Das Wetter: Hinter den Kulissen

Modernste Technik, leistungsstarke Rechner und professionelle Meteorologen sind die Zutaten für eine verlässliche Wettervorhersage.

Bereits kurz nach fünf Uhr morgens beginnt der Arbeitstag von Christian Pehsl, er ist nämlich einer der vier Meteorologen, die bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Graz tätig sind. Und gerade in diesen frühen Morgenstunden gibt es für ihn viel zu tun: Es werden die Flächendarstellungen aller meteorologischen Parameter für den Großraum Europa und den Atlantik studiert. Der Wetterprofi dazu: „Dabei können wir bereits Trends in der Wetterentwicklung ablesen. Danach kontrollieren wir den Ist-Zustand in Bezug auf Bewölkung, Niederschlag und Gewitter.“ Somit kann sich der Meteorologe bereits einen Überblick über die aktuelle sowie die zu erwartende Wetterlage verschaffen. Unzählige Wetterdaten werden dabei von Großrechnern verarbeitet und liefern damit die Grundlage für eine professionelle Wettervorhersage. Pehsl sieht seine Aufgabe als Meteorologe somit in der Interpretation dieser Daten, die später auf der eigenen Homepage veröffentlicht werden.

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Christian Pehsl ist studierter Meteorologe und arbeitet bei der ZAMG in Graz. Dort werden auch gerne Führungen für bis zu 20 Personen angeboten, um genauere Einblicke in die Wettervorhersage zu bekommen. Foto: Lind

Betätigungsfeld

Die Aufgaben der ZAMG sind vielfältig und gehen über die Wetterprognoseerstellung weit hinaus. Als Einrichtung des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft werden auch alle Daten für Warndienste geliefert. Gerade bei Sturm, Starkregen, Blitz-eis oder großen Schneemengen kann die Bevölkerung frühzeitig informiert werden.

Auch Landwirte nutzen die Dienste der ZAMG, weiß Pehsl zu berichten: „Viele Bauern rufen bei uns an und lassen sich die Prognose für die nächsten zwei bis drei Tage geben. Dann wissen sie, ob sie ihr Heu trocken nach Hause bekommen oder nicht.“

Eine weitere Grundlage für die Vorhersage sind Wetterstationen. Knapp 250 werden von der ZAMG österreichweit betrieben und liefern wichtige Werte für die Prognosenerstellung, in der Steiermark sind es 14. Dabei werden alle zehn Minuten Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlagsmenge und Intensität, Windrichtung, Windgeschwindigkeit sowie die Sonneneinstrahlung gemessen und über Datenleitungen zur Zentrale gesandt.

Doch auch die beste Technik kann glücklicherweise den Menschen nicht ersetzen, deshalb sind in der Steiermark auch rund 15 Wetterbeobachter tätig. Auch Johann Rauscher (57) aus Fürstenfeld übt diese Tätigkeit aus: „Bei uns hat die Wetterbeobachtung lange Tradition, denn schon mein Vater hat diese Aufgabe für die ZAMG übernommen. Seit seinem Tod bin ich dafür verantwortlich.“ Der Nebenerwerbslandwirt und Mitarbeiter der Raiffeisenbank Fürstenfeld meldet drei Mal am Tag Bewölkungsgrad, Bodenbeschaffenheit (trocken oder nass), Schneehöhe beziehungsweise Regenmenge an die ZAMG in Graz. Für Rauscher hat dies eine besondere Bedeutung: „Durch die Wetterbeobachtung lernt man viel und kann dieses Wissen am eigenen Betrieb einsetzen.“ Der Betrieb Rauscher wird biologisch bewirtschaftet, das angebaute Getreide ab Hof vermarktet. Auf die Frage nach Urlaubswünschen gibt es eine gute Antwort: „Wir sind eine große Familie. Wenn wir verreisen, übernimmt mein Sohn die Aufgabe und meine Mutter die Kontrolle.“

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Alle gesammelten Wetterdaten werden weltweit verarbeitet. Trotzdem kommt den steirischen Wetterstationen eine wichtige Aufgabe zu. Foto: fotolia.com/lexaarts

Verlässlichkeit

Das Zusammenspiel aller dieser Informationen hat die Prognosequalität in den letzten Jahren deutlich verbessert. Christian Pehsl dazu: „Früher wurden die Daten mit einem Raster von 50 mal 50 Kilometern erfasst und wurden in das Klimamodell eingerechnet, heute gibt es alle 2,6 mal 2,6 Kilometer Messdaten. Dies hat sowohl Genauigkeit als auch die Menge an zu verarbeiteden Daten massiv gesteigert.“ Laut Pehsl kann man heute das Wetter für rund fünf Tage gleich gut voraussagen wie vor etwa zehn Jahren für einen bis drei Tage. Der Einsatz hat sich somit gelohnt.

Nächste Woche: Die Bedeutung alter Wetterregeln

 

 

Über die ZAMG

Die 1851 gegründete ZAMG ist der nationale meteorologische und geophysikalische Dienst Österreichs. Die Zentrale befindet sich in Wien, weiters gibt es vier Kundenservicestellen in Graz, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck. Die Außenstelle in Graz wurde 1996 gegründet und hat ihren Sitz in 8053 Graz, Klusemannstraße 21. Die kostenpflichtige Telefonauskunft d^er ZAMG: 09 00/530 11 18.

Für Führungen in der ZAMG Graz: Tel. 03 16/24 22 00, www.zamg.ac.at

 

 

 

 

 

 

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