Erdbeeren: Spät und nur wenige

Bereits das zweite Jahr in Folge hat der Frost im April den Felder der steirischen Erdbeer-Bauern schwer zugesetzt.

Nun herrscht traurige Gewissheit: Die steirischen Freiland-Erdbeerfelder wurden durch den heurigen Spät-Frost massiv in Mitleidenschaft gezogen. Temperaturen von bis zu minus sechs Grad Celsius in den frühen Morgenstunden des 21. April lösten bekanntlich die Katastrophe aus, die wie sich nun zeigt, für die betroffenen Landwirte schwerwiegende Folgen hat. „Der Ausfall bei der Erdbeeren-Ernte in der Steiermark liegt heuer im Schnitt zwischen 60 und 70 Prozent, ähnlich wie im Jahr 2016. Auch der Erntezeitpunkt verschiebt sich um rund zehn Tage nach hinten, die erste Ware wird wahrscheinlich in den ersten Junitagen angeboten werden“, weiß Manfred Wiesenhofer, Beerenobstberater der Landwirtschafskammer Steiermark zu berichten. Mittlerweile kann man auch Bilanz ziehen, wie weit die diversen Schutzmaßnahmen gegen den Frost Wirkung gezeigt haben. Durch eine Frost-Beregnung konnten Flächen erfolgreich geschützt werden, die Versuche mit Flies-Abdeckungen waren leider sehr oft wirkungslos. Der Beeren-Experte dazu: „Fallen die Temperaturen unter minus drei Grad Celsius, ist auch das Flies wirkungslos.“

Die heurigen Ernte-Ausfälle haben weitreichende Folgen für die heimischen Produzenten – auch wenn der Schaden teilweise durch Versicherungen gedeckt ist. Wiesenhofer: „Wenn man seinen Kunden zwei Jahre lang keine Ware anbieten kann, verliert man als Produzent massiv an Bedeutung.“ Somit könnten durch die Missernten der letzten Jahre längerfristig wichtige Marktanteile verloren gehen.

Lokalaugenschein

Diese Einschätzung bestätigt auch Johann Mellacher aus Feldkirchen bei Graz. Gemeinsam mit seiner Gattin Anita produziert er bereits seit vielen Jahren Erdbeeren im Freiland. Auf drei Hektar werden zwei Selbstpflücker-Felder in Puntigam und Feldkirchen geführt. Was in diesen Tagen besonders schmerzlich ist: Nahezu stündliche rufen interessierte Kunden an, ob die Erdbeer-Felder bereits geöffnet seien. Leider kann der Erdbeer-Bauer ihnen allen nur Absagen erteilen. Mellacher dazu: „Bei uns ist es besonders tragisch, da wir nun das dritte Jahr in Folge einen Totalausfall bei unseren Erdbeeren haben, heuer sperren wir unsere Felder gleich gar nicht auf.“ Bereits 2015 zerstörte ein schwerer Hagel die gesamte Ernte, 2016 und 2017 waren es die Spätfröste. Am Mellacherhof findet man in diesen Tagen zumindest ein wenig Trost – die Ernte von Rhabarber und Knoblauch läuft zufriedenstellend.

Auf rund 1100 Hektar landwirtschaftlicher Fläche werden in Österreich Erdbeeren kultiviert. Das größte Erdbeerland ist Niederösterreich mit 456 Hektar, gefolgt von Oberösterreich mit 321 Hektar. Rund 120 Hektar Erdbeeren werden von gut 80 Landwirten in der Steiermark bewirtschaftet. Erdbeeren sind nach den Weintrauben das beliebteste Beerenobst. 37 Prozent aller Beerenfrüchte, die im heimischen Handel abgesetzt werden, sind Erdbeeren.

Erdbeeranbau

Erdbeeren werden in der Steiermark von rund 80 Bauern auf einer Gesamtfläche von gut 120 Hektar kultiviert. Bei Kulturen aus Folientunnel läuft die Ernte bereits seit rund drei Wochen – hier sprechen Experten der Landwirtschaftskammer von einem üblichen Saisonstart. Aufgrund des diesjährigen Spätfrostes in den Morgenstunden des 21. Aprils geht man jedoch bei Erdbeer-Feldern ohne Folie und Frostberegnung von Ertragseinbußen zwischen 60 und 70 Prozent aus. Auch der Erntestart verschiebt sich auf diesen Erdbeer-Feldern um rund zehn Tage auf den 8. bis 10. Juni zurück, üblich ist ein Start zwischen dem 25. Mai und Anfang Juni. Bei besonders frühen Erdbeer-Sorten hat der Frost zum Teil einen Totalausfall verursacht.

 

Foto: AMA

 

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