„Jetzt sind wir also wieder im Rennen“

Stefan Potzinger, Obmann Wein Steiermark, über einen Junker-Frühstart, strengen Prüfungen und leichten Wein-Genuss.

NEUES LAND: Mit rund 250.000 Hektoliter gibt es heuer die zweitbeste Weinernte seit Jahren. Hat der Spätfrost also weit weniger Schäden angerichtet als zuerst befürchtet?

Obmann Stefan Potzinger: Glücklicherweise ja. Es hat sich zwar um einen typischen Spätfrost gehandelt, der gefährdete Lagen auch geschädigt hat. Doch durch die niedrige Luftfeuchtigkeit sind uns flächige Ausfälle erspart geblieben. Außerdem waren die Triebe noch nicht so weit ausgebildet wie im vergangen Jahr.

NL: Nach dem schwierigen Frostjahr 2016 gibt es heuer wieder Steirischen Junker in ausreichender Menge. Wie würden Sie ihn charakterisieren?

Potzinger: Heuer haben wir wieder einen typischen steirischen Jahrgang mit sehr guten Qualitäten. Verglichen mit dem Rekorderntejahr 2011, in dem es eher schwere Weine gegeben hat, ist der heurige Jahrgang von Klasse und Raffinesse geprägt. Gerade die relativ hohen Temperaturunterschiede vor der Ernte, also warme Tagestemperaturen und kalte Nächte, haben den Trauben viel Frucht gegeben. Ich bin mir sicher, dass wir die Erwartungen der Kunden somit wieder erfüllen können. Jetzt sind wir also wieder im Rennen.

NL: Meist handelt es sich beim Junker um einen Cuvee, also einen Verschnitt verschiedener Sorten. Welche kommen dabei zum Einsatz?

Potzinger: Das kann man nicht generell so sagen. So gibt es etwa Betriebe, die ihren Junker reinsortig aus Müller Thurgauer Trauben keltern. Jeder Winzer versucht für sich die beste Lösung zu finden, um beim Kunden zu punkten. Wir haben in unserem Regelwerk festgelegt, dass es am Etikett keine Sortenangabe geben muss.

NL: Der Steirische Junker kam vor mehr als 20 Jahren als junger, aber edler Wein auf den Markt und war somit Vorreiter unter allen österreichischen Jungweinen. Ist man am Markt immer noch so erfolgreich?

Potzinger: Der Steirische Junker ist der absolut bekannteste und meistverkaufte Jungwein am österreichischen Markt. Laut ersten Schätzungen werden auch heuer wieder zwischen 500.000 und 600.000 Flaschen gefüllt werden. Das Erfolgsgeheimnis liegt sicherlich in der strengen Prüfung. Neben dem Anspruch von Frische, Eleganz und Raffinesse, muss der Wein auch bezüglich Restzucker (maximal vier Gramm) und Alkoholgehalt (maximal zwölf Prozent) den Vorgaben entsprechen. Viele Kunden sind erst durch diesen fruchtigen und leichten Wein auf den Geschmack gekommen.

NL: Der Steirische Junker darf traditionell erst am Mittwoch vor Martini zum ersten Mal ausgeschenkt werden. Heuer gibt es ihn bereits ab den 25. Oktober zu kaufen. Warum?

Potzinger: Wir wollten den Winzern die Möglichkeit geben, bereits an den beiden Feiertagen (Nationalfeiertag und Allerheiligen) ihren Kunden den neuen Jahrgang anbieten zu können. Am 8. November erfolgt dann die traditionelle Junker-Präsentation in der Stadthalle in Graz. Ob wir diesen Zeitplan auch für nächstes Jahr beibehalten werden, bleibt noch offen.

NL: Im Jahr 2016 waren die Winzer mit niedrigsten Erntemengen konfrontiert und konnten teilweise Lieferverträge nicht einhalten. Wie schwierig wird es, verlorene Marktanteile wieder zurückzugewinnen?

Potzinger: Es ist eine Herausforderung, wieder auf die Speisekarten oder in den Weinhandel zu kommen. Wir als Wein Steiermark werden unsere Marketing-Aktivitäten verstärken. Grundsätzlich glaube ich, dass Fans des steirischen Weines immer wieder zu diesem Produkt zurückgreifen werden.

Zur Person

Stefan Potzinger, verheiratet mit Heidi, übernahm nach seiner Ausbildung in Klosterneuburg den elterlichen Weinbaubetrieb. Sowohl im Sausal als auch in der Südsteiermark werden rund 15 Hektar Weingärten bewirtschaftet. 2015 wurde er zum Obmann der Wein Steiermark gewählt, vornals Marktgemeinschaft Steirischer Wein.

 

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