Ein altes Horn neu entdeckt

Ein archaisches Instrument erfreut sich immer größerer Beliebtheit und das nicht nur in der Schweiz. Dem Alphorn und dem kleineren Wurzhorn, entlocken immer mehr Steirer gekonnt Töne.

 

Eines gleich einmal vorweg: Die Schweizer sind laut Fachliteratur nicht die „Erfinder“ des Alphorns. Es handelt sich zwar um ein Nationalinstrument der Eidgenossen, jedoch kommt es ebenso häufig in allen anderen Alpenländern vor. Denn, wie der Name es schon verrät: Das Horn hat etwas mit den Alpen zu tun und davon haben eben nicht nur die Schweizer etwas abbekommen.

Die Entwicklung dieses Naturblasinstrumentes im alpenländischen Raum ist in der Geschichte eng verbunden mit den Hirtenstämmen Europas und Asiens, die mit einem geringen Spektrum an Tönen das Vieh anlockten beziehungsweise zusammentrieben. Erste Aufzeichnungen von einem „litum alpinum“ finden sich bereits im Jahre 1555.

Nicht eintönig

„Wenn man vom Alphorn spricht, denken viele gleich an die Schweiz. Doch hat das Alphorn auch bei uns in der steirischen Musiklandschaft eine bedeutende Tradition“, erklärt Monika Primas, Geschäftsführerin Volkskultur Steiermark GmbH und Steirischen Volksliedwerk. Hier bietet man aufgrund der großen Nachfrage auch eigene Alphornkurse (siehe Infobox) an, in denen gerade jene Personen, die ein Blasmusikinstrument spielen, sehr rasch auch dem hölzernen Horn Töne entlocken können. Und das werden ganz deutlich merkbar immer mehr Städter. Vielleicht liegt es an den meditativen Tönen, die einen perfekten Ausgleich zum hektischen Alltag schaffen oder auch an dem „Urigen“, der Verbundenheit mit der Natur, die immer mehr Steirer zu Alphorn-Fans werden lässt.

Beeindruckend ist das Alphorn wohl in erster Linie aufgrund seiner enormen Länge – rund 3,60 Meter. Sie ist es auch, die die eine Tonart bestimmt, in der ein Alphorn spielbar ist. International hat sich da die Stimmung F durchgesetzt. Die Kunst, dem Alphorn Töne zu entlocken, liegt in der unterschiedlichen Lippenspannung und im Atemdruck. Da braucht es schon einiges an Kraft für die langen und tiefen Töne. Mit gewisser Übung und Fertigkeit sind sogar virtuose, schnelle Tonbewegungen möglich. Auf dem Alphorn kann man nicht wie etwa auf dem Klavier eine vollständige Tonleiter spielen, sondern nur einen begrenzten Ausschnitt daraus, die sogenannte Naturtonreihe.

Ursprünglich geblieben

Das Alphorn gilt als Prototyp der Blasinstrumente und nimmt eine Mittelstellung zwischen den Holz- und Blechblasinstrumenten ein. Warum? Sein Klang vereint die gewaltige Fülle etwa einer Posaune mit der Weichheit zum Beispiel einer Oboe. Während sich viele andere Blechblasinstrumente weiterentwickelt haben, blieb das Alphorn in seiner ursprünglichen Form erhalten und wird zumeist aus Tannenholz hergestellt. „Mit seinem charakteristischen Klangbild ruft dieses Instrument, bei uns auch als Wurzhorn bekannt, nicht nur archaische Emotionen hervor, sondern fasziniert heute immer mehr durch eine spezifische Virtuosität“, erklärt Monika Primas.

Diese Virtuosität hat dem Instrument „Zugang“ zu den unterschiedlichsten Musikrichtungen verschafft – auch zu den moderneren: Im volkstümlichen Schlager taucht das Alphorn immer wieder mal auf und sogar im Jazz.

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