Ein mutiger Neubeginn

Ganz gegen den Trend entschließt sich ein junges Paar, einen eingestellten Betrieb auf der Soboth wieder zu bewirtschaften.

Bereits mit der Entscheidung, ihre Wohnung im Tal aufzulassen und auf den Hof auf der Soboth zu ziehen, lagen Lisa Tratinek und Willi Wetl alles andere als im Mainstream. Die starke Bindung Lisas an den elterlichen Hof und die Begeisterung Willis für die Landwirtschaft führten dazu, dass beide schon seit geraumer Zeit damit liebäugelten, dort nicht nur zu wohnen, sondern auch die Wirtschaft wieder in Betrieb zu nehmen. Die Euphorie des jungen Paares ist ansteckend: Nicht nur Lisas Vater Wolfgang Tratinek, der vor über 16 Jahren die Rinderhaltung schweren Herzens aufgegeben hatte, da sich die Tiere mit seiner damaligen beruflichen Tätigkeit nicht vereinbaren ließen, und Großmutter Ingeborg sind begeistert von Lisas und Willis Plänen: Auch Willis Söhne Tobias (10), Sebastian (8) und Manuel (4) sind hingerissen. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, greifen auch sie bei den Arbeiten am Hof mit an. Besonders Tobias ist mit Feuer-eifer bei der Sache: „Er hat sich sogar schon von seinem Taschengeld ein eigenes Kalb gekauft“, erzählt Willi stolz. Aber nicht nur der Hof sorgt bei den Buben für großen Jubel – auch das kleine Schwesterchen, das im März auf die Welt kommen soll, wird ungeduldig erwartet. „Die drei freuen sich sehr darauf, endlich weibliche Verstärkung zu bekommen“, schmunzelt Lisa, die sich sichtlich ebenso auf ihr erstes Kind freut. Das sorgt im ganzen Dorf für Freude: „Es ist so schön, wenn junge Menschen zurückkommen. Und noch schöner, wenn sie hier dann auch Familien gründen. Wir haben bei uns heroben ja kaum noch kleine Kinder“, bringt es Getrud Weinberger, Ortsleiterin der örtlichen Frauenbewegung, auf den Punkt.

Unterstützung

Auch ihr Mann Heribert, der dem Bauernbund in der Soboth als Obmann vorsteht, findet die Pläne der beiden jungen Leute großartig. „Wenn die zwei wirklich wieder mit der Tierhaltung anfangen, dann müssen wir sie nach Kräften unterstützen“, war seine erste Reaktion. Und weil schöne Worte zwar nett sind, aber nicht wirklich satt machen, stellte sich der Bauernbund dann im vergangenen November mit einer Kalbin auf dem Tratinek-Hof ein. Aber nicht nur der Bauernbund-Obmann, sondern alle Bauern in der Nachbarschaft stehen Lisa und Willi bei ihrem großen Abenteuer mit Rat und Tat zur Seite. „Der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft sind echt beeindruckend“, sind Lisa und Willi von der allgemeinen Unterstützung überwältigt. „Mit dem Gedanken gespielt haben wir ja schon seit drei Jahren. Letzten Winter haben wir dann die Umbauarbeiten in Angriff genommen“, berichtet Willi, der den Vorteil, als gelernter Zimmermann viele Arbeiten selbst erledigen zu können, durchaus zu schätzen weiß. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von seinem Bruder Wolfi und von Lisas Vater. So entstanden weitestgehend in Eigenregie 12 Boxen, die die ambitionierten Jungbauern in absehbarer Zeit bestücken möchten. Derzeit umfasst der Tierbestand eine Kuh, eine weitere, die in Bälde kälbern soll, zwei Kälber und einen Stier. Negative Rückmeldungen haben die beiden zu ihren Plänen, den Betrieb in Mutterkuhhaltung wieder so zu betreiben, dass er sich selbst trägt, bislang gar keine bekommen: „Unsere Freunde und Familie wissen, dass wir das wollen und dass wir das auch schaffen können“, sind sie zuversichtlich.

Das Vorhaben

Lisa Tratinek (24) und Willi Wetl (35) starten auf über 1000 Metern Seehöhe mit dem landwirtschaftlichen Betrieb von Lisas Vater neu durch. Derzeit bauen sie den Rinderbestand sukzessive auf, mit dem sie künftig in Mutterkuhhaltung wirtschaftich sein wollen. Darüber hinaus planen die beiden auch eine Selbstvermarktertätigkeit.

 

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