Die Schlüsselrolle spielt der Wind

Die brisante Wettersituation aus der Sicht des Meteorologen Hannes Rieder: Die Gefahr ist groß, aber es gibt auch Hoffnung.

Hannes Rieder, Meteorologe der ZAMG in Graz.

Hunderte steirische Bäuerinnen und Bauern zittern in diesen Tagen um ihre heurige Obst- und Weinernte und verfolgen deshalb gespannt die aktuellen Wetter-Prognosen: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird strenger Morgenfrost vorhergesagt. Traurige Erinnerungen aus dem Vorjahr rücken dabei wieder in den Mittelpunkt. Ein Großteil der steirischen Obst- und Weinernte war ja dem starken Frost zum Opfer gefallen. Hannes Rieder, Meteorologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Graz, beschreibt die äußerst bedrohliche Situation: „Nach derzeitigen Wettermodellen wird Donnerstagnacht der Nordwind nachlassen. Deshalb müssen wir am Freitagmorgen mit wirklich tiefen Temperaturen bis zu minus fünf Grad Celsius rechnen.“ Und diese Temperaturen-Prognosen beziehen sich auf zwei Meter über dem Boden. „Somit könnte es in Bodennähe durchaus auch um ein bis zwei Grad Celsius kälter sein“, so der Meteorologe. Verheerende Schäden wären die Folge.

Wenig Schnee

Rieder zeigt aber auch die Unterschiede zum Vorjahr auf: „Ende April 2016 kam das massive Tiefdruckgebiet aus dem Süden. Durch den Stau an den Alpen gab es zusätzlich zum Frost auch enorme Schneemengen.“ Diese Last begrub viele Obstkulturen unter sich. Heuer sei, so der Experte, nur mit geringen Schneemengen im Raum Hartberg und Weiz zu rechnen: „Im Norden der Oststeiermark könnten bis Freitag einige Zentimeter Neuschnee fallen, die Hauptobstanbaugebiete sind davon jedoch fast nicht betroffen.“ Also ist die Gefahr von Zerstörungen durch die Schneelast gebannt.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch, so Rieder: „Einige Prognose-Modelle in unseren Berechnungen lassen den Wind von Donnerstag auf Freitag länger wehen. Dadurch würden die Temperaturen maximal auf minus ein bis null Grad sinken, da die kalte Luft stärker ausgeblasen wird.“ Somit könnten größere Schäden ausbleiben. Grundsätzlich sei die Gefahr von Morgenfrösten auch nach dem Freitag noch nicht gänzlich gebannt. Denn bis Dienstag nächster Woche müsse man, so der ZAMG-Meteorologe, noch mit Morgen-Temperaturen rund um den Gefrierpunkt rechnen.

 

Fotos: fotolia, ZAMG

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