„Es gibt gewaltige Schlamm-Massen“

Martin Hebenstreit, Bauernbund-Bezirksobmann von Murau, über die Welle der Hilfsbereitschaft und die Stimmung nach der Katastrophe.

NEUES LAND: Sie standen bei der Bauernbund-Aktion „Bauern helfen Bauern“ am vergangenen Wochenende selbst an vorderster Front. Wie ist es gelaufen?

Martin Hebenstreit: Zunächst einmal dürfen wir stolz da-rauf sein, dass so viele gekommen sind, um in verschiedenster Form Hilfe zu leisten.  Und das noch dazu unter ungeheuer schwierigen Verhältnissen, weil es ja schon wieder schwere Regenfälle gegeben hat. Darüber hinaus sind wir leider damit konfrontiert worden, dass die gewaltigen Schlammmassen oft nur mit schwerem Gerät zu bewältigen sind. Ein Bauer ist zum Beispiel mit seinem Traktor nur zehn Meter weit gekommen und dann schon steckengeblieben. Außerdem war die Hilfeleistung teilweise auch dadurch nicht möglich, dass Zufahrtswege nach wie vor blockiert sind.

 

NL: Wie geht man jetzt mit all diesen schwierigen Fällen um?

Hebenstreit: Ganz einfach, die Aktion „Bauern helfen Bauern“ wird auch noch in der nächsten Zeit weiterlaufen. Wir haben das ganz unkompliziert gelöst und telefonische Kontakte zwischen jenen hergestellt, die helfen wollen, und jenen, die dringend Hilfe brauchen. Wenn die Rahmenbedingungen passen, dann geht’s weiter!

 

NL: Sie haben sich in den letzten Tagen ein sehr genaues Bild von der Situation gemacht. Was sind die größten Probleme?

Hebenstreit: Besonders arg betroffen ist die gesamte Verkehrsinfrastruktur im Katastrophengebiet. Ich musste in den letzten Tagen überall buchstäblich Slalom fahren, um meine Ziele zu erreichen. Es gibt zahlreiche zerstörte Brücken, gewaltige Hangrutschungen und unfassbare Mengen an Schlamm, die – wie schon gesagt – extrem schwer zu bewältigen sind.

 

NL: Und die landwirtschaftlichen Betriebe…

Hebenstreit: Da wurden sehr viele Hofzufahrten schwerst beschädigt, aber auch die Beseitigung der riesigen Schlammlawinen – bei manchen sind ganze Bäume mitgekommen –  ist für viele Bäuerinnen und Bauern eine ganz große Herausforderung. Bei manchen Betrieben hat’s gleich vier Mal Grünlandflächen überschwemmt.

 

NL: Das wird wohl auch noch immer stark auf die Stimmung drücken.

Hebenstreit: Ich habe den Eindruck, dass der erste Schock vorüber ist und der Blick bei den meisten schon wieder nach vorne gerichtet ist. Nicht wenige haben in den letzten Tagen Gewaltiges geleistet. Eine wichtige Rolle haben, wie ich glaube, auch drei Informationsveranstaltungen in Oberwölz,  Schöder und St. Georgen gespielt, wo brennende Fragen der Betroffenen zu einem großen Teil beantwortet werden konnten.

 

NL: Es scheint also das Ärgste überwunden zu sein…

Hebenstreit: Aber leider nicht für alle, denn es bleiben allerlei offene Fragen. So gibt es zahlreiche Geländeanrisse, bei denen man sich Sorgen machen muss – vor allem im Falle weiterer Regenfälle.  Nicht wenige haben mittlerweile ein Futterproblem, weil bei ihnen durch die aufgeweichten Böden ein zweiter Schnitt nicht möglich ist. Und zusätzlich gibt es in Höhenlagen den Zeitdruck, dass Ende August mit dem Grassamen Schluss ist.

 

NL: Und wie sieht es denn bei Ihnen aus?

Hebenstreit: Leider auch ziemlich schlimm, es hat eine Fläche von fünf Hektar arg erwischt. Aber ich bin dennoch positiv gestimmt, denn wir haben noch genug Futter zur Verfügung und werden das alles ganz sicher gut hinkriegen.

 

Zur Person

Martin Hebenstreit ist Bezirksobmann des Bauernbundes und LK-Obmann in Murau. Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern und dreifache Großvater führt einen landwirtschaftlichen Betrieb mit den Schwerpunkten Milchwirtschaft, Grünland, Ackerbau und Forstwirtschaft.

Foto: Arthur

 

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