Freud und Leid durch Trockenheit

Bereits seit Monaten wartet man im Süden der Steiermark vergeblich auf nennenswerte Niederschläge. Nichts desto trotz herrschen optimale Anbauverhältnisse.

Verstaubte Traktoren auf hellgrauen Äckern: selten war es in der Süd-, Ost- und Weststeiermark um diese Zeit so trocken wie jetzt. Trotz der extrem niedrigen Niederschlagsmengen in den letzten Monaten gibt es derzeit laut Experten noch relativ wenig Grund zur Sorge. Arno Mayer, Leiter der Pflanzenbauabteilung der Landeskammer, erklärt: „Für unsere Getreidebauern herrschen nun besonders gute Verhältnisse. Gerade bei Winterungen auf guten Böden wird aufgrund der Trockenheit das Tiefenwachstum der Wurzeln massiv verstärkt, nichtbenötigte Seitentriebe sterben ab.“ So würden sich die Bestände laut Mayer extrem gut entwickeln. Probleme gibt es eigentlich nur bei Feldern, die im Herbst des vergangenen Jahres unter zu feuchten Verhältnissen gesät worden sind. Hier bilden sich verdichtete Horizonte im Boden, die das Wachstum sehr stark hemmen. „Trotzdem ist in den nächsten 14 Tagen Niederschlag dringend notwendig“, betont Mayer.

Boden rasch erwärmt

Arno Mayer: „Maissaat so früh wie nie!“

Sehr gut sieht es heuer beim Mais-anbau aus. Dazu der Pflanzenbauexperte: „Unsere Landwirte im Südosten der Steiermark sind in der Gülleausbringung und Bodenbearbeitung bereits sehr weit. Die ersten mutigen Landwirte haben schon mit der Maissaat begonnen, so früh wie noch nie.“ Das wurde möglich, weil sich die Böden aufgrund der massiven Sonneneinstrahlung und der geringen Feuchtigkeit extrem stark erwärmten. Innerhalb weniger Tage erhöhte sich die Bodentemperatur um rund vier Grad Celsius. Gelassener sieht man die Frostereignisse des letzten Jahres im Maisanbau. Trotz extrem tiefer Temperaturen hat der Mais diese Verhältnisse im Vorjahr sehr gut überstanden.

Sorgen beim Grünland

Probleme gibt es jedoch schon im Grünlandbereich, wo auf exponierten Standorten erste Schäden erkennbar sind. Das bestätigt auch der südoststeirische Kammerobmann Günther Rauch: „Für den ersten Grünschnitt wird es zunehmend kritisch!“ Und er fährt fort: „Noch ist die Situation nicht besorgniserregend, aber wenn es nicht bald regnet, werden wir Probleme kriegen.“

Auch bei den Wasserverbänden herrscht bisher Gelassenheit. Dietmar Luttenberger, Geschäftsführer der Wasserverbände Grazerfeld Südost und Umland Graz, berichtet: „Wir sind beim Grundwasser im langjährigen Mittel. Ganz aktuell kann ich sagen, dass wir im Jahr 2016 an vielen Messstellen immer über dem langjährigen Schnitt lagen. Die geringen Niederschläge im Jahr 2017 haben aber dazu geführt, dass es zu einem Absinken des Grundwasserspiegels auf das langjährige Mittel gekommen ist. Manche Werte liegen derzeit unter dem langjährigen Mittel. Das ist aber nicht beunruhigend.“

Keine Dramatik

Und  wie sieht es derzeit mit dem Wasserständen in den heimischen Fließgewässern aus? Robert Schatzl vom Referat für Hydrografie vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung merkt an, dass die März-Niederschläge nördlich der Mur-Mürz-Furche ausreichend waren und der Durchfluss in den Gewässern – auch infolge der einsetzenden Schneeschmelze – im Norden sogar über dem Mittelwert liegt. Was die Gewässer südlich der Mur-Mürz-Furche betrifft, sagt Schatzl: „Der Durchfluss liegt hier zwar unter dem Mittelwert, aber nicht im dramatischen Bereich!“ So wie Luttenberger und Rauch meint auch Schatzl: „Von Dramatik ist keine Spur, aber wenn es noch längere Zeit nicht regnet, könnte es für das Grundwasser und die Hausbrunnen problematisch werden.“

 

Fotos: agrarfoto, kk

 

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