„Die Bäuerinnen können stolz sein“

Landesbäuerin Gusti Maier zum Weltfrauentag, über ein stark verändertes Frauenbild in der Landwirtschaft und eine Trendwende.

 

NEUES LAND: Welche Bedeutung hat der gestrige Weltfrauentag für die Bäuerinnen in unserem Land?

Gusti Maier: Zweifellos eine sehr große, denn das Frauenbild in der Landwirtschaft hat sich grundlegend verändert – was noch nicht überall angekommen ist. Dieser Tag kann und soll uns dabei helfen, dass wir dafür mehr Verständnis finden. Zusätzlich dürfen wir jedoch nicht nur an uns denken und müssen Solidarität mit den Frauen in der Welt zeigen, um deren Rechte es zum Teil noch alles andere als gut aussieht.

 

NL: Was hat sich denn im Frauenbild in der Landwirtschaft verändert?

Maier: Aufgrund der Nebenerwerbssituation haben in den letzten Jahren immer mehr Frauen die Verantwortung in den Betrieben übernommen und bewähren sich auch sehr in dieser führenden Aufgabe. Zusätzlich spielen sie eine ganz entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Existenzchancen. Sie sind zum Beispiel ungemein engagiert in der Direktvermarktung, beim Urlaub am Bauernhof und natürlich auch in Green-Care-Projekten. Die Frage nach der Gleichberechtigung stellt sich damit schon lange nicht mehr.

 

NL: Die Bäuerinnen tragen also wesentlich mehr Verantwortung. Wird dies auch in der Gesellschaft entsprechend wahrgenommen?

Maier: Bäuerinnen haben spürbar einen höheren Stellenwert bekommen und auch allen Grund, darauf stolz zu sein. Wenn Menschen heute über das Thema Landwirtschaft nachdenken, fallen ihnen ganz schnell die tüchtigen Bäuerinnen ein.

 

NL: Haben all diese Veränderungen auch neue Wirklichkeiten geschaffen?

Maier: Die sozialen und gesellschaftlichen Ansprüche im ländlichen Raum sind anders geworden. Für die moderne Bäuerin mit ihren vielen Herausforderungen ist es nicht mehr so leicht möglich, dass sie auf ihre Kinder schaut und die Altenbetreuung übernimmt. Deshalb ist etwa eine gute Kinderbetreuung längst genauso wichtig geworden wie in den Ballungsräumen. Darüber hinaus muss es auch selbstverständlich sein, dass die so immens mit Arbeit und Verantwortung belasteten Bäuerinnen auch ihre Freiräume brauchen und eigenen Interessen nachgehen möchten. Natürlich ist für viele von ihnen – wie bei anderen Frauen – zum Beispiel auch Mode ein Thema.

 

NL: Noch einmal zurück zum Thema Gleichberechtigung. Der Nebenerwerb ist doch vorwiegend in männlicher Hand…

Maier: Ich erlebe da deutliche Veränderungen, die Tendenz geht in eine andere Richtung. Zunehmend sind die sehr gut ausgebildeten Frauen berufstätig und ihre Männer halten am Hof die Stellung. Oft macht das auch wirtschaftlich Sinn.

 

NL: Studien belegen, dass vor allem junge, hoch qualifizierte Frauen den ländlichen Raum verlassen und dort sehr fehlen. Das Thema „Bauer sucht Bäuerin“ ist ja bekanntlich viel mehr als nur eine Fernseh-Show. Wie kann es gelingen, die Rolle der Bäuerin wieder attraktiver machen?

Maier: Da haben wir noch viel zu tun. Aber es gibt erfreulicher Weise einen Hoffnungsschimmer. Die Ergebnisse einer Untersuchung, die beim Bundes-Bäuerinnentag im April präsentiert wird, sagen uns, dass wieder mehr Frauen Bäuerinnen werden wollen. Es gibt zwar nur ein zartes Plus, aber erstmals seit 20 Jahren können wir einen Trendwechsel feststellen . 

 

Zur Person

Auguste „Gusti“ Maier, ausgebildete Landwirtschaftsmeisterin, ist seit 2014 Landesbäuerin und kommt von einem sehr vielseitigen Direktvermarktungsbetrieb in Hart/Graz. Sie ist verheiratet, zweifache Mutter und Großmutter. Sohn Stefan und dessen Gattin Sandra haben bereits den Hof übernommen.

 

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