Ein Land im Soja-Fieber

Um rund zwei Drittel hat sich heuer die Anbaufläche von Sojabohnen in der Steiermark ausgeweitet. Ein steirischer Rekordwert, der hoffen lässt.

 

Eine überaus positive Nachricht hat Arno Mayer, Pflanzenbauexperte der Landeskammer Steiermark gleich zu Beginn: „Unsere Sojaflächen befinden sich in einem sehr guten Vegetationsstadium. Somit ist der Grundstein für eine zufriedenstellende Ernte bereits gelegt.“ Und dies hat heuer besondere Bedeutung, dehnte sich doch mit dem heurigen Anbau die Anbaufläche von Soja in der Steiermark von rund 3100 Hektar im Vorjahr auf über 5000 Hektar aus. Laut Mayer handelt es sich dabei um eine Schätzung, da die genauen Flächen laut Mehrfachantrag 2015 noch nicht ausgewertet sind.

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Arno Mayer

Diese Ausweitung der Sojaflächen bestätigt auch Johann Blaimauer, Saatgut-Bereichsleiter der Raiffeisen Ware Austria (RWA) im Gespräch mit NEUES LAND: „Bereits Ende der 1980er-Jahre gab es einen Boom bei Alternativkulturen wie etwa Sonnenblume, Raps, Erbse, Ackerbohne oder Sojabohne. Mit dem EU-Beitritt 1995 änderte sich die Förderlandschaft und diese Kulturen gingen massiv zurück.“ Doch gerade durch die Maiswurzelproblematik und der gesetzlich neu geregelten Fruchtfolge gewinnt die Sojabohne wieder massiv an Bedeutung. Laut Blaimauer sei auch der gesteigerte Bedarf an GVO-freiem Soja in Europa ebenfalls ein wesentlicher Faktor: „In Nordamerika wird zu über 90 Prozent gentechnisch veränderter (GVO) Soja angebaut. Durch die Umstellung der Fütterung in der Milchproduktion sowie in der Legehennenhaltung in Österreich ist GVO-freier Soja aus Österreich heiß begehrt.“

Bestes Saatgut

Zu Beginn des Sojaanbaues hatte man in Österreich fast nur amerikanisches Saatgut, welches den Standortansprüchen nicht gerecht wurde. Durch konsequente Züchtung, so der RWA-Bereichsleiter, gibt es derzeit bereits 26 Sorten auf der offiziellen Sortenliste: „Gemeinsam mit der Saatzucht Gleisdorf konnten somit Sojabohnen gezüchtet werden, die einen früheren Erntezeitpunkt haben und somit den Wünschen der steirischen und österreichischen Bauern gerecht werden.“ Darüber weiß auch Johann Posch, Geschäftsführer der Saatzucht Gleisdorf, Interessantes zu berichten: „Die Saatzucht Gleisdorf ist seit den 1980er-Jahren verstärkt in der Sojabohnenzüchtung tätig. Dabei arbeiten wir mit einem Schweizer Institut und der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien eng zusammen. Unsere Zuchtziele sind ertragsstarke Sorten in der Reifgruppe 000 und 00, welche die entsprechende Standfestigkeit sowie den geforderten Proteingehalt aufweisen.“ Vermehrt wird die Sojabohne über die Produktionsgenossenschaft Steiersaat. Über 1000 Mitglieder beschäftigen sich auf rund 3500 Hektar Produktionsfläche mit der Saatgutvermehrung. Posch abschließend: „Auch hier kann man die Bedeutung der Sojabohne erkennen. Die Vermehrungsfläche konnte in den letzten Jahren auf über 300 Hektar gesteigert werden.“

Vermarktung

Über ein interessantes Detail weiß RWA-Bereichsleiter Blaimauer zu berichten: „Rund ein Drittel der österreichischen Soja-Ernte geht in die Lebensmittelverarbeitung. Besonders Bio-Soja, der ebenfalls eine große Bedeutung im heimischen Anbau hat, ist sehr begehrt.“ Ein geringer Anteil wird von den Betrieben direkt am Hof verfüttert, der Rest der Ernte wandert in die Verarbeitung zur Herstellung von Sojaschrot.

Sojaanbau und Sojabedarf

Es gibt bis jetzt relativ wenige Länder in der Europäischen Union, die über namhaften Sojaanbau verfügen. Österreich nimmt in diesem Ranking durchaus einen respektablen Platz ein. Immerhin ist Österreich viertgrößter Sojaproduzent der EU. Die Ernte 2014 repräsentiert mit rund 131.000 Tonnen knapp acht Prozent der EU-Ernte an Sojabohnen, wobei Österreich nur über zwei Prozent der EU-Ackerfläche verfügt.

In den letzten Jahren hat sich der Soja-Verbrauch weltweit enorm gesteigert. Besonders Entwicklungs- und Schwellenländern, allen voran China, haben großen Sojabedarf. Innerhalb von nur 20 Jahren haben sich die Sojaimporte Chinas von Null auf zuletzt 72 Millionen Tonnen gesteigert. China allein importiert rund 25 Prozent der Weltproduktion. Die Erklärung dafür ist Chinas steigender Wohlstand, es wird mehr Fleisch gegessen.

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