Die Vulgo- Prominenz

Viele Menschen, die bäuerlichen Ursprungs sind, haben noch eine starke Beziehung zum Vulgonamen daheim, auch wenn sie selbst nicht mehr in der Land- und Forstwirtschaft tätig sind. Ein Besuch bei bekannten steirischen Bäuerinnen und Bauern zeigt, dass sie ihre Hausnamen hochhalten und viel darüber Bescheid wissen.

 

 

Die Schuh-Geschichte

„Eckschuster“ ist der Vulgo-name von Landesrat Hans Seitinger

„Eckschuster“ ist der Vulgo-name von Landesrat Hans Seitinger

Eines ärgert Landesrat Hans Seitinger heute noch. Als er im Jahr 1999 den Hof vulgo „Eckschuster“ in Frauenberg übernahm, fand er wenig später drei große Schachteln mit alten, zerlumpten Schuhen. Er warf sie weg. Heute sieht er das anders. Diese Schuhe waren ein Teil seiner Geschichte und seiner Identität, die schon im Vulgonamen zum Ausdruck kommt. Seitinger erinnert sich noch daran, dass sein Großvater und Urgroßvater leidenschaftliche Schuster waren. Wahrscheinlich sind auch deren Vorfahren diesem Handwerk nachgegangen, sodass irgendwann einmal der Vulgoname „Eckschuster“ entstanden ist.

 

 

 

 

 

„Braunhart“ist kein Ohrwurm

Schlagerstar Marlena Martinelli Foto: Schuster

Schlagerstar Marlena
Martinelli
Foto: Schuster

Die Sängerin Marlena Martinelli stammt von einem Bauernhof in Semriach, dessen Hausname „Braunhart“ lautet. Dieser hat seinen Ursprung vermutlich im Nachnamen des ersten, wohl aus Deutschland stammenden Besitzers um 1500. Der erste urkundlich erwähnte Besitzer im Jahr 1520 heißt jedenfalls Krynner. Der Vulgoname wurde seit Beginn des 18. Jahrhunderts immer mitgeführt. Seit 1940 gehört der Hof der Familie Martinelli. Marlena Martinelli kann der Existenz von Hausnamen viel abgewinnen: „Ich persönlich finde Vulgonamen sehr praktisch, da sich der Familienname der Besitzer im Laufe der Zeit immer wieder ändern kann, der Vulgoname aber bestehen bleibt.“ Ihren nächsten Auftritt als Sängerin hat sie am 27. Juni beim Donauinselfest in Wien.

 

 

 

 

Zwei Vulgonamen

Franz Titschenbacher hat die Hofgeschichte bis ins 14. Jahrhundert erforscht.

Franz Titschenbacher hat die Hofgeschichte bis ins 14. Jahrhundert erforscht.

Schon bei der Hof-Einfahrt zum Anwesen von Franz und Ulrike Titschenbacher in Altirdning steht eine Tafel, die dem Besucher nicht nur den Vulgonamen „Huber“ verrät, sondern gleich die ganze Hofgeschichte. Die Wurzeln des Hofes gehen bis in das Jahr 1321 zurück, als erstmalig ein Ottel Schopper als Besitzer genannt wurde. Schon im Jahr 1449 tauchte der Name Hanus Huber als Besitzer auf. Auf der Tafel liest man aber auch, dass der Stall 1858 aufgrund eines Brandes neu errichtet werden musste. Präsident Titschenbacher nennt einen zweiten Vulgonamen. Der Hof am Bleiberg, wo sein Vater aufgewachsen ist, hieß „Gstemmer“. Dieser Hof existiert zwar nicht mehr, aber noch immer wird vom „Gstemmer“ gesprochen.

 

 

 

 

 

Was unser Wein alles erzählt

vulgo-griesbacher

Weinkönigin Anne Grießbacher aus Risola

In unmittelbarer Nähe zum Heimathaus von Erzbischof Franz Lackner in Risola, Marktgemeinde St. Anna am Aigen, ist die amtierende steirische Weinkönigin Anne Grießbacher zu Hause. Der Vulgoname bei ihr daheim lautet „Nullbauer“. Als Weinmajestät weiß sie von steirischen Weinbauern, die ihren Vulgonamen ganz bewusst in ihre Etiketten beziehungsweise Vermarktungslinie einfließen lassen. Zum Beispiel die Familie Klug vulgo „Voltl“ in Greisdorf. Deren Hausname dürfte vom ehemaligen Besitzernamen „Kraxner Valentin“ (1758 -1815) herrühren. Von Valentin lässt sich nämlich „Valtl“ oder „Voltl“ ableiten. Ein anderes Beispiel ist das Weingut Pichler-Schober in Mitteregg, St. Nikolai im Sausal. Dessen Vulgoname „Hos’n“ findet sich sogar als Symbol im Logo.

 

 

 

 

Auf der Schöttl-Alm

Bauernbunddirektor Franz Tonner meldet sich am Telefon mit „Schöttl Franz“.

Bauernbunddirektor Franz Tonner meldet sich am Telefon mit „Schöttl Franz“.

Wo Bauernbunddirektor Franz Tonner aufgewachsen ist, nämlich in Ranten, spielt der Vulgoname nach wie vor eine große Rolle. „Für die Menschen daheim war und bin ich noch immer der Schöttl Franz. Erst als ich als Bauernbunddirektor wurde, merkte so mancher, dass ich eigentlich Tonner heiße“, schmunzelt der gebürtige Obersteirer, der jetzt in Hart bei Graz lebt. Wenn er mit jemandem aus Ranten und Umgebung telefoniert, meldet er sich nach wie vor als „Schöttl Franz“ und nicht als Franz Tonner. Wie lebendig seine Beziehung zu seinem Vulgonamen ist, beweist er damit, dass sein Jagdgebiet die geliebte „Schöttl-Alm“ ist. Dort hält er sich oft auf.

 

 

 

 

 

Hof mit Geschichte

Vizepräsident Maria Pein wird in ihrem Dorf mit ihrem Vulgonamen gerufen. Man nennt sie „Simandl Maria“.

Vizepräsident Maria Pein wird in ihrem Dorf mit ihrem Vulgonamen gerufen. Man nennt sie „Simandl Maria“.

Daheim ist Maria Pein, die Vizepräsident der steirischen Landwirtschaftskammer, in Spitz. Diese Ortschaft gehört zur Gemeinde Deutsch Goritz. In ihrem Dorf ist sie die „Simandl Maria“. Man spricht sie deswegen immer mit dem Vulgonamen an, weil es im Dorf gleich drei Familien mit dem Namen Pein gibt. Maria Pein kann auch mit einer mit ihrem Bauernhof zusammenhängenden historischen Abhandlung aufwarten: Im Mittelalter befanden sich in Spitz gleich zwei Edelsitze. Der Hof in Oberspitz hieß „Winterhof“ und wurde schon vor dem Jahr 1300 erwähnt. Den Kern des großen Anwesens bildeten zwei später als „Nudelhöfe“ genannten Gehöfte. Davon befindet sich der eine in ihrem Besitz.

 

 

 

 

 

 

Vulgo Wetterpauli

Das Elternhaus von Paul Prattes in St. Ulrich im Greith trägt den Vulgonamen „Hinterhansl“.

Das Elternhaus von Paul Prattes in St. Ulrich im Greith trägt den Vulgonamen „Hinterhansl“.

Aufgewachsen ist Paul Prattes, Wetterexperte beim ORF Steiermark, auf dem elterlichen Bauernhof in St. Ulrich im Greith. Der Vulgoname „Hinterhansl“ ist heute noch in Verwendung. „Ich finde, Vulgonamen sind eine wichtige Sache, da viele Leute auch heute am Land noch viel besser unter diesem Namen bekannt sind“, sagt Prattes, der darüber hinaus einen zweiten Vulgonamen für sich beansprucht: „Wetterpauli“, schmunzelt er. Mittlerweile ist seine Schwester Besitzerin der Landwirtschaft, seine Mutter bewirtschaftet den Hof zum Teil, „sie fährt mit 81 Jahren noch mit dem Traktor“. Neben einigen Kühen und Schweinen gibt es auch ein Damwildgehege.

 

 

 

 

 

 

Vergessen, verloren

Landesbäuerin Auguste Maier wohnt in Hart bei Graz. „Bei uns kennen nur mehr wenige Menschen die Vulgonamen der Bauern.“

Landesbäuerin Auguste Maier wohnt in Hart bei Graz. „Bei uns kennen nur mehr wenige Menschen die Vulgonamen der Bauern.“

Im Gespräch mit NEUES LAND bekundet Landesbäuerin Auguste Maier ihre Zustimmung zur Initiative „Rettet die Vulgonamen“. Sie sollen, so Maier, nicht in Vergessenheit geraten, denn sie sind ein Teil der bäuerlichen Identität. Dort, wo sie wohnt, ist der Prozess des Vergessen-Werdens der Vulgonamen aber schon im Gange. In Hart bei Graz, der extrem stark wachsenden Umlandgemeinde der Landeshauptstadt, kennen die Bewohner fast keine Vulgonamen mehr und auch die Bauern wenden sie kaum noch an. Und wie heißt’s bei ihr daheim? „Wir haben einen ganz unspektakulären Vulgonamen, nämlich ,Lormann‘“, lässt die Landesbäuerin wissen. Was dahinter steckt, weiß sie aber nicht.

 

 

 

 

 

 

Ausbaufähige Idee

Die Älteren in Breitenau am Hochlantsch reden LJ-Landesobmann Andreas Schoberer noch mit „Großproger“ an.

Die Älteren in Breitenau am Hochlantsch reden LJ-Landesobmann Andreas Schoberer noch mit „Großproger“ an.

Der junge Bauer Andreas Schoberer vulgo „Großproger“ aus Breitenau am Hochlantsch hat auf eine Idee von NEUES LAND schon reagiert und möchte unter Seinesgleichen Werbung für die Erhaltung der Vulgonamen machen. Dafür bietet sich ihm ein großes Betätigungsfeld. Er ist nämlich Landesobmann der Landjugend Steiermark und könnte dieses Thema zum Beispiel beim landesweiten Projekt „Tat.Ort Jugend – Bewegter LJ-Sommer“ Ende August einbringen. An diesem Wochenende macht die örtliche Landjugend im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Bürgermeister ein für die Gemeinde sinnvolles Projekt. Wie wär’s mit Vulgonamen-Tafeln für die Bauernhöfe in der Gemeinde?

 

 

 

 

 

 

Ihre Hofgeschichte

Regina Schrittwieser ist Bürgermeisterin von Krieglach und weiß, warum ihr Bergbauernhof den Vulgonamen „Hasler“ trägt.

Regina Schrittwieser ist Bürgermeisterin von Krieglach und weiß, warum ihr Bergbauernhof den Vulgonamen „Hasler“ trägt.

Die Krieglacher Bürgermeisterin Regina Schrittwieser und ihr Mann Ökonomierat Jakob Schrittwieser bewirtschaften in Malleisten den Betrieb vulgo „Hasler“. Sie verfügen über eine geschlossene Hofgeschichte, die in das Jahr 1400 zurückreicht. Damals um 1400 ist von „Kathrein Hasler, Witwe nach Friedl Hasler in Haslech“ die Rede. Historiker meinen, dass der Vulgonamen „Hasler“ einen direkten Bezug zu den in dieser Gegend reichlich wachsenden Haselstauden haben könnte. Wenn die Menschen über ihren Mann Jakob reden, sprechen sie oft nur vom „Hosler“. Regina Schrittwieser wird von den Bauern auch als „Hoslerin“ angesprochen, für die meisten ist sie aber die „Frau Bürgermeister“.

 

 

 

 

 

 

 

In Gnas

Franz Neumüller vulgo Karner

Franz Neumüller vulgo Karner

Monsignore Franz Neumüller stammt vom Bauernhof vulgo „Karner“ in Friedberg. Er war 15 Jahre lang Pfarrer in Gnas und weiß von dort: „Da gab es viele gleiche Familiennamen, zum Beispiel Niederl. Erst wenn man den Vulgonamen dazu gesagt hat, wusste ich, von wem die Rede war.“

 

 

 

 

 

 

Viele Namen lernen

Als Martha Hörmann vor 30 Jahren nach Söding heiratete, war sie für die ältere Generation „die junge Mauri“.

Als Martha Hörmann vor 30 Jahren nach Söding heiratete, war sie für die ältere Generation „die junge Mauri“.

Als die jetzige Bezirksbäuerin von Voitsberg, Martha Hörmann, vor 30 Jahren von Mooskirchen zum vulgo „Maurer“ nach Söding heiratete, wurde sie eine Zeitlang als „die junge Mauri“ benannt. Damit war für die älteren Södinger alles klar, denn sie wussten, von wem sie sprachen und wohin sie Martha Hörmann zuzuordnen hatten. Sie selbst hatte anfangs große Schwierigkeiten damit, die Vulgonamen und Familiennamen unter einen Hut zu bringen, denn wenn zum Beispiel immer nur vom „Krumpn Pepi“ die Rede war, wie sollte man dann seinen Schreibnamen kennen? Martha Hörmann bemüht sich, die Vulgonamen zu verwenden, merkt aber, dass sie im täglichen Gespräch immer mehr verschwinden.

 

 

 

 

 

 

Guter Naturgeist

LAbg. Anton Gangl hat seinen Vulgonamen Kobatl zur Hof-Marke der eigenen Produkte gemacht (www.kobatl.at). Foto: Mayer

LAbg. Anton Gangl hat seinen Vulgonamen Kobatl zur Hof-Marke der eigenen Produkte gemacht (www.kobatl.at).
Foto: Mayer

Vulkanland-Obmann-Stellvertreter LAbg. Anton Gangl aus Tieschen wird in seiner Heimat nicht mit seinem eigentlichen Schreibnamen angesprochen, sondern als „Kobatl“. Ihren Vulgonamen verwendet die Familie Gangl auch bei der Vermarktung ihrer neuen Produktlinie (Bitter Vital, Dirndl Trilogie, Apfel-Holler-Mus). Dabei steht „Kobatl“ für die „Magie des Lebens“ und die innere Vitalkraft dieser am eigenen Hof erzeugten Produkte. Der Kobatl breitet, so Gangl, seine Flügel wie einen Schutzmantel um seinen vitalen Körper. Er ist kein dämonischer Geist, sondern ein beschützender Naturgeist, der den Menschen als Hirte ihrer Gesundheit zur Seite steht.

 

 

 

 

 

 

 

Brücklbauer

Bettina Hofer mag Vulgonamen.

Bettina Hofer mag Vulgonamen.

Nicht nur Landjugend-Landesobmann Andreas Schoberer hat einen direkten Bezug zum Bauernstand, sondern auch sein weibliches Gegenüber. Landjugend-Landesleiterin Bettina Hofer kommt vom vulgo Brückl-bauer in Wenigzell und steht voll hinter ihrem Vulgonamen.

 

 

 

 

 

 

„Ewis Karl“

LAbg. Karl Lackner „Ewis Karl“

LAbg. Karl Lackner „Ewis Karl“

In der Gemeinde Donnersbachwald ist Bürgermeister LAbg. Karl Lackner weitum als „Ewis Karl“ bekannt. Lackner kennt auch die Wurzeln dieses Ausdruckes: „Ewis“ kommt von „ebis“ und bedeutet „wenig“. Ein Hinweis, dass es sich früher um eine kleine Bauernwirtschaft gehandelt hat.

 

 

 

 

 

 

Wolfbauer

Bezirksbäuerin B. Hartleb

Bezirksbäuerin B. Hartleb

Die Knittelfelder Bezirksbäuerin Bernadette Hartleb aus Rachau erzählt: „Mein Mann Peter stammt vom Jostbauer in Mitterbach. Als weichender Bauernsohn bekam er die so genannte Wolfshube. Daraus machten wir den Vulgonamen ,Wolfbauer‘.“ Auch so entsteht ein Vulgoname.

 

 

 

 

 

Ursprung

F. Neger vom „Amtmann Hansl“

F. Neger vom „Amtmann Hansl“

In Otternitz waren früher Gutsherren ansässig. Daher rührt der Vulgoname des Hofs in St. Martin im Sulmtal, von dem ORF-Moderator Franz Neger stammt. „Amtmann Hansl“ ist heute noch als Hausname gebräuchlich und bekannt. „Ich halte diese Tradition für wichtig und gut“, so Neger

 

 

 

 

 

 

Im Zollhaus

Waltraud Jöbstl vulgo "Masserriapl"

Waltraud Jöbstl vulgo “Masserriapl”

„Masserriapl“ heißt der Vulgoname der Edelbrennerin Waltraud Jöbstl aus Wernersdorf. Übrigens haben sie und ihr Mann Johann das ehemalige österreichische Zollhaus am Radlpaß von der BIG gekauft, um es als „Haus der Begegnung“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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