Die Profis trüben die Freude

Ausreichende Niederschlagsmengen lassen die Pilzsammler jubeln. Die Wälder sind mit den begehrten Köstlichkeiten reichlich gefüllt. Allerdings ist die Freude getrübt: Profi-Trupps aus dem Ausland plündern viele dieser Schätze.

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Pilzexperte Josef Petek: „Heuer ist ein Eierschwammerl-Jahr“. Foto: kk

Karlheinz Lind

Derzeit haben heimische Schwammerl Hochsaison. Unzählige Pilzjäger machen sich in diesen Tagen auf den Weg, um nach beliebten Speisepilzen wie Eierschwammerl, Steinpilz und Co. zu suchen. Und dies auch mit Erfolg, wie Pilzexperte Josef Petek bestätigt: „Wir haben heuer ein außergewöhnliches Eierschwammerl-Jahr. Unmengen von diesem äußerst beliebten Speisepilz sind fast flächendeckend in den steirischen Wäldern zu finden.“ Grund dafür, so Petek, seien die ausreichenden Niederschlagsmengen der letzten Wochen.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Heuer blühen auch, wie Carl Prinz von Croÿ, der Obmann der Land&Forst Betriebe Steiermark erklärt, die gewerblichen Schwammerlsuch-Touren, die oft von slowenischen und italienischen Anbietern organisiert werden, aber grundsätzlich verboten sind. Croÿ: „Meist haben nicht einmal mehr die ortsansässigen Familien eine Chance, im nahen Wald Pilze für den eignen Verzehr zu finden.“ Über die rechtlichen Rahmenbedingungen beim Suchen hinaus sollte der Pilz-Fan unbedingt Bescheid wissen. Croÿ: „Der erholungssuchende Mensch ist im Wald herzlich willkommen.“ Natürlich sei dabei das Schwammerlsuchen, so Croÿ, auch erlaubt: „Laut Forstgesetz dürfen pro Tag zwei Kilogramm Pilze pro Person für den Verzehr in der Familie gesammelt werden.“ Heuer ist das alles besonders spannend, weil die Wetterlage natürlich die Schwammerl-Fans aus dem In- und Ausland beflügelt hat.

Wenig Steinpilze

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Prinz Carl von Croÿ: „Zwei Kilogramm Pilze sind erlaubt.“ Foto: Schiffer

Der Regen hat allerdings unterschiedlich Wirkung gezeigt. Petek, Mitarbeiter im Arbeitskreis „Heimische Pilze“, dazu: „Bei den Steinpilzen können wir heuer ein extremes Nord-Süd-Gefälle erkennen. In den Regionen des Enns- und Murtales sowie in den Tauern findet man bereits Steinpilze, im Süden ist die Situation eher durchwachsen.“ Und das zum Leidwesen der Schwammerl-Begeisterten: Zählt doch der Steinpilz laut einer aktuellen Umfrage des Online-Markt- und Meinungsforschungsinstituts Marketagent.com für knapp 75 Prozent der Befragten nach den Eierschwammerln als zweitbeliebtester Speisepilz. An dritter Stelle landet mit knapp über 50 Prozent der Parasol.

Gefahren

Und genau dieser Parasol sorgt auch für die meisten Probleme beim Verzehr, da die Verwechslungsgefahr mit dem hochgiftigen grünen Knollenblätterpilz am größten ist. Josef Petek, auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Pilzberater, dazu: „Der Knollenblätterpilz gehört zu den giftigsten Pilzen und kann einen Menschen sogar töten.“ Sie enthalten nämlich das stark wirkende Gift Amanitin, das eine organschädigende Wirkung hat. Hier entscheide die verzehrte Menge, so Petek, aber auch die rasche Hilfe über Leben und Tod. Damit es gar nicht so weit kommt, hat Petek, noch einen Rat: „Unter www.pilzforum.at kann man sich nützliche Tipps und Informationen zu den verschiedensten Pilzarten holen.

Foto oben: fotolia.com/aigarsr

 

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