„Faszination des Erntens erleben“

Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner will ein ungewöhnliches Projekt starten: Schulen sollen zu „Mini-Bauernhöfen“ werden.

NEUES LAND: Es soll tatsächlich gar nicht so wenige Kinder geben, die überzeugt davon sind, dass Kühe – wie das schon seit Jahren eine Schokoladenwerbung suggeriert – lila seien. Was kann man dagegen tun?

Elisabeth Meixner: Wir merken tatsächlich, dass Schülerinnen und Schüler speziell im städtischen Raum immer weniger über die Landwirtschaft und damit auch über die Herkunft und Entstehung so vieler wichtiger Lebensmittel bescheid wissen. Da sind wir gefordert, gegenzusteuern.

NL: Was planen Sie dazu?

Meixner: Ich glaube, wir können uns da von der weltweit im wahrsten Sinne des Wortes blühenden Bewegung des Urban Gardening (Städischer Gartenbau) einiges abschauen. Da werden mit größter Begeisterung Gemüse, Kräuter und Blumen zur Selbstversorgung in Innenhöfen, auf Balkonen und sonst wo gepflanzt. Was mir besonders imponiert: Teilweise verdrängt diese Initiative auch wenig bis gar nicht genützte, graue Betonflächen durch sattes Grün. Ich möchte im kommenden Schuljahr gemeinsam mit einigen engagierten Pädagoginnen und Pädagogen eine steirische Version dieser Idee entwickeln, die Schulen – selbstverständlich auf freiwilliger Basis – zu ,Mini-Bauernhöfen‘ macht.

NL: Wie sollen diese schulischen Bauernhöfe denn betrieben werden?

Meixner: Kinder erleben das Pflanzen, das Heranwachsen und die Faszination des Erntens. Diese Lebensnähe schafft ganz bestimmt ein ganz besonderes Interesse.

NL: Und wenn eine Schule den Platz dafür nicht hat…

Meixner: … dann ergeben sich vielleicht auch andere Möglichkeiten, in diesem Zusammenhang auf die Erfahrungs- und Erlebnisdimension zu setzen. Möglicher Weise durch einen nahen Bauernhof, der dafür den jungen Leuten ein paar Quadratmeter zur Verfügung stellt. Das hätte auch den großen Vorteil, dass vor Ort gleich fachkundige Beratung zur Verfügung steht.

NL: Und wer führt Regie, wenn ein kleines Stück Schulhof zum Acker wird?

Meixner: Unsere Lehrerinnen und Lehrer haben das zweifellos hervorragend im Griff – in gar nicht so wenigen Schulen blüht und gedeiht durch deren fachkundiges Engagement ja bereits vielerlei. Da und dort wäre es aber sicherlich bereichernd, wenn auch Eltern ins Boot solcher Projekte kämen, die in der Landwirtschaft oder in einer Gärtnerei tätig sind.

NL: Wann soll es losgehen mit den kleinen Schul-Bauernhöfen?

Meixner: Ich möchte im kommenden Schuljahr zunächst in Form eines Pilotprojektes die notwendigen Erfahrungen sammeln. Starten sollten wir sinnvoller Weise im Frühling des kommenden Jahres?

NL: Pflanzen Sie selbst auch eigenes Gemüse im Garten?

Meixner: Ja – seit einiger Zeit habe ich meine Begeisterung dafür wieder entdeckt. Das ist besonders bereichernd, weil ich auch leidenschaftlich gerne koche. Wenn alles frisch vom eigenen Beet kommt, ist die Freude doppelt so groß.

NL: Sie sagten, Sie haben die Begeisterung ,wieder‘ entdeckt. Da war also es eine Pause …

Meixner: Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, also in enger Beziehung zur Natur. Es ging eigentlich darum, mir wieder Zeit dafür zu nehmen. Wobei mir mein Garten immer schon sehr wichtig war, vor allem meine Rosen sind mir ans Herz gewachsen.

Zur Person

Elisabeth Meixner, verheiratet mit Gerhard Meixner, dem Bürgermeister von Gnas und Mutter eines erwachsenen Sohnes, ist seit 1. Mai 2013 Präsidentin des Landesschulrates Steiermark. Sie ist auf einem Obstbauernhof aufgewachsen. Und das mit acht Geschwistern – fünf Schwestern und drei Brüdern.

 

Foto: Raggam

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