Die steirischen Bananen

In und um Bad Radkersburg verbreiten sich seit Jahren rasant Bananen-Stauden. Heuer soll es sogar erstmals eine Ernte geben.

Wer durch ländliches Idyll am Stadtrand von Bad Radkersburg erstmals zum größten Installationsbetrieb der Stadt fährt, fällt aus allen steirischen Wolken: Da taucht ein stattliches, schneeweißes Haus im Stil einer spanischen Finca auf und davor beziehungsweise daneben stehen riesige Palmen, unendlich viele Bananenstauden und auch große Bäume mit Zitrusfrüchten drauf.

Revolution

Unternehmer Johann Cziglar hat dort schon im Jahr 1975 sein Herz für Bananenstauden entdeckt und wurde rasch zum Motor einer kleinen botanischen Revolution in der ganzen Gegend – die natürlich auch vom Klimawandel kräftige Unterstützung bekommen hat. Mittlerweile wehen die mächtigen Blätter überall im Wind – in kleinen Bauernhöfen, großen Hotels oder privaten Gärten stehen seine Ableger. Cziglar: „Die Leute haben die herrlichen Pflanzen gesehen und wollten sie unbedingt auch haben. Ich kann’s verstehen!“

Mediteranes Klima

Cziglar hat sich mit seinen Bananen-Experimenten von einem bekannten Phänomen beflügeln lassen: Bad Radkersburg ist von einem ungewöhnlichen, mediterranen Klima geprägt. Der Frühling legt erheblich früher los, der Winter später. Und das hat tatsächlich dazu geführt, dass die Bananenstauden in der Thermenstadt und ihrer Umgebung praktisch heimisch geworden sind. Das funktioniert allerdings nur mit klaren Regeln für das Überwintern: Die Stämme werden nahe über dem Boden abgeschnitten und dann gut verpackt, um sie während ihres Winterschlafes gegen die Kälte zu schützen. Im Frühjahr kann man dann förmlich zusehen, wie die Pflanzen unglaublich schnell weit über alle Köpfe wachsen.

Heuer hat offenbar auch das Extremwetter – sehr heiß, sehr nass – kräftig mitgemischt und die Bananenstauden atemberaubende Höhen erreichen lassen. Rekordverdächtig ist beispielsweise eine – besonders gut geschützte – vor dem Hotel Kaiser von Österreich, die es auf fast fünf Meter Höhe bringt. Wohlgemerkt von etwa 20 Zentimeter im Frühjahr gestartet.

Johann Cziglar ist seine Rolle als Pionier der zahllosen mächtigen Dekorstauden in der Region zu wenig. Er will endlich auch Bananen ernten. Und heuer könnte nach mehreren gescheiterten Anläufen für ihn ein magisches Jahr sein: Eine speziell ausgesuchte, neue Sorte sollte – wie Ansätze zeigen – in rund zwei Monaten tatsächlich Früchte tragen. Ein schwieriger Termin, denn im November lässt bekanntlich nicht selten der Winter schon grüßen. Sollten diesmal Minusgrade einen Strich durch die Rechnung machen, dann ist – so Cziglar – allerdings verlässlich im Jahr 2017 die erste Ernte fällig. Für die tragenden Bäume und seinen kleinen Orangen- und Zitronenhain baut er nämlich demnächst einen Folientunnel, um sie besser überwintern zu lassen.

Datteln

„Verpackungen“ seiner ungewöhnlichen Pflanzen in Sachen Frostschutz sind Johann Cziglar ebenso wohl vertraut wie das notwendige Lüften zwischendurch. Auch seine mächtige Dattelpalme (ihre Früchte sind sehr klein und damit nicht verwertbar) bekommt stets einen Vliesmantel und fühlt sich deutlich sichtbar wohl damit.

Wenn all das ebenso Schule macht wie die Verbreitung der Dekorstauden in und um Bad Radkersburg und wenn sich das Klima weiter – wie prophezeit – erwärmt, könnte dieser Teil der Südoststeiermark in gar nicht so ferner Zukunft unter anderem auch tatsächlich zum Bananenland werden.

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