„Die Konsumenten würden mehr zahlen“

Ingrid Gruber, Milchbäuerin mit rund 20 Kühen, über die Zukunft ihres Hofes in diesen schweren Preiszeiten.  

NEUES LAND: Wie sieht es in diesen schwierigen Zeiten bei Ihnen aus? Wie geht es Ihnen persönlich damit, dass die Milchpreise so stark gefallen sind?

Ingrid Gruber: Die Preissituation trifft uns sehr. Wir sind zwar kein Vollerwerbsbetrieb, aber unser Haupteinkommen liefert die Milch. Wir haben nur das Glück, dass wir momentan keine dringenden Investitionen tätigen müssen. Unser Stall ist vor 20 Jahren abgebrannt und damals hatte mein Schwiegervater schon einen Laufstall gebaut, indem wir die Kühe auch melken können. Daher ist zurzeit kein Umbau nötig.

NL: Wie gehen Sie mit der Situation um, dass Sie um ein Viertel weniger Einkommen haben? In wirtschaftlicher, aber auch in mentaler Hinsicht?

Gruber: Wir hoffen, dass der Handel endlich mit dem Preisdumping aufhört und mit Lebensmitteln keine Verkaufsaktionen macht. Es sollten außerdem dringend Maßnahmen gesetzt werden, damit sich die Preise wieder stabilisieren. Wir haben das Glück, dass wir gesund sind. Und doch geht es einem nicht gut dabei. Aber ich muss sagen, ich gehe noch immer sehr gerne in den Stall, habe die Tiere gern und bin mit Freude dabei.

NL: Welche Konsequenzen ziehen Sie im Moment? Gibt es betriebliche Veränderungen? Haben Sie vor, die Milchmenge zu erhöhen oder in eine andere Produktionssparte zu gehen?

Gruber: Eine Umstellung auf Mutterkuhhaltung zum Beispiel würde Geld kosten, weil in diesem Fall ja auch der Stall zu adaptieren wäre. Wir wollen Milchbauern bleiben, daher muss etwas geschehen, damit der Preis wieder fair wird. Man kann die Kühe ja nicht von heute auf morgen rausschmeißen. Gerade bei uns sind Rinderbetriebe für die flächendeckende Bewirtschaftung in den Bergen sehr wichtig – auch landschaftlich und somit für den Tourismus.

NL: Wie sehen Sie die Zukunft?

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Ein strahlendes Lächeln trotz schwieriger Situation: Nach wie vor geht die Milchbäuerin gerne in den Stall und ist mit Freude dabei.

Gruber: Wir werden uns die Entwicklung anschauen. Ich hoffe, dass regionale Produkte im Einkauf besser gefördert werden, ein Mindestpreis eingeführt und Maßnahmen gesetzt werden. Wenn immer mehr Betriebe als Nebenerwerbsbetriebe geführt werden müssen, könnte es in Zukunft passieren, dass die Jungen sich das nicht mehr weiter antun. Weil sie sich zu Recht fragen werden, warum sie das Geld, das sie selbst verdienen, in eine Landwirtschaft stecken sollten. Die Konsumentinnen und Konsumenten sind nach meinen Erfahrungen schon aufgewacht und würden für regionale Produkte mehr zahlen. Vielleicht kann man mit dem Handel einen Konsens finden.

 

Zur Person

Gemeinsam mit ihrer Familie bewirtschaftet Milchbäuerin Ingrid Gruber im Berggebiet von Floing einen Hof auf 700 Metern Seehöhe. Dazu gehören 24 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, wovon 20 Hektar Grünland und der Rest Ackerfläche ist. Mit rund 20 Kühen liefert der Betrieb eine Jahresmenge von knapp 170.000 Kilogramm Milch.

 

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