Jeden Tag wird zuviel Boden verbaut

Die Landwirtschaft steht vor der enormen Herausforderung. Bis zum Jahr 2050 sind rund neun Milliarden Menschen zu ernähren.

 

Am 5. Dezember startet mit dem Weltbodentag das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr des Bodens 2015. Damit will die UNO Aufmerksamkeit für unsere Böden als für das Ökosystem und die Landwirtschaft so wichtige und rare Ressource schaffen. Gleichzeitig sollen das Bewusstsein für die Folgewirkungen der Flächenversiegelung gestärkt und Lösungsansätze aufgezeigt werden. Alleine in Österreich werden täglich 22,4 Hektar wertvolle Wiesen und Äcker verbaut. Die Dramatik dieser Situation steigt mit der Tatsache, dass in der Regel besonders ertragreiche Ackerböden nachhaltig verloren gehen. Diese Flächen stehen den nachfolgenden Generationen für die Produktion von heimischen, regionalen Lebensmitteln und daher als unsere Lebensgrundlage nicht mehr zur Verfügung.

 

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Kurt Weinberger von der Österreichischen Hagelversicherung

 

Versorgungssicherheit

„Dieser sorglose Umgang mit unserer Lebensgrundlage hat dramatische Auswirkungen auf die Lebensmittelautarkie, denn wir beanspruchen bereits jetzt die doppelte Agrarfläche Österreichs im Ausland. Dort werden im großen Stil Eiweißfuttermittel zugekauft. Zudem verliert versiegelter Boden die Fähigkeit Wasser zu speichern und zurückzuhalten, was bei extremen Niederschlägen zunehmend zu Überschwemmungs- und Hochwasserschäden führt“, weist Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung und Präsident der weltweiten Vereinigung der Agrarversicherer (AIAG), auf die besorgniserregende Entwicklung hin.

LR Hans Seitinger liegt die Jagt am Herzen

„Wir müssen den Boden vor Versiegelung schützen, um die Nahrungsmittelversorgung gewährleisten zu können.“ Hans Seitinger, Landesrat

 

Auch Agrarlandesrat Hans Seitinger nimmt den Weltbodentag sehr ernst: „Dieser Tag hat für uns alle eine ganz besondere Bedeutung, um den wahren Wert des Bodens in den Mittelpunkt zu rücken. Je mehr Boden versiegelt wird und je mehr landwirtschaftliche Flächen dadurch verloren gehen, umso dramatischer werden die Auswirkungen auf die Versorgung mit wertvollen Lebensmitteln.“

Folgen der Verbauung

Die Folgen des Verbrauchs von Agrarflächen sind weitreichend: Je mehr landwirtschaftliche Nutzflächen verbaut werden, desto gefährdeter ist die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln. Aber auch zwischen dem Klimawandel und dem zunehmenden Bodenverbrauch kann eine unmittelbare Verbindung festgestellt werden: Ackerflächen dienen als Wasser- und Kohlendioxid-Speicher und sind entscheidend für eine funktionierende Umwelt.

 

Lebensraum Boden

Für 95 Prozent aller heimischen Insekten ist in ihrer Entwicklung ein bodenbewohnendes Stadium lebensnotwendig.

In einem Hektar Wiese leben so viele Bodenorganismen, dass ihr Gewicht addiert dem von 20 Kühen entspricht.

In der oberen Bodenschicht (bis 30 Zentimeter) eines fruchtbaren Bodens leben pro Quadratmeter eine Billiarde Bakterien.

Alle Organismen aus einem Kubikmeter Boden, einschließlich der Pilzfäden und Bakterien, zu einer Kette aneinandergereiht entsprechen der fünffachen Entfernung Erde – Mond.

Ein Fingerhut voll Boden hat eine innere Oberfläche von etwa 100 Quadratmetern.

Es dauert 100 bis 300 Jahre, bis in unserem Klima eine Humusschicht von einem Zentimter Dicke entsteht.

Ein einziger Platzregen kann soviel Boden von einem unbewachsenen flachen Hang schwemmen, wie in mehreren hundert Jahren gebildet wurde.

 

 

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