„Es kommt auf Mut und Fantasie an!“

Werner Beutelmeyer, Marktforscher und Landwirt, referiert beim Landesbauernrat. Thema ist die Zukunft – auch in diesem Interview.

NEUES LAND: In Ihrem Referat beim Landesbauernrat steht eine Frage im Titel: „Bestimmt der Konsument, was der Bauer morgen tun muss?“ Können Sie uns jetzt schon die Antwort verraten?

Prof. Werner Beutelmeyer: Es gibt eine eiserne Regel am Markt – das Angebot schafft die Nachfrage. Die unternehmerische Aktivität ist also von ganz entscheidender Bedeutung.

NL: Was heißt das aus bäuerlicher Perspektive?

Beutelmeyer: In der Landwirtschaft steckt sehr viel an Innovationskraft. Man verführt, begeistert und macht den Konsumentinnen und Konsumenten mit exzellenten Produkten Appetit. An dem führt allerdings auch kein Weg vorbei, denn wer sich nichts einfallen lässt, der kommt unter die Räder.

NL: Aber es gibt doch auch klare Trends, an denen man sich orientieren kann…

Beutelmeyer: Die Konsumenten von heute tendieren stark zu regionalen Produkten, aber auch Bio und Tierwohl sind sehr wichtige Themen, die für die Bauernschaft neue Chancen entstehen lassen.

NL: Spielt nicht auch die vegane Ernährung zunehmend eine Rolle, auf die man reagieren sollte?

Beutelmeyer: Es ist eine interessante Nische, aber ich sehe nicht die große vegane Zukunft. Nach wie vor essen 90 Prozent der Menschen Fleisch – das allerdings mit steigenden Qualitätsansprüchen. Man will genau wissen, woher es kommt und klare Definitionen des Produktes. Wir haben bei unserer großen Agrarstudie 2017 festgestellt, dass dies den Landwirten bewusst ist. Fast ein Drittel der geplanten Investitionen gehen in Stallbauten.

NL: Welche Stimmungslage hat die genannte Studie gezeigt?

Beutelmeyer: Sie ist insgesamt klar besser geworden. Es gibt nach dem Tief im Vorjahr deutlich mehr Optimismus und auch die Bereitschaft, zu investieren, hat zugenommen. Jeder zweite Landwirt plant in den nächsten beiden Jahren  kleinere und größere Anschaffungen – dafür sind Ausgaben in der Größenordnung von 5,6 Milliarden Euro vorgesehen. Sie betreffen ganz besonders die Wohngebäude, landwirtschaftliche Maschinen wie auch Fahrzeuge und – wie schon gesagt – Verbesserungen in der Tierhaltung.

NL: Wie geht es dem Landwirt Werner Beutelmeyer?

Beutelmeyer: Wir haben 30 Hektar Wald rund um den Hof und müssen eine schwierige Situation bewältigen, die mit dem extrem heißen Sommer vor drei Jahren begonnen hat. Unser Fichtenbestand ist massiv von Schädlingen befallen und geht dem Ende entgegen.

NL: Was werden sie nun nachpflanzen?

Beutelmeyer: Wir setzen auf eine Nadelwaldmischung.

NL: Wenn es um die Zukunft der Landwirtschaft geht, ist immer wieder von der Betriebsgröße die Rede. Ist sie wirklich der entscheidende Faktor?

Beutelmeyer: Aus meiner Sicht kommt es in erster Linie auf Mut und Fantasie an!

NL: Wie kann man Ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit mehr Verständnis schaffen?

Beutelmeyer: Wir müssen die Zusammenhänge besser erklären und auf ein Thema eingehen, das voller Emotionen ist – unser herrliches Land, auf das die Österreicherinnen und Österreicher stolzer denn je sind. Es geht um die Erhaltung der Kulturräume. Dazu können die Menschen auch als Konsumenten einen enorm wichtigen Beitrag leisten.

Zur Person

Prof. Werner Beutelmeyer ist Vorstand und Geschäftsführer von Market in Linz, hat diverse Lehraufträge an Universitäten und führt in Oberösterreich auch einen Bauernhof mit Schwerpunkt auf Forstwirtschaft.  Beutelmeyer referiert beim Landesbauernrat am Dienstag, 30. Mai und 19.30 Uhr in der Steinhalle in Lannach.

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