Eine „Mahlzeit“ mit Folgen

Wo Zecken lauern, besteht auch Gefahr vor Borreliose. Oft bleibt die Erkrankung unbemerkt. Panikmache ist aber fehl am Platz.

Jährlich erkranken in Europa etwa 65.000 Personen an Borreliose. Sie ist damit die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Die Erreger sind bei Zecken um ein Vielfaches häufiger verbreitet als das FSME-Virus. Es gibt zwei sogenannte „Altersgipfel“: „Besonders oft von der Erkrankung betroffen sind Erwachsene zwischen 45 und 59 Jahren sowie Kinder zwischen fünf und 14 Jahren“, sagt Werner Zenz, Experte für Infektiologie und Vakzinologie an der Medizinischen Universität Graz. Borreliose ist eine entzündliche Multisystemerkrankung. Sie kann die Haut, das Nervensystem, die Augen, die Gelenke und das Herz befallen.

Unbemerkt

Borrelien kommen im Darm von Zecken vor. Wird man von einer Zecke gestochen, können die Borrelien über die Speicheldrüsen der Zecke in den menschlichen Körper gelangen. Weil Zecken eine betäubende Substanz an der Einstichstelle absondern, bleibt der Stich oft länger unbemerkt. Meist äußert sich Borreliose zu Beginn – innerhalb von drei bis 30 Tagen nach dem Zeckenstich – durch einen ringförmigen oder flächigen rötlichen Ausschlag an der Einstichstelle. Er vergrößert sich und wird daher umgangssprachlich auch Wanderröte genannt. Bleibt die Erkrankung unbemerkt, können Wochen später Symptome wie Gesichtslähmung oder eine leichte Hirnhautentzündung, im Spätstadium nach einigen Monaten auch Gelenksentzündungen auftreten.

Allerdings: „Borreliose wird vielfach falsch diagnostiziert“, betont Zenz. Die Symptome ähneln oft anderen Krankheiten, einzelne Laboruntersuchungen verschaffen nicht immer sofort Klarheit. Für die Beurteilung ist die Kombination von Beschwerden und Laborwerten wesentlich. Die Therapie erfolgt dann in Form von Antibiotika.

Es gilt aber auch: Selbst wenn eine Zecke Borreliose-Bakterien bereits übertragen hat, muss man nicht notwendigerweise an Borreliose erkranken. Der Körper kann die Erreger auch erfolgreich abwehren – das betrifft sogar den Großteil der Fälle.

Um sich vor einer Übertragung zu schützen, ist auf jeden Fall aber Achtsamkeit angebracht. „Für die Erregerübertragung auf den Menschen ist eine mehrere Stunden dauernde Blutmahlzeit notwendig“, erklärt Zenz. Das heißt: Ist man von einer Zecke gestochen worden, sollte diese so rasch als möglich entfernt werden, damit es gar nicht erst zu einer Übertragung kommen kann.

Zeckensuche

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„Für die Erregerübertragung auf den Menschen ist eine mehrere Stunden dauernde Blutmahlzeit notwendig.“ Werner Zenz Medizinische Universität Graz Foto: fotolia.com/Ramona Heim, fotolia.com/Schlegelfotos

Nach Arbeiten und Aktivitäten im Freien ist es daher überaus empfehlenswert, den Körper zeitnah gezielt nach Zecken abzusuchen, rät Zenz. Panikmache vor der Ansteckung beziehungsweise ihren Folgen hält der Experte für unangebracht. „Geht man aus Angst vor Borreliose nicht in den Wald, ist der damit verbundene Bewegungsmangel wohl die größere Gefahr für die Gesundheit.“

Borreliose

Borreliose ist eine entzündliche Multisystemerkrankung. Sie kann in einer Abfolge von Erkrankungsstadien verlaufen und die Haut, die Gelenke, das Herz, die Augen und das Nervensystem betreffen. Erwachsene zwischen 45 und 59 Jahren und Kinder zwischen fünf und 14 Jahren weisen übrigens das größte Erkrankungsrisiko auf. Mediziner kennen Borrelien erst seit relativ kurzer Zeit, zum ersten Mal wurden sie 1982 in den USA beschrieben. Bei der Behandlung der Borreliose werden Antibiotika eingesetzt. Nicht jede Zecke enthält Borrelien, Borreliose ist aber die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Nicht jeder Stich einer mit Borrelien infizierten Zecke führt zu einer Ansteckung und bei weitem nicht jede Infektion löst einen Ausbruch der Krankheit aus. Um sich vor Borreliose aber bestmöglich zu schützen, sollte man den Körper nach Arbeiten und Aktivitäten in Wäldern und auf Wiesen – und damit den Verbreitungsgebieten von Zecken – gezielt nach den kleinen Blutsaugern absuchen.

 

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