Erst der Regen, dann die Hitze

NEUES LAND wagt mit Wetterexperten die vor allem aus bäuerlicher Sicht die sehr wichtige Wetterprognose für das Jahr 2016.

Die tägliche Arbeit der steirischen Landwirte ist untrennbar mit dem Wetter verbunden. Es entscheidet wesentlich über den Arbeitsaufwand und den wirtschaftlichen Erfolg. Entsprechend wichtig ist es, auch längerfristige Wetterprognosen zu erstellen. Ist das überhaupt möglich? Eines stellt Albert Sudy, Meteorologe von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Graz gleich vorweg klar: „Genaue Modellrechnungen sind in der Wettervorhersage bis zum zehnten Tag möglich. Dabei kann man Trends sehr gut erkennen und zum Beispiel großflächige Tiefs auch gut vorhersagen.“ Ausgenommen seien dabei immer kurzfristige Wetterereignisse wie Gewitter oder Starkregen. Sudy weiter: „Auch längerfristige Wettervorhersagen von bis zu einem halben Jahr, sogenannte Saisonprognosen sind heutzutage nicht mehr unrealistisch. Diese werden vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) mit Sitz in Reading in Großbritannien erstellt.“

Saisonprognosen

Das EZMW ist eine unabhängige Organisation, die von 34 Staaten getragen wird. Es versorgt auch die ZAMG in Graz als Forschungsinstitut und auch als rund um die Uhr arbeitendes Betriebszentrum mit wichtigen, aktuellen Daten. „Und anhand dieser Daten lässt sich durchaus ein längerfristiger Trend erkennen“, so Sudy. Und wie sieht der aus? „Während die Temperaturen im März und April noch leicht über dem langjährigen Durchschnitt liegen dürften, sollte der Mai relativ ausgeglichen sein. Spannend ist die Vorhersage die den Sommer betrifft: „Im Juni und Juli dürfte wieder mit wärmeren Temperaturen zu rechnen sein“, sagt Sudy – Hitze ist also angesagt.

Wetterexperte Albert Sudy Foto: ZAMG

Wetterexperte Albert Sudy Foto: ZAMG

Auch in Sachen Niederschlag versucht der erfahrene Meteorologe eine Langzeitprognose zu erstellen: „Der März wird voraussichtlich niederschlagsreich sein, im April und Mai erwarte ich eine ausgeglichene Situation.“ Im Juni und Juli muss man aus der Sicht des Experten mit wenig Regen rechnen, allerdings können lokaler Gewitter für regional höchst unterschiedliche Situationen sorgen.
Sudy ist überzeugt, dass sich auch die globale Erwärmung fortsetzt! Der Wetterexperte sieht das auch im Rückblick bestätigt: der diesjährige Winter (er dauert klimatologisch von Anfang Dezember bis Ende Februar) war im Mittel um beeindruckende 2,5 Grad Celsius zu warm. Sudy legt nach: „Wenn man den Februar alleine betrachtet, war dieser sogar um bis zu 4,5 Grad Celsius zu warm.“
Sowohl in Deutschlandsberg als auch in Leoben wurden im Februar jeweils Spitzenwerte von plus 19,2 Grad gemessen. Somit wurde dieser Winter zum drittwärmsten seit es Aufzeichnungen gibt – nämlich seit 1851. Stark diskutiert wurden in den letzten Wochen und Monaten auch die fehlenden Niederschläge, speziell der Schneemangel. Sudy überrascht in diesem Zusammenhang: „Über die gesamte Steiermark gab es in fast allen Regionen ein leichtes Plus bei den Niederschlägen. So konnten etwa in Graz um fünf Prozent mehr und in Zeltweg sogar um 30 Prozent mehr im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr verzeichnet werden.“ Die hohen Temperaturen waren allerdings schuld daran, dass es mehr Regen als Schneefall gab.

Foto: agrarfoto.com

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