„Eine Diskussion auf Augenhöhe“

Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau über die bevorstehende Wahl in der Jägerschaft, die Freude am Jagen und Platzprobleme.

NEUES LAND: Wo sehen Sie als neuer Landesjägermeister die größte Herausforderung in dieser Funktion?

Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau: Die Jagd hat in der Steiermark eine gute Ausgangsbasis, die von meinem Vorgänger Heinz Gach wesentlich mitgeprägt wurde. Für mich ist es besonders wichtig, der nichtjagenden Gesellschaft unser Tun zu erklären und unsere Naturkompetenz stärker herauszustreichen. Die Kulturlandschaft ist ein heikles Naturgut, das über Jahrtausende von Menschenhand geprägt wurde – dazu zählt auch die Jagd.

 

NL: Die Jagd wird oft äußerst emotional diskutiert. Wie kann man die Arbeit der steirischen Jäger besser verständlich machen?

Mayr-Melnhof-Saurau: Das alte Bild ,Wald-Wild-Trophäe‘ hat sich in den letzten Jahren geändert, heute steht ,Wald-Wild-Natur‘ im Mittelpunkt. Natürlich freuen wir uns über eine Trophäe, einer öffentlichen Diskussion mit der Gesellschaft werden wir uns aber auch gerne stellen. Wir erfüllen nicht nur unsere gesetzlichen Abschuss-Pläne, wir liefern dabei auch bestes heimisches Wildbret für den Konsumenten. Ich würde sagen, sogar besser als Bio.

 

NL: Der Lebensraum Natur wird nicht nur von Wildtieren und Jägern, sondern auch von einer Vielzahl an Erholungssuchenden und Sportlern genutzt. Wie kann ein verständnisvolles Miteinander gefördert werden?

Mayr-Melnhof-Saurau: Wir wollen mit anderen Naturnutzern eine Diskussion auf Augenhöhe. Es sollte Regionen geben, die für Erholungssuchende optimal sind aber auch Regionen, die klar als Wildlebensraum definiert sind.

 

NL: Als Grundeigentümer verstehen Sie die Probleme der heimischen Bauern in Bezug auf Wildschäden besonders gut. Gibt es dazu Lösungsansätze?

Mayr-Melnhof-Saurau: In der sogenannten Mariazeller Erklärung haben sich Jagdausübungsberechtige und Grundeigentümer dem Forst-Jagd-Dialog verschrieben. Dabei gibt es eine sehr gute Gesprächsbasis. Im Allgemeinen hält sich die Problematik des Wildschadens in der Steiermark in Grenzen. Natürlich gibt es Schadens-Hot-Spots. Hier versuchen wir direkt vor Ort die Betroffenen zu unterstützen. Das wichtigste ist gegenseitiges Verständnis. 

 

NL: In den nächsten Tagen werden auf Bezirksebene die Funktionäre der steirischen Jägerschaft gewählt. Welchen Einfluss hat diese Briefwahl auf die Zukunft der Jagd?

Mayr-Melnhof-Saurau: Eine Wahl ist ein demokratisches Werkzeug, um mitzuentscheiden. Deshalb sollten alle Jäger unbedingt zur Wahl gehen. Eine hohe Wahlbeteiligung ist einerseits ein starkes Zeichen nach innen als Arbeitsauftrag für die Steirische Landesjägerschaft und andererseits aber auch nach außen als Zeichen der Solidarität.

 

NL: In Ihrer Familie hat das Amt des Landesjägermeisters große Tradition. Bringt das Vorteile mit sich?

Mayr-Melnhof-Saurau: Ja und nein. Die Erwartungshaltung in meine Person ist sicherlich sehr groß, die ich auch erfüllen muss. Andererseits habe ich bereits seit meiner Kindheit intensiv mit dem Thema Wald-Wild-Jagd auseinandergesetzt. 

 

NL: Als steirische Unternehmerpersönlichkeit ist Ihr Terminkalender sicherlich immer gut gefüllt. Bleibt da noch genug Zeit für dieses wichtige Amt?

Mayr-Melnhof-Saurau: Wir sind ein gutes Team in der Steirischen Landesjägerschaft. Da heißt es gemeinsam mit besten Wissen und Gewissen zu arbeiten.

 

Zur Person

Franz Mayr-Melnhof-Saurau, geboren 1977, führt in der Steiermark den größten Privatforstbetrieb Österreichs. 

Am 17. Jänner 2017 trat er als Nachfolger von Heinz Gach die Funktion des Landesjägermeisters an. Bereits sein Urgroßvater und sein Vater hatten dieses Amt inne.

Foto: Kleine Zeitung/Jürgen Fuchs

 

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