Die Kürbis-Tragödie

Jetzt auch das noch: Die steirische Kürbis-Erntebilanz ist schlecht wie lange nicht mehr!

 

Noch nie ist es so schwierig gewesen, für den Kürbisanbau in der Steiermark eine Erntebilanz zu legen. In manchen Regionen durfte man durchaus zufrieden sein, in anderen gab es nach Dauerregen und Hochwasser totale Katastrophenstimmung. Wie sich nun herausstellte, prägen leider die negativen Eindrücke die Schlussrechnung für dieses Jahr, die jüngst präsentiert worden ist. Franz Labugger, Obmann der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl: „Trotz einer Flächenausweitung von 18,3 Prozent in der Steiermark ist die Ernte schlecht ausgefallen. Noch nie gab es so hohe Ertragsschwankungen. Sie reichen von Totalausfällen bis zu vereinzelten Spitzenerträgen von 900 Kilogramm. Im Schnitt fielen sie unter die 400-Kilogramm-Marke.“

Beklemmend

Vor allem eine Zahl geht unter die Haut. Labugger: „Insgesamt wurden um 2,4 Millionen Kilogramm weniger Kürbiskerne in der Steiermark geerntet.“ Beklemmend ist auch die Vielfalt der Probleme, die zu diesem Einbruch in der Bilanz geführt haben. Andreas Cretnik, Geschäftsführer der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl: „Es ist wirklich alles zusammengekommen, was einem passieren kann. So sind große Mengen einfach verfault und nicht selten hat auch die Befruchtung nicht geklappt. Die Kürbisse waren gut entwickelt, hatten aber gar keine oder nur weiße Kerne.“ Nachsatz: „Wir alle haben im Kürbisanbau schon viel erlebt und sind auch schwierige Jahre durchaus gewöhnt. Aber etwas in dieser Dimension hat es noch nie gegeben.“

Existenziell bedroht sind vor allem jene Bauern, die sich auf Kürbisanbau spezialisiert haben. Aber massiv unter Druck sind auch alle anderen, weil – so Labugger – auch so große Probleme in den anderen Bereichen zu verkraften sind. „Es ist einfach alles schlecht gelaufen“, beklagt der Obmann. Und es kommt dazu, dass „nicht wenige Bauern zwei Jahre hintereinander mit voller Wucht getroffen worden sind. Im Vorjahr war es die Trockenheit, heuer ist es die Nässe.“

Hilflosigkeit

Als besonders schlimm haben die Kürbisbauern in den am schwersten betroffenen Regionen in der südlichen Steiermark und im Raum Weiz, so sagt Cretnik, auch ihre völlige Hilflosigkeit empfunden. „Ein Retten der Ernte war nicht möglich, weil die Geräte in der nassen Erde förmlich versunken sind. Man musste also tatenlos zuschauen, wie alles verfault.“

 

Labugger

„Nicht wenige Bauern sind zwei Jahre hintereinander mit voller Wucht getroffen worden.“ Franz Labugger Obmann der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl

Falsches Bild

Durch diese Situation ist, so der Geschäftsführer, vielfach für Außenstehende auch ein völlig falsches Bild entstanden: „Die Äcker waren bummvoll und die Kürbisse haben auf den ersten Blick auch schön ausgeschaut. Allerdings sind sie von innen heraus verfault. Mit der Folge, dass erst nach der Ernte das Ausmaß des Schadens sichtbar geworden ist.“

 

Zur Zukunft

Im Jahr 2015 werden, so zeigen sich alle Verantwortlichen trotz der derzeit so schwierigen Situation optimistisch, die Kürbisanbauflächen weiter zunehmen. Dazu der Präsident der Steirischen Landwirtschaftskammer, Franz Titschenbacher: „Wir erwarten, dass die Anbaufläche weiter steigen wird, um die Versorgung zu sichern.“

Er weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Landwirtschaftskammer für die steirischen Kürbisbauern im Jänner die wichtigen Kürbisbaufachtage veranstaltet. Bei diesem Ereignis werden alle wichtigen Fragen zum Thema erörtert. Nicht nur das: Es wird dabei auch für eine weitere Ausweitung der Kürbisflächen geworben.

 

 

 

 

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