Heilige Retter in der Wetter-Not

Unwetter, Feuer und Tierseuchen bedrohten über Jahrhunderte die Bauernexistenzen. Daher sollten ihnen die Heiligen beistehen.

Der einzige Trost angesichts der schweren Hagelunwetter, die in der Vorwoche über weite Teile der Ost- und Obersteiermark fegten: die entstandenen Schäden waren teilweise versicherbar. Früher hatten solche Unwetter den Verlust der Ernte zur Folge und führten oft zu Hunger und großen Existenzsorgen. „Die einzige zur Verfügung stehende Hagelversicherung waren in den vorigen Jahrhunderten die Heiligen“, zieht Heimo Kaindl, der Direktor des Diözesanmuseums in Graz, einen bildhaften Vergleich. Wenn ein Unwetter im Anmarsch war, betete man zum Beispiel zu Donatus von Münstereifel, zum Erzengel Michael oder Johannes Nepomuk. Weil das Vieh das wertvollste Kapital darstellte, bat man im Gebet bei den Heiligen Antonius Einsiedler („Sau-Toni“), Eligius, Patrizius oder Oswald um ihren Schutz. Die Feuergefahr sollten vor allem Florian und Laurentius mindern helfen.

Und wer quasi den Schutz der Heiligen für alle Lebenslagen suchte, der betete zu den vierzehn Nothelfern (Achatius, Ägidius, Barbara, Blasius, Christophorus, Cyriacus, Dianysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Katharina, Margareta, Pantaleon und Vitus). „Sie waren die Universalversicherung des Mittelalters“, erklärt Kaindl. „Wenn man sie verehrte, hatte man auf nichts vergessen.“

Heilige auf Hausmauern

Im bäuerlichen Bereich genießen die Heiligen bis heute noch einen großen Stellenwert. Das beweisen nicht nur Wallfahrten zu den Heiligen Leonhard, Notburga, Antonius oder Patrizius, sondern auch Heiligendarstellungen auf Bildstöcken und Häusern. Allerdings ist die Zeit der Heiligenbilder auf Hausmauern auch seit dem Tod des weststeirischen Malers Franz Weiß rückläufig. „Ich bin aber überzeugt, dass das wieder kommen wird“, betont Kaindl. „So wie ich jetzt schon das wachsende Interesse am eigenen Namenspatron und am Herrgottswinkel feststelle.“ Heilige werden stets mit einem bestimmten Gegenstand dargestellt. Der Grund dafür ist für Kaindl leicht erklärbar: „Früher konnten die wenigsten Menschen lesen. Aber solche Attribute wie Bienenkorb, Axt, Kette, Kuh oder Lamm waren wie ein Verkehrszeichen. Jeder konnte sie deuten und wusste Bescheid.“

Die Kirche erklären

Für den aufmerksamen Kirchenbesucher geben bestimmte vorkommende Heiligenstatuen und -bilder auch Auskunft, in welcher Gegend man sich befindet. Isidor und Notburga sind vor allem dort häufig zu sichten, wo es viele Knechte und Mägde gab. Den Heiligen Leonhard findet man in den viehreichen Regionen und im Bergland, den Heiligen Urban in der Weingegend. Näheres darüber können auch die eigens von der Diözese ausgebildeten ehrenamtlichen Kirchenführer erzählen. Von ihnen gibt es schon 200. Einer davon ist Franz Habith aus Dobl. Er sagt: „Es ist schön, wenn ich anderen unsere Kirche näher vorstellen kann und es bereichert auch mein Leben.“

Ein Video über eine Kirchenführung in Dobl mit Franz Habith finden Sie auf dem NEUES LAND-YouTube-Channel.

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