„Gerade über die Runden kommen“

Milchbäuerin Monika Täubl aus Krieglach zum Weltmilchtag über Wettbewerbsfähigkeit, Hofnachfolge, Billigaktionen und mehr.

NEUES LAND: Heute, am 1. Juni, ist Weltmilchtag. Für Sie ein Grund zum Feiern?

Monika Täubl: Die Lage für uns Milchbauern ist alles andere als rosig. Wir können aufgrund der schwierigen Preissituation gerade über die Runden kommen, es fehlt vor allem das Kapital, um in den Betrieb zu investieren und ihn damit wettbewerbsfähig zu erhalten. Leider liegen insgesamt schwere Jahre hinter uns, auch die Blauzungenkrankheit hat uns sehr zu schaffen gemacht.

NL: Daraus ergibt sich auch ein wichtiges Generationenthema – wer wird unter solchen Bedingungen den Hof übernehmen?

Täubl: Wenn sich’s finanziell nicht ausgeht, ist der Betrieb für  die nächste Generation verständlicher Weise nicht interessant. Dazu kommt, dass die Milchwirtschaft eine sehr intensive Betriebsform ist – man ist ganz stark angehängt.

NL: Wie sieht es bei Ihnen mit der Hof-Nachfolge aus?

Täubl: Wir haben vier Söhne, zwei mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung, die sehr interessiert sind, die Nachfolge anzutreten und sich auch entsprechend engagieren. Worüber wir uns natürlich sehr freuen. Insgesamt gibt es bei uns das große Glück, dass die ganze Familie anpackt, wo immer es notwendig ist. Wir sind stolz darauf, ein echter Generationenhof zu sein!

NL: Milchwirtschaft ist, wie Sie gesagt haben, ,sehr intensiv‘. Wie sieht denn Ihr Arbeitstag aus?

Täubl: Er beginnt um halb sechs Uhr in der Früh mit zwei Stunden Routinearbeit im Stall. Abends kommen noch einmal zwei Stunden für diese Dinge dazu. Und das wohlgemerkt täglich, also auch an Sonn- und Feiertagen. Dazwischen ist viel mit der Kälberaufzucht zu tun – wir haben zwischen 60 und 70 Abkalbungen im Jahr – jede Menge an Instandhaltungsarbeiten müssen erledigt werden und, und, und.

NL: Auf wie viele Arbeitsstunden in der Woche kommen Sie?

Täubl: Eine interessante Frage – ich habe sie aber leider noch nie gezählt. Wenige sind es ganz bestimmt nicht.

NL: Wann haben Sie das letzte Mal Urlaub gemacht?

Täubl: Es kommt darauf an, was man darunter versteht. So richtig urlauben gibt es bei uns nicht. Wenn wir wegfahren, dann geht es immer um Weiterbildung. Wir schauen uns zum Beispiel gerne andere Betriebe an, von denen wir etwas lernen können.

NL: Wer führt Regie bei Ihnen am Hof?

Täubl: Mein Mann und ich gemeinsam. Wir haben uns bei der Übernahme dazu entschlossen, den Betrieb im Vollerwerb zu führen und das ziehen wir durch.

NL: Ihr Hof ist auch eine sehr begehrte Adresse im Rahmen der Initiative ,Schule am Bauernhof‘, bei der das Klassenzimmer gegen Acker, Stall, Wiese und Wald getauscht wird. Warum engagieren Sie sich dafür?

Täubl: Ich bin überzeugt davon, dass es ungemein wichtig ist, den Kindern zu zeigen, wie weit der Weg ist, bis ein Packerl Milch im Regal steht. Wir müssen den Menschen insgesamt klar machen, welch große Bedeutung die Produktion von Lebensmitteln hat. Der Konsument kauf damit nicht nur ein Produkt, sondern auch ein Stück Landschaft!

NL: Gibt es auch so etwas wie ein Emotionsthema bei Ihnen?

Täubl: Ja, ich ärgere mich sehr über die vielen Billigaktionen mit kostbaren Lebensmitteln. Sie sind absolut kontraproduktiv.

Zur Person

Monika Täubl, Mutter von vier Söhnen, und stellvertretende Bezirksbäuerin in Bruck-Mürzzuschlag, führt mit ihrem Gatten Andreas in Krieglach einen Bauernhof mit Schwerpunkt Milchwirtschaft – man hält insgesamt 55 Kühe. Darüber hinaus spielen auch die Kälberaufzucht und Forstwirtschaft eine Rolle.

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