sachlich und faktenbasierend vorgehen, und nicht mit Emotionen und
Schnellschüssen,“ erläutert Seitinger. Für ihn ist klar, dass bei einem Ausstieg aus Glyphosat keinesfalls die Bauern als Leidtragende übrigbleiben dürfen, indem Handelsketten weiterhin Produkte aus Ländern anbieten können, in denen dieser Stoff weiterhin erlaubt ist. „Wenn ein Ausstieg, dann muss dieser für alle gelten“, so Landesrat Seitinger. Die Konsequenzen daraus müssen dann glyphosatfreie Regale im Lebensmittelhandel sein, ein Verbot für Glyphosatprodukte in Privatgärten und Friedhöfen sowie ein Verbot für die Ausbringung für Gemeinden, Straßenverwaltungen bis hin zu den Österreichischen Bundesbahnen. Eine weitere Frage wirft auch die Kostenübernahme bei einem solchen Ausstiegsszenario auf, zumal eine Bekämpfung von gefährlichen Neophyten ohne den Einsatz von Glyphosat massive Mehrkosten für Gemeinden oder Straßenerhalter mit sich bringen würde. „Diese gigantischen Mehrkosten werden natürlich auch vor unseren bäuerlichen Betrieben nicht haltmachen“, konstatiert Seitinger. „Auch hier muss der Handel mit höheren Produktpreisen für unsere Bauern in die Pflicht genommen werden“, so Seitinger weiter.

Wie geht es weiter?

Am 12. Dezember werden die europäischen Rechtstexte an die Nationalstaaten zugestellt. Erst danach kann festgestellt werden, ob Nationalstaaten beziehungsweise Bundesländer Verbote für glyphosathaltige Produkte aussprechen können.

Zwei Tage darauf, Am 14. Dezember, hat Bundesminister Andrä Rupprechter zu einem Glyphosatgipfel geladen, bei dem alle Interessensvertreter, die im Anwendungsbereich von Glyphosat zu finden sind, abwägen werden, wie die nächsten Schritte in dieser Frage zu setzen sind.

Landesrat Johann Seitinger abschließend: „Eines werde ich keinesfalls akzeptieren, dass diese heikle Frage ähnlich wie bei der Käfighaltung von Geflügel abgehandelt wird. Damals ist Österreich aktiv durch ein vorzeitiges Verbot vorangegangen. Leider sind aber, zum Leidwesen unserer Bäuerinnen und Bauern, nach wie vor Eiprodukte aus Käfighaltung in Österreichischen Lebensmittelmärkten und in der Gastronomie zu finden!“

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