„Die Arbeit in der Natur erdet extrem“

Forstwirt Markus Bretterklieber über zehn Minuten, die sein Leben veränderten, Holzpreise und Vorwürfe der Papierindustrie.

 

NEUES LAND: In der Würdigung Ihres Staatspreises für beispielhafte Waldwirtschaft steht, dass Sie in der Baumartenauswahl gezielt auf den Aspekt der Klimaanpassung achten. Wie machen Sie das?

Markus Bretterklieber: Seit Generationen war es üblich, Fichten zu pflanzen. Mein Ziel hingegen ist es, maximal 50 Prozent im Bestand zu haben. Auf unseren Flächen werden aber auch Tanne und Douglasie forciert. Der Rest teilt sich auf Laubholz wie Buche, Kastanie und Ahorn auf. Ich habe in den letzten Jahren auch stark auf die Esche gesetzt und leider verloren. Die meisten sind durch das Triebsterben kaputt geworden.

NL: Auf Ihrem Betrieb stellt die Forstwirtschaft den Hauptbetriebszweig dar, Sie verbringen also sehr viel Zeit im Wald. Wie prägt einen das als Menschen?

Bretterklieber: Die Arbeit in der Natur erdet extrem. Man lebt mit ihr und ist viel nachhaltiger eingestellt. Der Nachteil dabei: Die Härte der Natur bekommt man noch viel stärker zu spüren. Es hat mich tief getroffen, was am 28. August diesen Jahres ein heftiges Hagelgewitter mit extremen Sturmböen angerichtet hat. Innerhalb von zehn Minuten wurde in unserem Wald auf rund sieben Hektar die Arbeit von Generationen zerstört. Es hat sogar große Eichen und Buchen entwurzelt und umgerissen.

NL: Gerade in den letzten Jahren unterlag der Holzpreis enormen Schwankungen. Wie ist dieses Auf und Ab zu verkraften?

Bretterklieber: Bei guten Nadelrundholzpreisen gehen wir in die Starkholzernte, bei schlechten in die Durchforstung. Beim Laubholz wird geerntet, was eben gefragt ist. Zum Beispiel derzeit die Eiche. Grundsätzlich sollte man als Land- und forstwirtschaftlicher Betrieb mehrere Standbeine haben, um eventuelle Einkommensausfälle zu kompensieren.

NL: Sie betreiben auch drei genossenschaftliche Nahwärmeprojekte. Wie stehen Sie in diesem Zusammenhang dem Vorwurf der Papierholzindustrie gegenüber, für einen Rohstoffmangel mitverantwortlich zu sein?

Bretterklieber: Dazu kann und will ich klar Stellung beziehen: 80 Prozent vom Heizmaterial für unsere Nahwärmeanlagen wird am Papierholzmarkt nicht gebraucht. Dazu zählt unter anderem Laubholz, Kronen, Äste, Splitterholz und Blochabschnitte. Und genau deshalb haben wir auch diese Anlagen gebaut, um für dieses Sortiment Belebung in den Markt zu bringen. Natürlich geht es auch darum, die Wertschöpfung für unsere Lieferanten zu erhöhen.

NL: Wetterextreme wie Starkregen oder Sturm mehren sich. Glauben Sie, dass man auch als Einzelner einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten kann?

Bretterklieber: Aber natürlich. Ein Vorbild dafür ist sicherlich die Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft. Wir führen unseren landwirtschaftlichen Betrieb bereits seit 25 Jahren in biologischer Wirtschaftsweise und wollen dies auch unseren Kindern vorleben. Mit fossilen Energieträgern muss sparsam umgegangen werden. Seit einigen Jahren betreiben wir auch eine Photovoltaikanlage am Stalldach.

NL: Sie sind begeisterter Jäger in einer Doppelrolle als Grundeigentümer und Jagdausübungsberechtiger. Hat das Vorteile?

Bretterklieber: Jeder der in der Land- und Forstwirtschaft zu tun hat, sollte die Jagdprüfung haben. Egal ob es ums aktiv Mitjagen geht oder bei spannende Diskussionen mehr zu wissen. Ideal ist es natürlich, wenn man auch Mitglied der örtlichen Jagdgesellschaft ist und somit die Arbeit mitgestalten kann.

Zur Person

Markus Bretterklieber (43) erhielt gemeinsam mit Gattin Maria den Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft. Als Absolvent der LFS Stainz schloss er danach eine Zimmererlehre ab. Als Forstwirtschaftsmeister und Vater von drei Kindern beschäftigt er sich auch intensiv mit Nahwärmeprojekten.

 

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