Er soll die Rasse retten!

Ein Züchter will das steirische Steinhuhn vor dem Aussterben bewahren. Dringend gesucht wird jetzt ein Hahn.

 

Graugold gefiedert, im Wesen ruhig und mit mehr als 140 Eiern im Jahr durchaus legefleißig: Früher waren sie auf fast jedem Hof in der Steiermark anzufinden, heute ist das Steirische Steinhuhn so gut wie ausgestorben. Doch ein Mann kämpft jetzt gegen das gänzliche Verschwinden der seltenen Hühnerrasse. Günter Jaritz, Naturschutzbeamter in Salzburg, verschrieb sich vor einigen Jahren ganz der Zucht von seltenen Hühnerrassen – fünf verschiedene Rassen hält er sogar auf seinem Bauernhof in Unken (Pinzgau), um ihren Bestand auch wirklich bewahren zu können.

Sein Lieblingshuhn ist allerdings das Steirische Steinhuhn, das seit den 1980er-Jahren immer seltener geworden ist. „Ein Hauptaspekt für das Verschwinden war die Vogelgrippe“, so Jaritz. „Die Steinhendln fliegen relativ gut und sind sehr freiheitsliebend. Sie sind sehr gute Futtersucher. Durch die Vogelgrippe kam es zu Haltungsverboten im Freien und zur Verunsicherung in der Bevölkerung. Da haben viele Betriebe die Haltung dieser Steinhühner eingestellt.“

Auch das stetige Bauernsterben in den vergangenen Jahren hat enorm zum Verschwinden dieser Hühnerrasse beigetragen. Genau dieses Problems nimmt sich Jaritz jetzt in seinem neuen Projekt „Mission Steinhendl“ besonders an: Mittels einer Art „Online-Partnerbörse“ sucht der Salzburger nun nach potentiellen Paarungspartnern für die seltenen Steinhühner. Ähnlich wie für gefährdete Wildtierarten hat er gemeinsam mit seiner Frau einen Zuchtverein gegründet und eine digitale Datenbank angelegt: „Man hat hier eine kleine Zuchtgruppe. In einer Datenbank wird geprüft, welcher Hahn am besten zu dieser Zuchtgruppe und zu welcher Henne passt. Das Programm berechnet so die Verwandtschaft des Hahns mit den Hennen, auf diesem Weg wird dann der richtige Hahn ausgewählt, der die geringsten Inzuchtmöglichkeiten aufweist.“

Es gehe auch darum, die genetische Vielfalt der Steinhühner zu erhalten, sagt Jaritz. Ihm liegt der Fortbestand dieser Hühnerrasse besonders am Herzen: „In der Zucht haben wir steiermarkweit nur noch 50 Tiere erfasst. Insgesamt gibt es vielleicht noch ungefähr 80 bis 100 Tiere.“ 39 von ihnen leben auf dem Kempichlhof von Jaritz in Unken. Wer einen Hahn oder eine Henne der besagten Rasse besitzt, wird jetzt gebeten sein Tier in der Online-Datenbank registrieren und überprüfen zu lassen.

 

Steirisches Steinhuhn

Das Steirische Steinhuhn zählt zu den geschützten Tierarten in der Steiermark. Das Steinhendl, auch Steinpiperl oder Stoahendl, ist ein kleiner, gedrungener Landhuhnschlag. Man unterscheidet zwei Varietäten. Beim leichten Schlag erreicht die Henne ein Gewicht von rund 450 bis 500 Gramm, beim mittelleichten Schlag rund 650 Gramm. Die Hähne sind rund ein Drittel größer als die Hennen und erreichen ein Gewicht von maximal 900 Gramm. Die Tiere sind sehr bunt, meist mehrfärbig gesprenkelt. Man findet weiße Tiere mit schwarzen, braunen und orangen Tupfen, schwarz-weiß gesprenkelte und goldbraune Tiere. Es treten auch weizenfarbige, schwarze sowie wildfärbige (rothalsige) Farbvarianten auf. Gerne verbringen daher die Tier die Nächte auf Schlafbäumen im Hofverband. Die Verunsicherung der Bevölkerung und Verbote der Freilandhaltung führten zum beinahe Verschwinden dieses Landschlages. Nur mehr 100 bis 200 Tiere existieren noch weltweit.

 

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Günter Jaritz sucht passende Hähne und Hennen. Fotos: Alpenrassen/Jaritz

 

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