Der Steirerhut

Steirerhut im Aufwind: Traditionelle Kopfbedeckungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Das alte Handwerk gilt es zu bewahren.

 

Mit dem Steirerhut meint man eigentlich den Ausseerhut“, klärt Karin Krahl-Wichmann von der Hutmanufaktur Kepka in Graz auf. Der Ausseerhut ist eine Entwicklung aus dem Erzherzog-Johann-Hut, und dieser wiederum hat seinen Ursprung im Biedermeierzylinder. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts „erkannte man an der Höhe des Hutes sofort, wie sehr der Träger dem Staat zugetan war und wie hoch sein gesellschaftlicher Status war, und so nannte man extrem hohe Zylinder ,Angströhre‘“, plaudert Krahl-Wichmann aus dem historischen Nähkästchen. Just aus diesem Grund entschied sich Erzherzog Johann dafür, seine Kopfbedeckung ex-tra niedrig zu halten und auch auf diese Weise die Nähe zum Volk zu unterstreichen.

Erzherzog Johann

Die Entwicklung von Erzherzog Johanns Variante hin zum Ausseerhut drückt sich in einer Veränderung der Form aus. Die Röhre wurde von einer deutlichen Verjüngung nach oben hin abgelöst. Die tannengrüne Farbe blieb, das Material für kostbare Ausführungen bestand aus Hasenhaar. „Das dunkelgrüne Hutband aus echter Seide reichte oftmals bis zum Plattl, also kopfhoch. Die Krempe war schmal, seitlich nach oben geformt und vorne tief gezogen“, so Krahl-Wichmann.

Die modernere Form des Ausseerhutes entstand nicht im Ausseerland, sondern in Grazer Hutfabriken rund um 1925. „Er wurde in der Form einfach der allgemeinen Hutmode angepasst – mit einer triangelförmigen Delle am Kopf –, immer öfter in Schwarz gefertigt, das Hutband wurde hellgrün.“ Heute wird neben der sportlichen, schmäleren Variante auch der originale Ausseerhut wieder verstärkt getragen. Die Variationen entspringen direkten Anliegen der Träger, „der Hut wird immer nach den Wünschen des Volkes angepasst, und das ist der Grund, warum er auch im 21. Jahrhundert so lebendig ist. Ich denke, das entspricht wohl sehr dem Sinne von Erzherzog Johann.“

Viele Modelle

Jeder Hutmacher hatte übrigens seine eigene Form und seinen eigenen Stil, jede Region hat ihre eigenen Anforderungen an den Hut. Deshalb findet man in der gesamten Steiermark und in den Ausläufen des Ausseerlandes nach Salzburg und Oberösterreich hin auch eine Vielzahl verschiedener Modelle. Wirft man einen Blick auf die Geschichte weiblicher Kopfbedeckungen, so wurden zwar vor allem Hauben und Kopftücher getragen. Aber zu Zeiten Anna Plochls existierten bereits auch Trachtenhüte für gut situierte Damen. „Dass Frauen den modernen Ausseerhut tragen, das ist aber wirklich etwas ganz Aktuelles“, betont Krahl-Wichmann, „das hat sich erst in den letzten zehn Jahren entwickelt.“

Merkmale früher und heute

Die reiche Bevölkerung trug den Hut früher in grüner Farbe, gefertigt aus Hasenhaar mit langem Flor. Geschmückt wurde er mit grüner Seide. Je höher der gesellschaftliche Status anno dazumal war, desto aufwendiger gestaltete sich die Auszier des Hutes.

Die heutigen Merkmale eines echten Ausseerhutes sind einerseits der schwarze oder grüne Filz und das grüne Band.

Gamsbart und Hirschradl

Der wichtigste Hutschmuck der alpenländischen Männerhüte ist der Gamsbart aus dem Rückenhaar der Gams. Jäger und Schützen hatten ein Vorrecht auf einen solchen. Gamshaar wurde auch in Radln verarbeitet, diese Bindetechnik ist älter als das Gamsbartbinden. Die büschelartige Form des Bindens kam erst um 1850 auf.

Die Gams- und Hirschradl wurden oft in Kombination mit Spielhahn- oder Auerhahnfedern eingesetzt. Die Federn waren ein Symbol der Jäger und zeugten von Treffsicherheit.

Obersteirer tragen den Gamsbart hinten in der Mitte des Hutes senkrecht nach oben in einer Hülse befestigt. In der restlichen Steiermark findet der Gamsbart seine Position seitlich am Hut.

Details: Filzlaschen

Für die Jagd wurden Filzlaschen eingearbeitet, in die man Jagdzeichen in Form von Zweigen (links sogenannter Trauerbruch, rechts Schützenbruch) stecken konnte. An besonderen Festtagen wurde der Hut mit frischen Blumen geschmückt.

 

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Ob alt oder jung, ob Tradition oder Zeitgeist, ob Festtag oder Alltag: Hut passt in vielerlei Variationen und Situationen gut. Fotos: Steiermark Tourismus/Reinhard Lamm, ikarus.cc

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