Die Bäuerinnen ergreifen die Initiative

Der Bundesbauernrat in Salzburg stand ganz im Zeichen eines gemeinsamen Manifestes der Bäuerinnen aus allen Bundesländern.

Unter dem Motto „Die Zukunft neu einfärben“ tagte am vergangenen Samstag, in Hof bei Salzburg das höchste Gremium des Bauernbundes – der Bundesbauernrat. Er besteht aus Delegierten und Gästen aller Bundesländer. Im Mittelpunkt stand das „Manifest der Bäuerinnen“, das sich mit den wesentlichen agrarischen Zukunftsfragen auseinandersetzt und im Titel bereits klar macht, dass die Situation brisant ist: „Der Druck auf unsere Höfe steigt. Wirtschaftlich. Gesellschaftlich. Moralisch.“ Im Manifest sprechen die Bäuerinnen sehr deutlich die akute Problemlage in der Land- und Forstwirtschaft an: Es geht um den Preisverfall, die Schuldenfalle durch teure Investitionen oder auch den viel zu geringen Anteil an der Wertschöpfungskette. Die steirische Landesbäuerin, Gusti Maier, überreichte das Manifest – so wie all ihre Kolleginnen aus den anderen Bundesländern – an „ihren“ Bauernbund-Landesobmann Hans Seitinger, der sich davon sehr beeindruckt zeigte.

Auch Bauernbund-Präsident Auer dankte für diese Initiative: „Was uns die Bäuerinnen heute auf den Tisch gelegt haben, zeigt, dass es für die Zukunft sträflich wäre, auf die Fähigkeiten der Frauen zur Problemlösung zu verzichten.“ Mit dem Manifest wurde ein Weg eingeschlagen, den man in nächster Zeit auch weiter beschreiten möchte: Die Bäuerinnen wollen eine breite Diskussionsplattform schaffen und haben die Hoffnung, dass sich viele an diesem Prozess beteiligen.

Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann aus Vorarlberg fasste die Kernforderungen des Manifestes zusammen: „Wir Bäuerinnen sind überzeugt davon, dass wir wirksame Konzepte brauchen, um für unsere Produkte bessere Marktpreise zu erzielen. Mittelfristig müssen wir über Alternativen zu Konzernmarken nachdenken.“ Mit der hohen Anerkennung, die Bäuerinnen und Bauern in der Gesellschaft genießen, würden – so stellte Schwarzmann fest – andere schon jetzt gute Geschäfte machen.

Die Herausforderungen
Hier die wichtigsten Probleme, die aus Sicht der Bäuerinnen zu lösen sind:

• Österreichs bäuerliche Landwirtschaftskultur ist vom Aussterben bedroht.

• Viele von uns leiden unter unerträglichem finanziellen und psychischen Druck.

• Das Preisdiktat ist vom Markt entkoppelt und unterhalb der Deckungsbeiträge.

• Wir als Erzeuger sitzen nicht einmal mehr am Verhandlungstisch.

• Die Nachfolgegeneration entfremdet sich und verweigert sich diesen Umständen.

• Höfe, Landbevölkerung, Spezialitäten, Lebensqualitäten schwinden.

• Im globalen Wachstumswettbewerb kann Österreich dauerhaft nicht mithalten.

• Die Konzernriesen konzentrieren sich auf Agrarindustrie, die bei uns nicht möglich ist.

• Europas Bevölkerung fordert mehr ethisch vertretbaren Pflanzenbau und Tierhaltung.

• Die größten Margen erzielen Produkte als Marken der Lebensmittelgiganten.

 

Die Ziele
Die Bäuerinnen haben sich in ihrem, im Rahmen des Bundesbauernrates in Salzburg präsentierten Manifest, auch einige Ziele gesteckt:
• Wir wollen hochqualitative Lebensmittel zu höherpreisigen Absatzmöglichkeiten.

• Wir wollen einen einzigartigen Standard für österreichische Nahrungsmittel definieren.

• Wir wollen tragfähige Konzepte für die Vermarktung solcher regionalen Nahrungsmittel.

• Wir wollen wieder Mitbestimmung im Marktprozess erreichen.

• Wir wollen die Aufklärungstiefe und Sensibilität der Menschen erhöhen und sie so hinter unsere Sache bringen.

• Wir wollen unsere eigene Marke als Alternative zu den Konzernmarken positionieren.

• Wir wollen, dass wir Bäuerinnen und Bauern den Stellenwert, den wir in unserer Gesellschaft verdienen auch behalten.

• Wir wollen uns unserer Verantwortung ethisch und moralisch vollumfänglich stellen, dafür aber auch entsprechend entlohnt werden.

 

Das Manifest

Wachsen oder weichen war der proklamierte Weg der vergangenen Jahre. Manche sind gewachsen. Manche sind gewichen. Müssen viele, zu viele noch weichen? So manche Lehre besagt, dass der Stärkere sich durchsetzt. Wir Bäuerinnen sind überzeugt, es ist der Anpassungsfähigere. Die leichte Verfügbarkeit global erzeugter Dumpingprodukte bedroht unsere heimischen Nahrungsmittel. In unseren Großmärkten wird Schweinefleisch aus Deutschland, Milch aus Polen, Reis aus China, Rindfleisch aus Argentinien, Mehl aus Rumänien und Erdbeeren aus Israel gekauft. In den Medien sehen wir Bilder von gigantischen Erntemaschinen wie sie nicht endende Weizenfelder in den USA abräumen. Die Agrarmultis schließen sich zusammen, um zukünftig nur noch hochgezüchtetes Saatgut für auf Megaanbau spezialisierte Konzerne zu liefern.

Börsennotierte Großbetriebe optimieren ihre digitalisierte Produktion, um die Nachfrage der steigenden Weltbevölkerung bedienen zu können. Unsere österreichischen Bauernhöfe sind beim besten Willen nicht dafür geschaffen, mit diesem Wachstumswahn mitzuhalten. Europas Gesetze und die Marktsituation erlauben auf lange Sicht auch keine wirtschaftliche Chance zur Konkurrenzfähigkeit. Die Durchhaltementalität hat schon manch Bauernopfer gefordert. Und die meisten von uns, seien wir offen, erleben die wirtschaftliche Situation unserer Familien als unerträglich. Immer neue Investitionen und Schulden für immer effizientere Technik für immer unsicherere Erträge ist nur eine der Sorgen, die wir täglich tragen. Auflagen und Bürokratie tragen das ihre zur alltäglichen Last bei.

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