Freud und Leid am Acker

Die Erdäpfelernte fällt heuer gut aus. Weil der Markt aber übersättigt ist, sinkt der Erzeuger-Preis enorm. Nur Direktvermarkter können aufatmen.

Die Haupternte der Erdäpfel hat begonnen und auch wenn sie wetterbedingt ein wenig stockt, wissen die steirischen Bauern, dass in ihren Böden heuer große Mengen an Erdäpfeln von guter Größe und Qualität liegen. Herbert Lienhart vulgo Url aus Wundschuh sitzt dieser Tage stundenlang auf dem Traktor. „Die Ernte ist so gut wie schon lange nicht mehr, mit einer Menge von bis zu 50 Tonnen kann ich heuer rechnen, zudem sind die Erdäpfel besonders groß“, erzählt Lienhart.  Doch es gibt eine Kehrseite: Auf 17 Hektar Grund hat Lienhart im Frühjahr Erdäpfel-Knollen angebaut, „und das war der größte Fehler, den ich machen konnte“, wettert der Landwirt und spricht die aktuellen Erdäpfel-Preise für Erzeuger an. „Acht lächerliche Cent bekommen wir vom Handel derzeit für ein Kilogramm. Wird’s noch weniger, dann brauch ich sie gar nicht mehr ausgraben.“ Große Abnehmer sicherten sich schon zum Jahresbeginn Vertragsware. Preise und Abnahmemengen wurden oft dabei schon im Vorfeld festgelegt. Die Mengen, die die steirischen Erdäpfelbauern darüber hinaus produzieren, sind hingegen teils enormen Preisschwankungen ausgesetzt. „Wenn uns Erdäpfelbauern nicht einmal die Kosten gedeckt werden können, werde ich wohl nicht der einzige sein, der zukünftig in den Anbau anderer Ackerkulturen einsteigen wird, zwei meiner Erdäpfel-Äcker habe ich bereits an den Pächter zurückgegeben“, sagt Lienhart.

 

Kartoffelbauer
Herbert Lienhart aus Wundschuh ist mit den Preisen nicht zufrieden.

Anders bei der Gemeinschaft der Erdäpfelbauern im Mur-, Mürz- und Liesingtal in der Obersteiermark: Die meisten der 15 Mitgliedsbetriebe haben sich auf Direktvermarktung spezialisiert und sind so nicht länger vom internationalen Handel abhängig. “Die großen Mengen sind ein Segen für uns, die Nachfrage an Erdäpfeln in unserem Abhob-Laden ist sehr groß”, erzählt Geschäftsführer Thomas Ochsenhofer (Foto unten) aus Krieglach. “Ich kann meinen Preis selber bestimmen.”  Über Alternativen in der Vermarktung und viele Neuheiten aus der internationalen Erdäpfelwirtschaft haben sich jetzt rund 10.000 Besucher aus mehr als 60 Ländern auf der Fachmesse PotatoEurope in Hannover (Deutschland) informiert. Aussteller aus ganz Europa präsentierten hier neue Möglichkeiten, wie Erlöse durch Vertragsanbau gesichert werden können und welche Geschäftsmodelle möglich sind.

 

Bauer

 

Mehr zur Messe hier:

http://www.potatoeurope.com

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