„Es gibt Qualität und Regionalität“

Die Weizer Schafbauern eröffneten ihre „Erlebnis-Welt“. Obfrau Karina Neuhold über die Kraft der Nische und den Baby-Boom.

NEUES LAND: In Obergreith (Bezirk Weiz) wurde dieser Tage eine ,Gläserne Schafkäse-Manufaktur‘ und  ,Schafmilch-Erlebniswelt‘ in Betrieb genommen. Wie läuft’s?

Karina Neuhold: In der ersten Woche wirklich sehr gut, die Neugierde war offensichtlich groß und wir dürfen uns über ein absolut positives Echo freuen.

NL: Die Schafbauern zünden in Obergreith ein richtiges Ideenfeuerwerk.

Neuhold: Ohne das geht’s auch nicht bei einer Erlebniswelt. Wir wollen den ganzen Weg der Produktion von der Milchverarbeitung bis hin zum Fleischzerlegen sichtbar machen und zum Thema Schaf auf lustige Weise in mehreren Stationen viel Wissen vermitteln. Dazu gibt es auch noch die ,Schafothek’ mit Büchern, Spielen und vielem mehr. Mit all dem bemühen wir uns, sowohl Erwachsene als auch Kinder anzusprechen.

NL: Das Projekt hat natürlich auch eine wirtschaftliche Dimension, es geht darum Kunden zu erobern. Wie legt man das an?

Neuhold: Wir haben einen großen Verkaufsraum mit attraktiven Angeboten und setzen dort auch auf eine große regionale Produktpalette, die uns zu einem kulinarischen Treffpunkt macht.

NL: Bleiben wir bei wirtschaftlichen Dimensionen – wie laufen die Geschäfte?

Neuhold:  Wir bewegen uns in einer Nische und sind mit der positiven Situation konfrontiert, dass die Nachfrage größer ist als das Angebot. Es gibt Qualität und Regionalität – damit bleibt Wertschöpfung in der Region.

NL:  Spürt man das alles auch bei der Zahl der Mitglieder?

Neuhold: Wir sind derzeit insgesamt 300 – mit leicht steigender Tendenz. Wir setzen ganz bewusst auf behutsame Erweiterung, weil uns gesundes Wachstum wichtig ist.

NL: Wann und wie sind Sie zur Obfrau der Weizer Schafbauern geworden?

Neuhold: Ich bin seit 1995 im Vorstand und wurde im Jahr 2010 nach dem Abgang meines Vorgängers gefragt, ob ich seine Nachfolge antreten könnte. Ich habe damals einen riesengroßen Rucksack an Aufgaben vor mir gesehen und wollte das zunächst nur zur Überbrückung machen. Jetzt bin ich’s immer noch. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt unser Geschäftsführer Josef Fuchs. Ohne seinen wilden Arbeitseinsatz wäre auch die Erlebniswelt nie und nimmer möglich gewesen.

NL: Sie und die Schafe – wie stark ist diese Beziehung?

Neuhold: Vor mittlerweile 29 Jahren begann ich mich sehr für Spinnräder zu interessieren – und etwa zeitgleich haben meine Eltern den Betrieb von Rindern auf Schafe umgestellt. Ich habe damals viel entdeckt und geübt – die Leidenschaft ist immer mehr gewachsen. Begeistert hat mich schließlich auch die Tatsache, dass das Schaf ein Allround-Tier ist, bei dem man praktisch alles verarbeiten kannst.

NL: Und eines hören Sie überhaupt nicht gerne…

Neuhold: … nämlich, dass die Schafwolle nur ein Abfallprodukt sei. Gott sei Dank spricht sich immer mehr herum, dass sie ungemein wertvoll und vielseitig ist.

NL: Was sind Ihre ganz großen Herausforderungen?

Neuhold: Wir haben einen Bestand an 250 Muttertieren, da gibt es immer wieder einen richtigen Babyboom. Vier bis fünf Geburten am Tag sind bei uns nichts Seltenes. Da kommt man dann ganz schön unter Druck, hat aber auch viel Grund, sich zu freuen.

Zur Person

  • Karina Neuhold ist verheiratet und Mutter von drei Töchtern.
  • Gemeinsam mit ihrem Gatten Andreas bewirtschaftet die Obfrau der Weizer Schafbauern in Naas-Gössental im Bezirk Weiz 31 Hektar Nutzfläche.
  • Tierbestand: 250 Mutterschafe (Merino und Jura), sieben Widder

Foto: Krone

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