Ein Minus, das zu denken gibt

Trotz interessanter Erzeugerpreise sank der Holzeinschlag 2016 in der Steiermark deutlich. Nun will man gegensteuern.

Für großes Staunen sorgt die Holzeinschlagsmeldung des Landwirtschaftsministeriums: In der Steiermark wurde im Jahre 2016 um rund 300.000 Festmeter weniger Holz geerntet als im Jahr zuvor. „Das bedeutet bei einer Einschlagsmenge von rund 4,36 Millionen Festmetern ein Minus von 6,7 Prozent“, gibt Stefan Zwettler, Leiter der Forstabteilung in der Landwirtschaftskammer zu bedenken. Und das bei absolut zufriedenstellenden Holzpreisen für die heimischen Waldbauern. Derzeit liegt er bei der Fichte (AC, 2a+) zwischen 93 und 95 Euro.

Der Forstexperte erklärt das Sinken der Erntemenge vor allem durch den geringeren Anfall an Schadholz. Ein Vergleich dazu: 2009 und 2010, also in den Jahren nach den beiden verheerenden Sturmkatastrophen Kyrill und Paula, lag dieser bei rund einer Million jährlich, im vergangenen Jahr bei knapp unter 400.000 Festmetern.

Bewirtschaftung

„Wir wollen unsere Waldbesitzer motivieren, in der Durchforstung noch stärker aktiv zu werden.“
Stefan Zwettler

Trotzdem müsse langfristig der Einschlag auch ohne das sogenannte „Kalamitätsholz“ wieder gesteigert werden, so Zwettler. „In der Steiermark wachsen jährlich über acht Millionen Festmeter Holz zu. Ziel ist es, den Einschlag auf 5,5 Millionen Festmeter pro Jahr zu steigern“, sagt er. Was dafür spricht: Durch eine intensivere Bewirtschaftung entstehen nicht nur zusätzliche Einnahmequellen für die heimischen Landwirte und eine gesicherte Versorgung der heimischen Holzindustrie mit diesem wichtigen Rohstoff, auch die Wälder werden standfester und somit klimafitter.

Und genau darauf konzentriere man sich derzeit auch in der Beratung, so der Forstprofi: „Wir wollen unsere Waldbesitzer motivieren, in der Durchforstung noch stärker aktiv zu werden.“ In diesem Bereich gebe es enorme Rückstände, die rasch aufgeholt werden müssen. Denn gut durchforstete Wälder sind auch wesentlich resistenter gegen den Befall von Borkenkäfern. Dazu eine positive Meldung: Ihr Bestand hat sich im Frühjahr erfreulicherweise nicht bedrohlich entwickeln können.

Geringerer Befall

Die Ursache dafür: Die relativ kühlen Temperaturen rund um Ostern und Anfang Mai haben den ersten Flug der Käfer verzögert. Somit kann sich keine dritte Generation bilden. Trotzdem wird erst das Wetter der nächsten drei Wochen entscheiden, wie stark sich die Population letztlich vermehren kann. Was man dazu wissen muss: Bei einer Durchschnittstemperatur von 19 Grad Celsius dauert die Entwicklung vom gelegten Ei bis zum fertigen Käfer sieben Wochen, bei 24 Grad Celsius sind es nur mehr fünf.

Doch nicht nur Hitze, auch fehlender Niederschlag kann den Borkenkäferbefall enorm verstärken. Besonders gefährdet seien daher, so Zwettler, Regionen mit geringen Niederschlagsmengen, wie die Südoststeiermark, aber auch Teile des Bezirkes Deutschlandsberg. Hier werde man daher besonders genaue Kontrollen durchführen.

Waldfest

Um auf die vielfältigen Leistungen der steirischen Forstwirtschaft hinzuweisen, wurde diesen Mittwoch bereits zum neunten Mal das Waldfest am Grazer Hauptplatz abgehalten. „Dabei konnten wir wieder tausenden Besuchern unsere nachhaltige Arbeit in den steirischen Wäldern präsentieren“, so Zwettler.

 

Foto: agrarfoto.com

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*