„Ein ganz starkes Hoffnungszeichen“

Was Sr. Maria, Direktorin der Volksschule der Ursulinen in Graz, vom -PISA-Test hält und wie sie über Probleme beim Ordensnachwuchs denkt.

NEUES LAND: Wie kommt man als Tochter einer Kaufmannsfamilie in den Orden?

Sr. Maria: In unserem Elternhaus war Glauben immer selbstverständlich, das religiöse Leben im Alltag integriert. Dazu kam das Leben als Schülerin bei den Ursulinen. Das hat mich angesprochen und angerührt.

NL: Würden Sie sagen, einer Berufung gefolgt zu sein?

Sr. Maria: Während meiner Ausbildung in der Pädagogischen Akademie in Eggenberg gab es für mich schon die Zeit des Ringens. Immer wieder fragte ich mich selbst: ,Maria, was ist, wenn du das Wesentlichste in deinem Leben versäumst?‘ Ich bin mir ganz sicher, dass es Berufung gibt, aber die äußert sich bei jedem anders. Berufung ist ein Geschenk, das von vielen anderen mitgetragen wird.

NL: Es gibt wenig junge Menschen in den Männer- und Frauenorden, kaum junge Priester. Wo sehen Sie die Ursachen für dieses Nachwuchsproblem?

Sr. Maria: Ich tue mir schwer, das als Problem zu sehen. Ich glaube, dass es schwieriger geworden ist, weil es um das Thema Bindung geht. Das zeigt sich schon in der Partnerschaft und natürlich auch bei Priester- und Frauenorden. Vielen wollen sich die Tür offen halten. Dazu kommt, dass die Spiritualität in Zeiten des Wohlstandes und Konsumdenkens in den Hintergrund tritt. Es gibt aber sehr viele Menschen, die sich in der Kirche engagiert und als Laien betätigen. Die Not der Zeit gebiert neue Früchte. Sie gebiert eine neue Lebendigkeit.

NL: Sie sind Direktorin der Volksschule der Ursulinen. Haben Sie Schülerprobleme?

Sr. Maria: Nein, keine! Wir sind eine Privatschule. Ich habe das Gefühl, dass die Tendenz zu Privatschulen wieder steigend ist. Wir sind bemüht, unsere Kinder in jeglicher Hinsicht gut zu formen – religiös, menschlich, fachlich. Und gute Bildung heißt, dass es auch zu einer guten Beziehung zwischen Lehrern und Kindern kommt. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Eltern die besten Erzieher unserer Kinder sind.

NL: Vor kurzem wurden die neuen PISA-Ergebnisse auf den Gebieten Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen vorgestellt. Österreich schneidet unterdurchschnittlich ab. Wie sehen Sie das?

Sr. Maria: Ich selbst überbewerte das nicht, weil Testungen immer zu kurz greifen. Beim Lernverhalten ist es aber schon auffällig, dass die Konzentrationsfähigkeit der Kinder abnimmt.

NL: Wie bereiten sich die Ursulinen, wie bereiten Sie sich selbst auf Weihnachten vor?

Sr. Maria: Ich habe das Gefühl, dass sich bei uns die ganze Schule auf diese Vorweihnachtszeit freut. Wir beginnen den Advent mit der großen Adventkranzsegnung. Wir haben Rorate-Feiern in der Schule, ein Advent-Basteln, ein Chorsingen und zur Vesper der Schwesterngemeinschaft sind alle eingeladen.

NL: Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

Sr. Maria: Weihnachten bedeutet für mich die Geburt Jesu Christi. Ich bin dafür dankbar, dass wir dieses Fest feiern dürfen. Es ist ein ganz starkes Hoffnungszeichen. Gott hat uns nicht aufgegeben, er kommt als Kind. Nichts ist so schutzbedürftig wie ein Kind. Es tut mir leid, dass die Botschaft ,Gott wird Mensch, er hat uns nicht verlassen, er hat uns nicht vergessen‘ durch den Kaufrausch verschüttet wird. Es ist eine Herausforderung für uns Christen, nicht nur darüber zu reden, sondern es auch zu leben. Weihnachten übersteigt jeglichen Verstand. Es ist ein Geheimnis, es ist unfassbar!

Zur Person

  • Maria Riedl
  • 1966: geboren in St. Stefan i. R.
  • 1985-1988: Volksschullehrer-
    Ausbildung
  • 1989: Einkleidung bei Ursulinen
  • 1991: Ablegung des
    zeitlichen Gelübdes
  • 1995: Ablegung des
    ewigen Gelübdes

 

Foto: Brodschneider

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