EU-Agrarsektor profitiert nur wenig

Landwirte und Lebensmittelhersteller in der EU würden durch den Abschluss der geplanten transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) mit den USA nach Meinung des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung weniger Vorteile haben als andere Branchen.

Das geht aus einer kürzlich vorgestellten Studie hervor, die das Münchner Institut im Auftrag des Europäischen Parlaments angefertigt hat. Wenn TTIP Zölle und andere Handelshemmnisse um ein Viertel verringere, könnten die EU-Agrarexporte zwar um 60 Prozent zunehmen, die Agrarimporte aus den USA aber um 120Prozent, heißt es dort. Das würde den EU-Überschuss im Agrarhandel von derzeit jährlich EUR 6 Mrd. auf null reduzieren.

„Während die Wachstumsraten beeindruckend aussehen, so ist doch der absolute positive Effekt von TTIP auf diese Branche vergleichsweise niedrig, verglichen mit der verarbeitenden Industrie oder den Dienstleistungen“, sagte Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. Viel zu gewinnen hätten seiner Ansicht nach EU-Produzenten von Milch, speziellen Fleischprodukten oder Wein. Marktverwerfungen könne es aber dort geben, wo derzeit hohe Zölle den EU-Markt abschirmen und wo europäische Produzenten einen „Kostennachteil wegen strenger EU-Regeln haben“, so Felbermayr. Das betreffe hautsächlich Rohprodukte und dort vor allem Geflügel, Rindfleisch, Isoglukose und bestimmte Getreidesorten. Bei Rohprodukten wie Getreide, Ölsaaten oder Fleisch hat die EU laut ifo-Studie in den vergangenen Jahren ein systematisches Handelsdefizit gegenüber den USA gehabt – wenn auch mit abnehmender Tendenz -, zuletzt in der Höhe von drei Milliarden Euro. Dies sei mehr als ausgeglichen worden durch einen wachsenden Handelsüberschuss bei verarbeiteten Produkten, wie Wein, Bier und anderen Lebensmitteln, der derzeit etwa neun Milliarden Euro. ausmache.

Unnötige Handelshemmnisse identifizieren

Als „Schlüsselfrage“ in den TTIP-Verhandlungen, die im Juli 2013 begonnen wurden und noch nicht sehr weit gediehen sind, wird in der Studie der Umgang mit nicht-tarifären Handelshemmnissen bezeichnet, wie Mengenbeschränkungen, Importquoten, regulatorische Unterschiede und bürokratische Anforderungen. Die meisten würden mit dem Tier- und Pflanzenschutz sowie mit dem Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsgefahren begründet. „Die Herausforderung für die Verhandler besteht darin, jene Hemmnisse zu identifizieren und zu beseitigen, die den Handel unnötig behindern“, schreibt das ifo-Institut. Die durchschnittlichen Importzölle für Agrarprodukte betragen den Angaben zufolge 12 Prozent in der EU und sieben Prozent in den USA. Der Wert der EU-Agrarexporte in die USA belaufe sich auf 15 Milliarden Euro  jährlich, was nur vier Prozent aller Exporte von Gütern und Dienstleistungen entspreche. Maschinenexporte allein erreichten fast das vierfache Volumen, berichtet Dow Jones News.

 

Foto: Zerbor fotolia.com

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