Gute Ernte und schlechter Preis

Franz Kober, Sprecher der Chinakohlbauern, über beste Qualität, eine schwierige Marktsituation und interessante Kooperationen.

NEUES LAND: Steirischer Chinakohl ist eine interessante Alternative zu spanischem Eissalat oder italienischem Endiviensalat. Wie kann man sich in dieser Saison am Markt behaupten?

Chinakohl-Sprecher Franz Kober: Wir befinden uns derzeit in einer absolut schwierigen Situation. Derzeit werden wir von großen Mengen billigem Eisbergsalat überschwemmt. Deshalb versuchen wir die vielen Vorzüge des Chinakohls ins Rampenlicht zu rücken: wir haben ausreichend Menge mit bester Qualität auf Lager. Neben der vielseitigen Einsetzbarkeit von Chinakohl für Salat, Rouladen oder Suppen ist es auch ein köstliches Wintergemüse mit regionaler Herkunft.

NL: Sie sprechen von einer guten Ernte in der letzten Saison. Sind Sie auch mit dem Preis zufrieden?

Kober: Leider nicht. Zum Vergleich: im Vorjahr erhielten wir um diese Zeit 80 Cent pro Kilogramm, heuer sind es 25 Cent. Wir brauchen mindestens 35 Cent, um kostendeckend zu produzieren. Große Probleme bereiten uns längerfristige Preisbindungen durch den Lebensmittelhandel sowie Alleingänge von Produzenten in der Vermarktung. Wichtig ist, dass wir geschlossen auftreten.

NL: Erstmals gibt es in der Steiermark auch roten Chinakohl. Wie ist er entstanden, was erhofft man sich von diesem neuen Produkt?

Kober: Der rote Chinakohl wurde von einer Saatgutfirma gezüchtet, um die Vielfalt beim Chinakohl zu vergrößern. Es handelt sich dabei jedoch um ein Nischenprodukt. Er ist geschmacklich etwas milder als sein grüner Partner und eignet sich hervorragend zum Mischen. Optimales Verhältnis dabei: 80 Prozent grüner und 20 Prozent roter Chinakohl. Es gibt auch einen orangen Chinakohl, der sich aufgrund seines süßen Geschmackes jedoch nicht durchgesetzt hat.

NL: Sie haben den Februar zum Monat des Chinakohls ausgerufen und eine Kooperation mit Großküchen gestartet. Wie entwickelt sich diese Zusammenarbeit?

Kober: Mit der Gastronomie haben wir schon länger eine Kooperation, mit Großküchen und Catering-Firmen starten wir heuer erstmals durch und erhoffen uns wirklich sehr viel davon. Gerade diese Unternehmen schätzen die hohe Verfügbarkeit von Chinakohl und die einfache Zubereitung. Neu für uns ist der Einstieg in den Convenience-Bereich. Am Betrieb von Fritz Rauer können wir nun unseren Chinakohl für den Verkauf schneiden und so anbieten.

NL: Regionale Lebensmittel gewinnen beim Konsumenten zunehmend an Bedeutung. Spüren Sie das auch in Ihrer Branche?

Kober: Ja. Wir betreiben auf unserem Hof seit rund eineinhalb Jahren einen Hofladen. Dabei bieten wir nicht nur unsere Produkte an, sondern arbeiten mit 34 Partnerbetrieben zusammen. Hier ist der Trend zur Regionalität eindeutig spürbar.

 

NL: Rund 100 Betriebe kultivieren in der Steiermark auf rund 300 Hektar dieses gesunde Wintergemüse. Gibt es noch Potential für eine Flächenausweitung?

Kober: Eigentlich nicht. Durch das äußerst niedrige Preisniveau wird es sogar zu einer Flächenreduktion in dieser Saison kommen. Die Gründe dafür sind vielfältig. So ist derzeit der Export nach Deutschland zur Gänze eingebrochen, da es in unserem Nachbarland zu einer massiven Flächenausweitung bei Chinakohl gekommen ist. Der steirische Trend: geringere Anbauflächen mit Schwerpunkt Direktvermarktung.

 

Zur Person

Franz Kober betreibt gemeinsam mit Gattin Irmgard einen Obst- und Gemüsebaubetrieb in Ilz. Man hat sich auf Aronia, Johannesbeere, Hollunder, Chinakohl, Mais und Ölkürbis spezialisiert. Der zweifache Vater ist bereits seit zehn Jahren Sprecher der steirischen Chinakohlbauern. Am 12. Februar gibt es um 19 Uhr in Steiermark heute einen ausführlichen Beitrag.

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