„Der Wechsel war überraschend!“

Die HLA Eggenberg unter ihrem neuen Direktor Sepp Winter setzt voll auf Kooperationen. Das legt Winter auch den Bauern ans Herz.

NEUES LAND: Seit Schulbeginn sind Sie neuer Direktor der HLA für Land- und Ernährungswirtschaft Eggenberg. Wie ist es zu dieser überraschenden Direktoren-Neubesetzung gekommen?

Josef Winter: Es war wirklich überraschend! Meine Vorgängerin Ingrid Weinhandl wurde von der HBLA Pitzelstätten quasi ,abgeworben‘ und ist dort neue Direktorin. Der Wechsel ist im Guten erfolgt. Es ist alles geordnet übergeben worden und sie hilft mir in meiner neuen Aufgabe.

NL: Was werden Ihre Arbeitsschwerpunkte sein?

Winter: Ich setze – auch inhaltlich – ganz stark auf Kooperationen! Die Zusammenarbeit mit der Fachschule Grottenhof bietet für uns gewaltige Möglichkeiten. Auch die Kooperation mit der FH Joanneum läuft sehr gut an – vor allem mit dem nachhaltigen Lebensmittelmanagement. Im Internatsbereich richten wir uns ganz stark mit dem Augustinum aus.

NL: Unterrichten Sie auch?

Winter: Ich unterrichte die Gegenstände ,Ländliche Entwicklung‘ im Maturajahrgang und ,Übungsfirmen‘ als Teil der Betriebswirtschaft im vierten Jahrgang. Ich bin in der Maturakommission drinnen und das hat für die Schüler sicher auch Vorteile.

NL: Die HLA Eggenberg ist neben Raumberg und Bruck an der Mur die kleinste unter den drei landwirtschaftlichen Mittelschulen in der Steiermark. Wie schauen die aktuellen Schülerinnenzahlen aus?

Winter: Wir sind eine kleine, feine Schule und haben 134 Schüler. Wir hätten gar nicht mehr Platz. So gesehen sind wir gar nicht klein. Jede Klasse ist voll. Und unsere Stärke ist, dass jeder Schüler jeden Lehrer kennt und umgekehrt. Das ist ein großer Vorteil. Wenn wir 1000 Schüler hätten, wäre das nicht möglich.

NL: Gibt es auch Burschen in Ihrer Schule?

Winter: Von den insgesamt 27 Schülern, die heuer im ersten Jahrgang begonnen haben, sind zehn Burschen. Mit unserer Ausrichtung auf Ernährungsökologie sprechen wir auch viele Burschen an.

NL: Was versteht man eigentlich unter Ernährungsökologie?

Winter: Ernährungsökologie ist ein stark vernetzter Unterricht zwischen Produktion, Ernährung und internationalen Entwicklungen. Wir sind in der Landwirtschaft weltweit nicht nur vernetzt, sondern auch verschränkt. Wenn irgendwo im Ausland ein Blödsinn im Lebensmittelbereich passiert, trifft uns das auch. Diese Zusammenhänge zu kennen, ist auch ganz wichtig.

NL: Was sind Ihre Erwartungshaltungen an die neue Bundesregierung, vor allem im Bildungsbereich?

Winter: Die großen Reformen sind bereits auf Schiene. Wichtig ist, dass  man auch  im ländlichen Raum Zukunftschancen hat. Es ist momentan eine große Verschiebung vom Land zur Stadt im Gange. Das ist überhaupt nicht gut!

NL: Was sind für Sie die großen Herausforderungen für die Bauern?

Winter: Für die Landwirtschaft ist der Schlüssel die Ernährung. Wenn wir diesen Schlüssel aus der Hand geben und nur mehr produzieren, haben wir viel verloren.

NL: Ihr Credo?

Winter: Kooperation, Kooperation und wieder Kooperation. Es ist wichtig, dass die Bauern ganz stark auf Kooperation setzen, sonst geht ganz viel Kapital verloren.

Zur Person

Josef Winter (54) wuchs als ältestes von sieben Kindern auf einem Bauernhof im oberen Ennstal auf. Nach seinem BOKU-Studium war er im Steirischen Bauernbund tätig. 1993 begann er mit dem Unterricht an der HLA Eggenberg. Von 1995 bis 2014 war er Bürgermeister der Marktgemeinde Kirchbach.

Foto: privat

 

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