Fadenwürmer gegen Maiswurzelbohrer

Vizepräsidentin Maria Pein: „Neue, aber unsichere Wege gehen heuer die heimischen Maisbauern bei der Bekämpfung des großen Maisschädlings. Forschungsoffensive mit Praxisversuchen ist notwendig. Dazu brauchen wir vom Bund eine Fruchtfolge-Million und Unterstützung vom Land Steiermark.“

Der Maiswurzelbohrer, als einer der gefährlichsten Maisschädlinge, bedroht die heurige Maisernte. Bei der Bekämpfung gehen die heimischen Maisbauern neben der Fruchtfolge – die den Maiswurzelbohrer nicht stoppen kann – neue Wege: Allerdings ist für die Praxis unsicher, wie die beiden von der Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit (Ages) zugelassenen Mittel – die Fadenwürmer (Nematoden) und ein Granulat – tatsächlich in der Praxis wirken. Denn alle Maisflächen der Steiermark sind befallen, teils ist der Käferdruck besonders groß.

Fruchtfolge allein stoppt Käfer nicht. Bekämpfungs-Mix ist notwendig. Die Fruchtfolge ist in der so klein strukturierten Landwirtschaft weniger effektiv. „Daher ist zusätzlich zur Fruchtfolge eine Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mit den zugelassenen Alternativ-Mitteln notwendig“, unterstreicht Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein. Und weiter: „Da aber die Wirkung dieser Alternativ-Mittel in der Praxis unsicher ist, mache ich mir sehr große Sorgen um die heurige Maisernte. Denn Mais ist als wichtigstes heimisches Futter für die Schweine, für unser Geflügel aber auch für die Rinder unverzichtbar.“ Außerdem ist Mais eine sehr klimafreundliche Pflanze: Ein einziger Hektar Mais bindet den gesamten C02-Ausstoß eines Autos, das 60.000 Kilometer zurücklegt. Und: Ein Hektar Mais setzt 36 Tonnen Sauerstoff frei. Vizepräsidentin Maria Pein verlangt eine Forschungsoffensive mit Praxisversuchen: „Wir brauchen eine Forschungs-Offensive mit umfassenden, großflächigen Praxisversuchen und neuen Fruchtfolgekombinationen, um herauszufinden wie der große Schädling Maiswurzelbohrer wirksam und ökologisch nachhaltig bekämpft werden kann. Diese Forschungsarbeit ist notwendig“, betont die Vizepräsidentin. Pein verlangt daher vom Bund eine „Fruchtfolge-Million“ sowie entsprechende Forschungsmittel vom Land Steiermark für Praxisversuche, um die Maisernte zu sichern, damit Schweine, Geflügel und Rinder mit Futter von heimischen Äckern versorgt werden können.“

Alternativ-Mittel: Fadenwürmer und Granulat bedeuten für Bauern zusätzliche Kosten.

Wie die beiden von der Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit (Ages) zugelassenen Alternativ-Mittel wirken, ist unter steirischen Verhältnissen – aufgrund des starken Käferdrucks – die große Unbekannte. Notwendige Forschungserkenntnisse aus großflächigen Praxisversuchen gibt es nicht. Und unterm Strich sind die neuen Mittel samt den erforderlichen Umrüstungen für die Ausbringung kostenintensiv. Beide Mittel bekämpfen die Larven des Maiswurzelbohrers, allerdings ist eine Bekämpfung des Käfers mit diesen Alternativ-Mitteln nicht möglich.

Fadenwürmer (Nematoden): Die Ausbringung ist sehr aufwändig und kostenintensiv, auch die Nematoden sind sehr teuer. Nematoden sind Fadenwürmer, die gekühlt gelagert werden müssen. Für den Einsatz der Nematoden müssen die Sägeräte umgerüstet werden und für die Ausbringung ist am Traktor ein zusätzlicher Wasserbehälter erforderlich. Sie werden mit Wasser angerührt und verdünnt (pro Hektar 200 Liter) und werden mit einem auf dem Traktor montieren Wasserbehälter gemeinsam mit dem Saatgut in die Furche ausgebracht. Die Nematoden dringen in die Larven des Maiswurzelbohrers ein, setzen ein Bakterium frei und vermehren sich darin, wodurch die Larve stirbt und somit Nahrungsgrundlage für die Fadenwürmer ist. Die Kosten für die Umrüstung und Zusatzinvestitionen belaufen sich rund 1.000 Euro für ein vierreihiges Gerät, die Nematoden kosten 119 Euro pro Hektar.

 Granulat Belem.

Auch für den Einsatz des von der Agentur für Ernährungssicherheit vorübergehend zugelassenen Granulats Belem haben die Bauern erhebliche Mehrkosten: Notwendig für die Ausbringung ist die Anschaffung eines Granulatstreuers, der rund 1.400 Euro kostet.

2014 weniger Maisanbau, Hoffnung Hirse.

Heuer werden in der Steiermark aufgrund der Fruchtfolge um bis zu 10.000 Hektar weniger Mais kultiviert. „Einen innovativen Weg gehen die Maisbauern auch mit dem neuen Fruchtfolgepartner Hirse. Auf bis zu 5.000 Hektar wird heuer die aus Afrika stammende, relativ hitze- und trockenheitsresistente Kulturhirse angebaut“, betont die Vizepräsidentin. Innerhalb von zwei Jahren steigt somit die Hirseanbaufläche um mehr als das 60-fache. 2012 waren es 80 Hektar, 2013 bereits 800 Hektar. „Erste Fütterungsversuche zeigen, dass sich Hirse als Schweinefutter eignet, aber Mais nur teilweise ersetzen kann“, so die Vizepräsidentin.

 

Foto: LK/Raggam

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